Rohrdorf – Ihre Erfahrungen als ehrenamtliche Asylbegleiterin, die Claudia Opperer, Vorsitzende des Rohrdorfer Ortsverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), schilderte, bildetet ein zentrales Thema der diesjährigen KFD-Hauptversammlung in Rohrdorf. Diese Tätigkeit übt Opperer unter anderem als eine Vertreterin der KFD aus. Auch weitere Mitglieder aus Rohrdorf seien im Bereich der Flüchtlingshilfe engagiert tätig.
„Geld und Leben
aufs Spiel gesetzt“
Nach Einschätzung Opperers habe jeder Asylbewerber einen Grund, nach Deutschland geflohen zu sein. Auch wenn dies nicht immer ein Grund sei, der nach geltendem Asylrecht anerkannt wird. Ihre weiteren Erfahrungen: Alle haben Geld und Leben aufs Spiel gesetzt, um nach Europa zu kommen. Alle wollen arbeiten. Die Behörden in Bayern arbeiten ihrer Ansicht nach allerdings sehr restriktiv daran, die Asylbewerber abzuschieben.
Enttäuscht zeigte sich die Rohrdorfer KFD-Vorsitzende darüber, dass der Landkreis Rosenheim einige Hundert Arbeitserlaubnisse nicht erteilt oder wieder entzogen habe, mit der Begründung, dass der Bewerber keinen Pass vorweisen kann. „Ein Ermessen in behördlichen Entscheidungen zugunsten von Asylsuchenden wird kaum oder gar nicht ausgeübt“, so Opperer gegenüber der Versammlung. Es werde die maximal strengste Anwendung der Gesetze und Verfahrensanweisungen angewandt. Dies führe zu unverständlichen Entscheidungen. Auch die Berichte über Abschiebungen „von sogenannten Straffälligen“ in der Presse müssten kritisch gesehen werden. Oft liege die Straffälligkeit darin, keinen Pass vorlegen zu können.
Lobende Worte für das Engagement und den Einsatz der KFD-Mitglieder fand bei der Hauptversammlung Rohrdorfs Bürgermeister Christian Praxl. Er versprach, dass er an wichtigen Terminen nach Möglichkeit gerne teilnehmen werde. Der Schriftführerbericht von Josefine Schober führte kurzweilig und anschaulich die vielen Aktivitäten im Jahre 2017 vor Augen. Petra Wiesböck stellte den Kassenbericht vor, der für 2017 ein Plus von rund 900 Euro aufwies. Die Kassenprüferinnen Hildegard Fuchs und Gitta Sanftl bestätigten eine vorbildliche Kassenführung, was zur einstimmigen Entlastung der Kassenführerin und der Vorstandschaft führte.
Zudem stellte die Vorsitzende Opperer das Rentenmodell „Solidarisch und Gerecht“ vor, das von katholischen Verbänden wie der KFD, der Kolpingsfamilie, der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), des Familienbundes und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) ausgearbeitet wurde. Es enthält zwei wesentliche Änderungen: Zum einen die bessere Anerkennung von Erziehungszeiten, zum anderen das Heranziehen aller Einkunftsarten zur Rentenversicherungspflicht. Damit würde die Rentenversicherung auf eine breitere Basis gestellt sowie ein Beitrag zur Verhinderung von Altersarmut von Frauen geleistet. Wer dieses Modell unterstützen wolle, könne sich in eine Unterschriftenliste eintragen, so die Vorsitzende.
Im April wird die Diözesanvorstandschaft neu gewählt. Hierzu werden laut Opperer noch Kandidatinnen aus dem Inntal gesucht. Die Vorsitzende gab diesen Aufruf an die Anwesenden weiter, mit der Bitte, Interessentinnen zu melden.re