Franz Steindlmüller (82) aus Aschau hat Jahrzehnte als Förster gearbeitet

„Dem Wald geht es wieder besser“

von Redaktion

Aschau – Für die einen ist er eine Ruheoase, für andere die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wie beispielsweise für Franz Steindlmüller aus Aschau, der über 50 Jahre als Förster gearbeitet hat. Wie es dem Wald in der Region heute geht und aus welchem Holz sein Sarg gemacht werden soll, hat der 82-Jährige – passend zum heutigen „Tag des Waldes“ und zum touristischen Jahresmotto „Wald“ der Gemeinde Aschau – im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen verraten.

Welcher ist für Sie der schönste Wald in der Region?

Hier in der Region habe ich keinen Lieblingswald. Am besten gefallen mir die Waldgebiete bei Berchtesgarden. Das Besondere am Wald ist für mich, dass er ständig sein Gesicht verändert. Wenn ich in einen Wald 20 bis 30 Meter hineingegangen bin, sieht er ganz anders aus, als dort, wo ich losgegangen bin.

Sie haben 33 Jahre in Berchtesgarden gearbeitet. Was macht diese Region und speziell die Wälder dort so besonders?

Das Besondere an diesem Wald sind die unterschiedlichen Höhenlagen, beispielsweise die Waldflächen auf 1200 Metern Höhe. Dort sind die Wachstumsphasen kürzer. Die Pflanzen treiben vier Wochen später aus, es liegt deutlich früher Schnee.

Wir kennen jetzt ihren Lieblingswald. Haben Sie denn auch einen Lieblingsbaum?

Mein Lieblingsbaum ist die Fichte, da sie zur Verarbeitung sehr wandelbar, aber auch haltbar ist. Ich bin ja schon älter und habe sogar mit dem Bestattungsinstitut bereits geklärt, dass mein Sarg aus Fichte sein soll.

Wie sind Sie dazu gekommen, Förster zu werden?

Mein Großvater und mein Vater waren beide Förster. Ich habe nach der Schule Waldarbeiter gelernt, hatte dann aber einen Arbeitsunfall, der mich daran hinderte, diese Arbeit fortzuführen. Also habe ich die Försterschule gemacht. Und: I dank am Herrgott, dass i’s worn bin!

Ist die Arbeit eines Försters so romantisch, wie sie sich viele Menschen vorstellen?

Mei, normalerweise hab ich am Vormittag die Büroarbeit erledigt. Nachmittags bin ich selber in den Wald zu meinen Arbeitern gefahren und am Abend auf die Jagd gegangen.

Dann sind Sie ja nicht nur an den Bäumen, sondern auch an den Tieren des Waldes interessiert…

Es gibt eine klare Aufteilung der Lebensräume der Tiere: In den unteren Waldregionen lebt das Rehwild, in der Mitte das Rotwild und oben das Gamswild. Früher ist das Rotwild auf der Suche nach Nahrung sogar bis ins Flachland gekommen. Seitdem die Autobahn existiert, geht das aber nicht mehr. Deswegen gibt es jetzt die Wildfütterung – auch um die Bäume zu schützen.

Wieso müssen die Bäume vor dem Wild geschützt werden?

Die Tiere fressen sonst gerne die jungen Triebe. Zum Schutz der Bäume wurden beispielsweise in Aschau 1990 Zäune errichtet. Dadurch sind immer mehr Laubbäume gewachsen. Das war sozusagen die Geburtsstunde des Mischwalds. Mittlerweile braucht es keinen Zaun mehr. Die Bäume sind jetzt alle groß genug.

Dann sind die Wälder in der Region wohl meistens Mischwälder?

Ja, meistens schon. Eine Monokultur ist ökologisch auch nicht sinnvoll, weil sie beispielsweise den Boden auslaugt. Ökonomisch betrachtet, kann mit Fichtenwäldern zwar der größte Gewinn gemacht werden, da Fichten schnell wachsen. Aber für die Natur sind Mischwälder das Beste.

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland über das Waldsterben diskutiert. Wie geht es denn dem Wald heute?

Ich würde sagen, dem Wald geht es besser. Es gibt zwar öfters kahle Stellen oder von Käfern befallene Bäume, aber das ist normal und war schon immer so.

Auch der Wolf, der in der Region wieder heimisch werden könnte, schreckt die Bürger auf. Sehen Sie den Wolf ebenfalls kritisch?

Ich war 50 Jahre Förster und bin hier in der Region keinem einzigen Wolf begegnet. Grundsätzlich würde ich sagen, es gilt abzuwarten und zu beobachten, wie sich der Wolf verhalten würde. Aber sobald er auf Kinder oder Menschen losgeht, müsste er sofort entfernt werden.

Ein Klischee ist, dass ein Förster im großen Geländewagen unterwegs ist. Was für ein Auto fahren Sie?

Ich fahre einen VW Polo. Auch früher bin ich immer nur mit kleinen Autos gefahren. Das hat mir völlig gereicht.

Interview: Ines Rossteuscher

Aktionstag

Bereits in den 70er-Jahren hatte die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, den 21. März als „Tag des Waldes“ ausgerufen. An diesem Tag weisen weltweit zahlreiche Umweltorganisationen mit verschiedenen Aktionen auf die Bedeutung des Waldes für das Weltklima und das Überleben von Mensch und Tier hin.

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