Streit um einen Hühnerstall in Ranhartstetten eskaliert

Die unglücklichen Glücklichs

von Redaktion

Herr und Frau Glücklich sind nicht glücklich. Jedenfalls nicht momentan. Die Rentner kamen 2011 aus Heilbronn nach Ranhartstetten und wollten in ihrem Häuschen im 50-Seelen-Weiler Ruhe, Natur und bayerische Lebensart genießen. Doch seit ihnen ein Hühnerstall für rund 400 Tiere vor die Nase gesetzt werden soll, ist es aus mit ihrer Ruhe.

Rohrdorf-Ranhartstetten – Sie sind empört und wollen alle Register ziehen, denn mit Lärm, Gestank, surrenden Fliegen und toten Hennen wollen sie nicht leben. Die würden nämlich jetzt schon herumliegen, notdürftig im angrenzenden Wald verscharrt, erklärt Heinz-Eckhardt Glücklich im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Herr Glücklich ist richtig sauer. Überhaupt „macht Bauer Steiner seit Jahren, was er will“, schimpft er. Offensichtlich würden für ihn keine Gesetze gelten. Denn während der Aufstallpflicht für Hühner im Jahr 2016 habe sich dieser überhaupt nicht daran gehalten. „Eine permanente Gefahr für Mensch und Tier“, so Glücklich.

Und der Rentner ist nicht allein mit seiner Kritik. 19 Personen aus dem 50-Seelen-Dorf Ranhartstetten, das zu Rohrdorf gehört, haben unterschrieben. Sie alle wollen keinen zweiten Hühnerstall „mit Massentierhaltung“, wie vermutet wird. Denn einen Hühnerstall mit 350 Tieren gibt es bereits auf dem Hof von Franz Steiner, der mitten im Ort liegt.

Bauer Franz Steiner und seine Lebensgefährtin Christine Deindl sind ebenfalls auf der Palme. „Wir betreiben aktiv unsere Landwirtschaft und nicht ein Heile-Welt-Museum“, halten sie dagegen. „Wir müssen schließlich auch von etwas leben und wollen unser Sach erhalten, auch gegen die Zuagroasten“, sagen sie. Der Hof sei seit Generationen in der Familie. Die eher kleine Landwirtschaft mit Kühen für die Milchwirtschaft und als weiteres Standbein der Hofladen bringen Geld herein. Im Laden wird vermarktet, was die Eier der glücklichen Hühner so hergeben: Neben Eiern auch Eierlikör, Nudeln, Suppenhennen, außerdem Marmelade und Käse aus der Milch von ihren Kühen. Der Hofladen ist die Domäne von Christine Deindl. „Meine Leidenschaft“, sagt sie.

Sie hängt an der Direktvermarktung und dem Laden, der „auch von den Nachbarn“ gut frequentiert werde, wie sie erzählt.

Nun soll ein weiterer Hühnerstall her – Heimat für 382 Eierlegende Hennen. „Ohne Hahn“, wie sie betont. Es werde also nicht schon morgens früh um fünf gekräht, wie „Herr Glücklich immer wieder falsch behauptet“.

Und auch das mit den toten Hennen sei frech. Natürlich sterben Hühner. Da komme der Fuchs und der Habicht erledige den Rest. Dass vereinzelt Kadaver herumliegen, sei normal. „Aber wir kümmern uns um die sachgerechte Entsorgung der Tiere“, verspricht sie – da sei „nix mit im Wald Verscharren“.

In einem Punkt aber sehen beide Parteien „dunkelrot“. Es geht um die Lage des „Mobilen Hühnerstalls“, der allerdings laut Steiner kein mobiler ist, sondern auf einer Bodenplatte fest verankert wird. Rund 40 Meter entfernt vom Wohnhaus der Familie Glücklich. „Die an unser Grundstück angrenzende Streuobstwiese, auf der Pferde weiden, ist aber doch groß genug. Warum muss der Hühnerstall genau vor unsere Fenster“, fragt ein verzweifelter Glücklich. Das sei gemeinsam mit den zuständigen Behörden im Landratsamt so abgesprochen worden, gibt Christine Deindl kontra. Man habe sie sogar zurechtgewiesen von wegen „Zersiedelung“.

Im Landratsamt gibt man sich nüchtern. „Der Bauantrag liegt uns vor. Die notwendigen Fachstellen sind seit Januar 2018 eingebunden, wir warten noch auf die letzten Stellungnahmen “, erklärt Pressesprecherin Ina Krug. Die Bodenplatte habe die Ausmaße von zehn auf 5,80 Meter. „Der Hühnerstall ist ein privilegiertes Vorhaben im Außenbereich und dürfte durchgehen“, glaubt sie.

Das sieht auch die Verwaltung in der Gemeinde Rohrdorf so. Natürlich verstehe man, wenn sich ein Bürger gegen Gegackere, oder eventuelle Nitratbelastung und den drohenden Ammonik-Gestank zu wehren versucht. Das habe schon Konflikt-Potenzial. Als Ausweg biete sich beispielsweise die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes an, heißt es aus der Verwaltung. Dann wisse jeder gleich Bescheid.

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