interview mit diplompädagogin Christine laponder

„Schön wäre ein Ort zum Ratschen“

von Redaktion

Quartierskonzept für Rohrdorf nimmt weiter Fahrt auf: Ab April Sozialbüro in der Unteren Dorfstraße 1

Rohrdorf – Für die Weiterentwicklung eines Quartierskonzepts, das das Bayerische Sozialministerium mit bis zu 80000 Euro auf vier Jahre fördert, hat die Gemeinde Rohrdorf einen entscheidenden Schritt getan: Ab 1. April steht Christine Laponder im Sozialbüro in der Unteren Dorfstraße 1 als Anlaufstelle für alle Fragen rund um soziale Belange zur Verfügung; die Stelle ist auf 14 Wochenstunden ausgelegt. Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig gefasst. Dabei ist die Diplompädagogin in Rohrdorf keine Unbekannte: Seit einem Jahr unterstützt sie Flüchtlinge und Asylbewerber – rund 70 sind dies derzeit in der Gemeinde – beispielsweise bei Behördengängen. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit Christine Laponder über ihr neues Aufgabenfeld gesprochen.

Sie kümmern sich ab 1. April mit um die Entwicklung eines Quartierskonzepts für die Gemeinde. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff?

Das Sozialbüro soll für alle in Rohrdorf lebenden Bürger und Bürgerinnen eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um den sozialen Bereich werden. Beispielsweise unterstütze ich die Hilfesuchenden beim Ausfüllen von Anträgen (ALGII, Wohngeldanträge) oder bei der Suche nach einer passenden Wohnung. Je nach Problemlage vermittle ich Betroffene auch an die entsprechende Fachstelle weiter. Also ähnlich, wie in meiner Arbeit mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern. Zusätzlich möchte die Gemeinde Rohrdorf für ihre Senioren die Möglichkeit schaffen, im vertrauten Umfeld und innerhalb der gewachsenen sozialen und gewohnten Strukturen älter zu werden.

Welche Themen wollen Sie dabei aufgreifen? Und was werden die ersten Schritte sein?

Bei mir im Sozialbüro sollen alle Fäden zusammenlaufen. Ziel ist es, einen Überblick über alle Angebote zu bekommen. So können wir alle vorhandenen Ressourcen wie beispielsweise das Sozialwerk, die kirchliche Seniorenarbeit sowie Vereine und Verbände bündeln und koordinieren, um sie sinnvoll zu nutzen. Damit dies gelingt, ist die Zusammenarbeit und die Vernetzung von Bürgern, Ehrenamtlichen und Fachleuten vor Ort besonders wichtig. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, einen Treffpunkt für ältere Menschen im Dorf zu schaffen; schön wäre zum Beispiel ein Ort zum Ratschen, zum Austauschen und zum gegenseitigen Kennenlernen.

Ein Quartierskonzept lebt ja nicht zuletzt von Anregungen und bürgerschaftlichem Engagement. Haben Sie schon konkrete Pläne, wie Sie Bürger, Vereine und Verbände mit ins Boot holen?

Im Januar 2017 fand ein Expertenworkshop mit 30 Fachleuten aus der Seniorenarbeit, aus Vereinen, Verbänden, Kirchen und dem ärztlichen Bereich sowie aus Kommunalpolitik und Verwaltung statt. Ziel dieses Workshops war es, Stärken und Herausforderungen in der Senioren- wie auch in der Asylarbeit herauszuarbeiten, passende Maßnahmen zu entwickeln und Umsetzungsvorschläge zu formulieren. Im Rahmen der Ausarbeitung des Konzepts wurden außerdem alle Rohrdorfer im Alter von 65 Jahren und älter zu ihren Vorstellungen und Wünschen befragt; die Rücklaufquote der Fragebögen lag bei 25,7 Prozent. Ein weiterer Expertenworkshop soll sich nun mit der Auswertung der Umfrage beschäftigen und konkrete Maßnahmen entwickeln.

Was würden Sie sich wünschen, damit die Zusammenarbeit mit Bürgern, Gemeinde, Senioren- und Behindertenbeauftragten auch langfristig Früchte trägt?

Mein Wunsch für das Sozialbüro und das Quartierskonzept ist, dass die Rohrdorfer Bürger Vertrauen zu mir aufbauen und mit ihren Problemen und Ideen zu mir ins Büro kommen. In der Gemeinde gibt es schon sehr viele Angebote, die aber nicht jedem bekannt sind. Durch Netzwerkarbeit wollen wir diese Angebote bekannter machen, damit sie von der Bevölkerung besser genutzt werden können. Schön wäre es, eine Art generationenübergreifende Nachbarschaftshilfe aufzubauen, also Jung hilft Alt, Alt hilft Jung. Etwa nach dem Motto: Biete eine Stunde Nachhilfe gegen eine Stunde Hilfe bei der Gartenarbeit. Hierbei könnten sicherlich auch Flüchtlinge eingebunden werden.Interview: Marisa Pilger

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