Aschau – Franz Fischer (52) aus Aschau ist zufrieden mit sich und seinem Job. Seit nunmehr neun Jahren ist er beim Bauhof beschäftigt und dort den Winter über als Pistenbully-Fahrer fürs Loipenspuren in Sachrang und im oberen Priental zuständig. Mittlerweile sind „seine“ Loipen über den Landkreis hinaus bekannt. Viele Skiclubs aus der Region kommen für ihre Wettkämpfe nach Sachrang – sind doch die Pisten hier bis ins Frühjahr bestens präpariert und somit nicht nur dank der geschützten Lage des Bergsteigerdorfes schneesicher.
Schon um 7 Uhr drehen die Skater und klassischen Langläufer ihre Runden, „selbst Olympiasieger Björn Kircheisen trainiert schon am frühen Morgen“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Aber meistens sieht er „seine“ Kunden gar nicht – denn nur bei Schneefall fängt sein Dienst um 2 Uhr morgens an. Ansonsten bearbeitet er die Loipen ab dem späten Nachmittag, denn dann können die Strecken über Nacht wieder fest werden.
Schon im Herbst steckt er sich Stecken auf der 18,5 Kilometer langen Strecke, um sich im Winter daran für die Streckenführung zu orientieren. „Aber eigentlich habe ich die Route im Kopf“, sagt Franz Fischer und lacht. „Ich weiß auch, wo die Kurven ein bisschen weiter gehören, und wo es welliger wird.“
4,5 Tonnen
und 198 PS
Technikfans werden jetzt wahrscheinlich die Augen leuchten – ist doch der Pistenbully allein schon in seinen Ausmaßen beeindruckend: 4,5 Tonnen schwer, knapp neun Meter lang und 198 PS stark. Das Räumschild ist hydraulisch schwenkbar und seine Seiten – je nach Brückenbreite beispielsweise – hydraulisch einklappbar. Dazu die massiven Gummiketten. „Die sind besser als Aluketten, damit halten die Loipen länger und besser“, weiß der Experte.
Und auch innen ist der Pistenbully vom Design her beeindruckend: Das Halblenkrad ist ergonomisch geformt, und in den runden Anzeigetafeln kann man alles mögliche an Daten ablesen. „So sehe ich beispielsweise, wie tief meine Schneefräse gerade geht.“ Manche Runden muss der Franz zweimal bearbeiten, aber für ihn kein Problem. Wenn der Schnee kalt ist und es wenig Neuschnee gegeben hat, dann schafft er sein Pensum in gut sechs Stunden. Aber so mancher Einsatz kann dann schon entsprechend länger dauern.
Einmal hat er sogar elf Stunden gebraucht, das beweist ein Blick in sein Logbuch, in dem er genauestens Buch über das Loipenspuren und seine Arbeitseinsätze führt. „Ich hebe sogar die alten Bücher auf“, lacht er, wird aber gleich wieder ernst, denn er hat festgestellt: „Die Winter werden allgemein milder und auch die Schneeniederschläge werden weniger.“
Einsätze im
Logbuch vermerkt
Die Saison 2016/17 sei schneearm gewesen, da waren nur knapp zwei Monate nur Loipenarbeit nötig. Letzter Einsatz am 3. März 2017, steht im Logbuch. Dieses Jahr schaut es schon wieder besser aus. Laut Logbuch hat Franz Fischer die Saison am 30. November eingeläutet und ist seitdem mehr oder weniger jeden zweiten Tag sowie jedes Wochenende auf der Sachranger Loipen unterwegs. Dazu kommen noch die Wanderwege von der Grenze bis hin zu Einfang, die Rodelpiste in Sachrang und der Geigelsteinparkplatz – in seinen Augen alles wichtig: „Der Winterservice ist ein Muss, sonst kommt ja keiner!“
Es spricht sich ja schießlich schnell rum, wo die Loipen gut gespurt sind und wo nicht und wo man schön im Schnee wandern kann. Der Schnee-Experte und Loipenfachmann findet, dass er es gut getroffen hat. „Wenn die Schneekristalle im Scheinwerferlicht glitzern und wenn alles ganz ruhig ist“, dann sei er glücklich. Dazu noch die Panorama-Blicke auf den Kaiser, auf Sachrang oder aufs Berger Feld: „Andere müssen für solche Ausblicke zahlen.“
Und schon selbst mal die Loipen erkundet? Seit zwei Jahren hat er eine Skater-Ausrüstung und war auch schon ein paar Mal skaten. Aber den Vorsatz, die Langlaufski nicht daheim, sondern gleich im Sachranger Bauhof neben seinem Pistenbully zu deponieren, hat er noch nicht eingelöst.