Aschau – Thomas Mayer wirkt nicht wie ein Träumer, sondern wie einer, der strukturiert und genau plant: Ab Mitte März wird er sich der Herausforderung eines außergewöhnlichen Wanderwegs (siehe Kasten), des Pacific Crest Trails (PCT) stellen und 4279 Kilometer quer durch den Westen der USA – von der mexikanischen Grenze bis hoch nach Kanada – wandern. Ganz allein auf sich gestellt, will er mit wenig Gepäck diese Strecke in knapp sechs Monaten bewältigen. Ein Abenteuer – gewiss, aber auch ein langgehegter Wunsch, den sich der 27-Jährige damit erfüllt.
Einmal quer durch die USA auf dem PCT wandern – dass das möglich ist, haben schon viele bewiesen. Der Kinofilm „Der große Trip – Wild“ mit Reese Witherspoon aus dem Jahr 2015 entführte die Zuschauer auf diesen Weg. Seit knapp einem Jahr ist Mayer bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt.
Der 27-Jährige sah vor Jahren eine Dokumentation über den PCT im Fernsehen. Aus dem Wunsch heraus, sich dieser Herausforderung zu stellen, wurde nach und nach ein konkreter Plan. Zur Vorbereitung gehört aber nicht nur ein bisschen Lauf- und Wandertraining. Da müssen sorgfältig die Gewichte von Zelt, das nur 595 Gramm wiegt, Schlafsack und Matratze neben all der notwendigen Wanderkleidung für sonnige und regnerisch-kalte Tage bedacht werden. Es könnte aber auch schneien. Passen noch ein, zwei Hörbücher ins Gepäck? Gaskocher, Wasserfilter und biologisch abbaubare Seife müssen ja schließlich auch noch mit in den Rucksack.
Begegnungen mit Bären und Pumas
Beim Grundgepäck werde „gespart“, das wiege so um die 7,5 Kilo, so Mayer, der bereits voller Vorfreude ist. Darin enthalten ist aber auch schon der Bärenkanister mit 1,1 Kilogramm Platz für die Essensrationen. Denn unterwegs können den Wanderern wilde Tiere wie Bären oder Pumas begegnen. Auch Schlangen sind eine ernstzunehmende Gefahr. Hat er denn keine Angst? „Doch, ein bisschen nervös bin ich schon“, gesteht der 27-Jährige, aber er sei ja über Handy und GPS mit der Außenwelt verbunden – Und: „Ich bin auslandskrankenversichert“, sagt er in einem Anflug schwarzen Humors.
Zu all den „technischen“ Vorbereitungen gesellt sich aber auch der verwaltungstechnische Aufwand. Für den PCT braucht er Erlaubnisscheine, mit denen er ungehindert nicht nur jeden Nationalpark durchwandern, sondern auch darin übernachten kann. Und dann natürlich noch Flug und Visum für die USA.
Am kommenden Donnerstag, 15. März, geht es für den Aschauer nach San Diego nahe der mexikanischen Grenze. Der Rückflug ist für Donnerstag, 13. September, vom kanadischen Vancouver aus angesetzt. „Meine Eltern sind schon ein bisschen besorgt“, gibt er zu. Aber dass er mit GPS-Signal jede halbe Stunde geortet werden könne, findet er gut: „Das ist auch eine Beruhigung für meine Mama.“
25 Kilometer
am Tag geplant
Thomas Mayer hat sich genauestens vorbereitet. Via Facebook hat er schon Kontakte geknüpft, Erfahrungsberichte verglichen und das Kartenmaterial genauestens studiert. Aus den USA hat er sich teilweise Ausrüstungsgegenstände wie Wanderschuhe und Socken schicken lassen: „Ich muss ja schließlich vor Ort nötigenfalls Ersatz finden.“
Pro Tag will er rund 25 Kilometer schaffen – natürlich in Abhängigkeit von den Höhenmetern. Gesund und fit fühlt er sich, auch wenn ihn in den vergangenen Tagen ein grippaler Infekt niedergestreckt hat. Mindestens dreimal die Woche unternimmt er bei Wind und Wetter lange Wanderungen im Priental und der Umgebung. Eine gewisse „Grund-Fitness“ habe er ja hoffentlich auch noch. Er sei ja schließlich über acht Jahre Ski Freestyle Buckelpiste gefahren, sagt Mayer ganz bescheiden.
Was die ganze Tour kosten wird? Auch da hat sich der Aschauer alles genau durchgerechnet. Pro Monat rechnet er mit 1000 Dollar Ausgaben, was rund 800 Euro sind. Das bislang teuerste war die Ausrüstung, die moderne sogenannte Ultraleichtwanderung hat schließlich ihren Preis. Sponsoren habe er keine – er habe halt viel nebenbei gearbeitet und gespart, um sich den Traum verwirklichen zu können.
Anstellung
gekündigt
Seine Arbeit als Hausmeister bei der Klinik Sonnenbichl hat er gekündigt. Er wolle sich neu sortieren auf dem Wanderweg. Auch wenn der Pacific Crest Trail kein echter Jakobsweg sei – als Solo-Wanderer konzentriere man sich nur auf sich und sein eigenes Tempo. Thomas Mayer: „Und da freue ich mich schon drauf.“