Gemeinderat Nussdorf fordert „Biberfreie Zone“

„Uns reicht’s jetzt“

von Redaktion

Eine „Biberfreie Zone“ wünscht sich Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer in der letzten Ratssitzung. Vorausgegangen waren zahlreiche Klagen vieler Anwohner aus dem Ortsteil Sonnhart. Seit Jahren haben sie mit Schäden, die durch die Nager verursacht werden, zu kämpfen.

Nußdorf – Kurz vor der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, zwischen Inndamm und der Staatsstraße, erstreckt sich die Siedlung Sonnhart. Früher reichte der Inn fast bis an die Häuser heran und sorgte für Überschwemmungen, vollgelaufene Keller und Ernteausfall. Nach dem Bau der Nußdorfer Staustufe erhofften sich die Sonnharter eine deutliche Entspannung der Situation.

Mit dem Ziehen von Entwässerungsgräben war das Thema dann auch weitgehend erledigt, bis sich eines Tages die Biber ansiedelten. Sie stehen unter Naturschutz. Die possierlichen Riesennager sind geschickte und recht eifrige Baumeister. Einen Baum innerhalb kürzester Zeit zu fällen, stellt für sie kein großes Problem dar. Mit dem so gewonnenen Material lassen sich dann herrliche Stauwerke bauen.

Doch während sich der Biber in seinem neuen Terrain recht wohlfühlt, bereitet er den Anwohnern viel Kummer und Sorgen. Das aufgestaute Wasser sucht sich neue Wege und sorgt unter anderem für nasse Keller, feuchte Hauswände, schlammige Böden und kaum mehr mit Traktoren befahrbare Felder und Wiesen.

Trotz einer lang anhaltenden trockenen Wetterlage stieg in Sonnhart der Grundwasserspiegel. Tagelang mussten die Anwohner Wasser abpumpen, um größere Schäden an ihren Häusern zu verhindern.

Obstbäume sind dem Biber als Baumaterial immer gern willkommen. Bereits 2009 machte er einer Streuobstwiese in Sonnhart den Garaus. „Trotz intensiven Schutzes jedes einzelnen Baumes, trotz fachmännisch angelegter Absperrungen, kamen die Biber an jeden einzelnen Baum heran“, hieß es in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Gefahr für die Vogelnistplätze

Fazit: Die Streuobstwiese existiert heute – wie auch viele anderer Bäume im Umfeld ebenfalls – nicht mehr. Damit gehe auch ein anderes Stück Natur verloren, meinte ein Anwohner. Es würden nun Nistplätze für die heimischen Vogelarten in den Bäumen fehlen. Die Vögel blieben dadurch schon seit vielen Jahren aus. Offensichtlich hätten diese, wie auch die Streuobstwiesen, keine große Lobby in den Behörden, schob der Anwohner genervt nach.

Zur Vorsicht raten Fachleute auch vor Aufenthalten im Wald. Nicht immer gelinge es den nachtaktiven Nagern, einen Baum vollständig zu fällen. Durch die von den Tieren angewendete „Sanduhrtechnik“ könne es passieren, dass ein tonnenschwerer Baum noch auf einem kleinen Stumpf eine kurze Zeit stehen bleibt, leichte Windbewegungen aber sorgten dann für einen Umsturz: unvermittelt und plötzlich. Und so seien auch Personen in Gefahr.

Nach vielen Jahren der Geduld, nicht unerheblichem Aufwand und dem Versuch einer friedlichen Koexistenz hätten die Anwohner nun aber die Nase voll – was in der Sitzung deutlich wurde. Sie hatten einen Antrag auf Entnahme einiger Biber gestellt.

Wenig Verständnis zeigten jedoch die Verantwortlichen im Rosenheimer Landratsamt. Sie lehnten diesen Antrag ab. Deshalb wandten sich die Anwohner nun an den Nußdorfer Gemeinderat, der das Thema auf die Tagesordnung setzte.

Bürgermeister Sepp Oberauer könne die Entscheidung des Landratsamtes ebenfalls nicht nachvollziehen, wurde in der Sitzung deutlich. Er lehne eine Haftung für die Schäden, die durch die Biber verursacht werden, ab. Er sehe das Landratsamt als Sicherheitsbehörde in der Verantwortung. Er fordere für Sonnhart eine „Biberfreie Zone“.

Das Thema wurde im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Während sich ein Großteil des Gemeinderates der Meinung des Rathauschefs anschloss, zeigten sich andere Gemeinderäte eher kritisch. Schließlich stimmten von 14 Gemeinderäte zehn für den Vorschlag, eine „Biberfreie Zone“ in Sonnhart zu fordern.

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