Aldi Süd stellt Projekt im Gemeinderat Oberaudorf vor

„Kaufkraft fließt aus Ort ab“

von Redaktion

Eine Diskussion über Kaufkraftverlust, negative wie auch positive Kopplungseffekte, Bürgerwünsche sowie den eventuell zu erwartenden Mehrwert einer möglichen Ansiedlung eines Lebensmittel- und Drogeriemarkts am östlichen Ortseingang prägte die letzte Sitzung des Oberaudorfer Gemeinderats.

Oberaudorf – Grundsätzlich sind die baurechtlichen Voraussetzungen für das Projekt derzeit noch nicht gegeben.

Wie berichtet, ließen Aldi Süd und die Drogeriemarktkette dm von 8. September bis 11. November 2017 in 1500 Haushalten der Inntal-Gemeinde eine Stimmungsabfrage erstellen. Dabei wurden mehr als 1200 Unterschriften für die Ansiedlung am Ortseingang abgegeben.

Michael Mucke, Prokurist von Aldi Süd, unterstrich bei seinen Ausführungen mehrmals den Mehrwert, den Aldi für den Ort bedeuten könnte. Dabei verzichtete der Unternehmensvertreter bewusst auf eine bildreiche Präsentation. „Das Wort ist entscheidend“, so Mucke, denn aktuell könne man nichts vorzeigen, das wäre viel zu früh.

Gleichzeitig verwies er aber auf die Erkenntnisse der Beratungsgesellschaft Cima, die von Projektleiter Christian Hörmann vorgestellt wurden. Im Zentrum seiner Ausführungen standen die Fragen: Was bedeutet die Ansiedlung eines Lebensmittel- und Drogeriemarkts für den Ort und wären diese Märkte eine ideale Ergänzung der Nahversorgung – ja oder nein?

Die bisherige Analyse zeige eindeutig, dass aus Oberaudorf Kaufkraft abgeführt werde, sprich: Die Leute fahren auch in die umliegenden Gemeinden zum Einkaufen. Diese sogenannte „abfließende Kaufkraft“ müsse nach Ansicht Hörmanns gebunden werden. „Positiv diskutabel“, wie es Hörmann formulierte, sei zudem der mögliche Zufluss von österreichischen Kunden durch die Grenznähe und der „veritable Tourismus“ in Oberaudorf.

Durch die relative Nähe der möglichen Märkte zum Ort ergebe sich auch eine Kopplungsaffinität. Das heißt: Ein nicht geringer Anteil der Kunden, die bei dem Discounter und Drogeriemarkt einkaufen, würde seiner Meinung nach auch das Angebot im Ortszentrum annehmen. Hier verwies Hörmann vor allem darauf, dass ersten Überlegungen nach vorgesehen sei, an den möglichen Märkten effektiv Werbung für den Ort zu machen. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Kopplungen auftreten.“

Auf Anfrage von Gemeinderat Stephan Bruhn (Freie Wähler) betonte Michael Mucke, dass die Gewerbesteuer im Ort bleibe. Auch über die Größe der Märkte wurde gesprochen: Varianten zwischen 800 bis 1200 Quadratmetern seien möglich, hieß es.

CSU-Gemeinderat Hannes Rechenauer sieht bei einer Ansiedlung eine „Verschiebung innerhalb des Ortes“. Generell kritisch stand das Gremium den angeführten Kopplungseffekten gegenüber. Gemeinderat Klaus Förster (Bürgergemeinschaft Pro Oberaudorf) gab zu Bedenken, dass es den Firmen und Investoren doch grundsätzlich ums eigene Geschäft gehe. „Mir geht es auch um die Arbeitsplätze vor Ort“, so Förster.

Einzelhandel

wird gehört

Bürgermeister Hubert Wildgruber kündigte an, dass in den nächsten Monaten umfangreiche Gespräche folgen sollen, vor allem, um die bauleitplanerischen Grundlagen zu ermitteln. Zudem werde Vertretern des örtlichen Einzelhandels die Möglichkeit zur Darstellung ihrer Positionen hinsichtlich einer möglichen weiteren Ansiedlung eines Vollsortimenters und Drogeriemarkts im Gemeinderat gegeben.

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