Stephanskirchen – Die Modulare Truppausbildung (MTA) ist die Grundausbildung, die alle Feuerwehrler durchlaufen müssen. Sie beinhaltet 111 Unterrichtseinheiten (UE). Ein kleiner, aber sehr wichtiger Teil, ist mit 16 UE die Erste Hilfe. Dieser Ausbildungsteil ist seit einem knappen Jahr für den Landkreis Rosenheim neu geregelt: Er umfasst den herkömmlichen Erste-Hilfe-Kurs und den Ergänzungslehrgang mit sieben weiteren spezifischen Unterrichtseinheiten.
In Schloßberg fand jetzt einer der ersten Übungstage für diesen Lehrgang statt. Feuerwehrler aus Schloßberg, Leonhardspfunzen und Thansau bereiteten sich dabei unter Anleitung vom Bayerischen Roten Kreuz auf ihre Einsatzerfordernisse vor. Die vier jungen Frauen und 14 jungen Männer übten mit Feuereifer nach dem Konzept, das Kreisbrandinspektor Franz Hochhäuser, zuständig für den Bereich Simssee und Chiemsee, gemeinsam mit Katharina Steinbeißer, BRK-Bereichsleiterin Ausbildung und Ehrenamt, erarbeitet hat. „Praxisnah und kompetenzorientiert“, so beschreibt der Kreisbrandinspektor die Ausbildung.
Das Leben mancher Brand- oder Unfallopfer hänge davon ab, wie gut die Ersthelfer vor Ort ausgebildet seien. „Je besser die Ausbildung der Feuerwehrler, umso hilfreicher können sie vor Ort sein. Jeder Handgriff muss sitzen“, bestätigt Hochhäuser.
Ursula Dreischl, Erste-Hilfe-Ausbilderin und Maximilian Unterlinner vom BRK Rohrdorf übernahmen mit Unterstützung von Fachreferenten Toni Stuffer (BRK Rohrdorf) und Andi Penzel (Feuerwehr Schloßberg) die Gesamtleitung. Sie hatten auch die Idee, die Teilnehmer so realistisch wie möglich üben zu lassen. Einige Freiwillige mimten deshalb Patienten mit schweren Kopfverletzungen oder ließen sich als bewusstlose Unfallopfer aus einem Auto bergen. Auch Amputationsverletzungen wurden nachgestellt, sodass die jungen Auszubildenden die Situationen erlebten, wie sie tatsächlich auch passieren könnten.
Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung am Erwachsenen mit und ohne Beatmungshilfe, der Abtransport mit Rettungstuch und Trage sowie vertiefte Kenntnisse über Brandverletzungen forderten die jungen Leute sehr. „Das war teilweise ganz schön anstrengend, physisch und psychisch“, beschreibt es Dreischl. Die Teilnehmer mussten in kleinen Gruppen die jeweilige Situation erfassen und den Patienten entsprechend versorgen. Wie sehr sich Theorie und Praxis unterscheiden können, wurde dabei deutlich. „Wer einen Handgriff schon mal richtig ausgeführt hat, der behält ihn länger in Erinnerung, als wenn er nur die theoretische Anleitung dazu gelesen hat“, weiß auch die Ausbilderin und zieht ein positives Fazit: „Es waren alle mit ‚Feuereifer‘ bei der Sache. Ohne Berührungsängste meisterten die Teilnehmer auch schwierige Aufgaben.“
Von allen Teilnehmern wurde auch der Kurzbesuch von Georg Plankl, Geschäftsführer der Gemeinde Stephanskirchen, gut aufgenommen. Er kam zum Schulungsort in Schloßberg, informierte sich über die Kursinhalte, dankte den jungen Leuten für ihr ehrenamtliches Engagement und wünschte ihnen alles Gute für künftige Einsätze. „Das beflügelte ungemein“, so Dreischl.
Inzwischen seien bei ihr einige Rückmeldungen zum Lehrgang eingegangen. Zwei Teilnehmer wollen sich im Bereich der medizinischen Patientenversorgung noch weiter ausbilden lassen, freut sie sich. Durch die Übung sei aber auch die Zusammenarbeit untereinander geübt worden – auch mit Leuten aus anderen Feuerwehren oder Fachdiensten. „So sieht es doch in der Realität aus“, weiß Dreischl, „da müssen vor Ort alle Helfer zusammenwirken, egal woher sie kommen.“