Aschauer Bürger engagieren sich seit Jahrzehnten für Amphibien

Unter Geleitschutz über die Straße

von Redaktion

Wie viele Amphibien sie in den vergangenen drei Jahrzehnten vor dem Tod gerettet haben, kann das Aschauer Ehepaar Sommer nicht sagen. Aber es werden sicherlich Tausende sein. Denn jedes Frühjahr helfen die Naturschützer Fröschen, Molchen und Co. über die Staatsstraße zwischen Aschau und Frasdorf.

Aschau – Hans Sommer, 69 Jahre, ist zusammen mit seiner Frau Bärbel seit über 30 Jahren in Sachen Arten- und Naturschutz unterwegs. Eine „Herzensangelegenheit“, wie der Aschauer sagt. Für ihn sind Amphibien ein Teil der Natur, die es zu erhalten gilt. Und so steht er zusammen mit einigen anderen freiwilligen Helfern je nach Witterung ab Anfang März bereit, um erst einen rund 300 Meter langen Schutzzaun zu errichten und dann Frösche und Kröten von ihrem Überwinterungsquartier zu ihren Fortpflanzungsstätten zu tragen.

Ein nicht ganz ungefährlicher Job – wandern die Amphibien doch am liebsten in der Dämmerung, auch wenn es dabei Straßen zu überqueren gilt. Hans Sommer aber will nicht klagen. „Gottlob ist in all den Jahren noch nichts passiert“, auch wenn – trotz Warnschildern – viele Nachtschwärmer auf der Staatsstraße 2093 zwischen Aschau und Frasdorf gerne rasen. Sei’s drum: Wichtig ist dem pensionierten Sonderschullehrer der Schutz der Artenvielfalt.

1983 fanden sich um ihn und den damaligen Chefarzt der Kinderklinik, Dr. Rainer Penners, zahlreiche Mitstreiter, die letztlich den Ortsverband Bund Naturschutz (BUND) gründeten. Seit damals machen sich Jahr für Jahr zahlreiche engagierte Aschauer im zeitigen Frühjahr auf, um die laichenden Amphibien auf ihrem Weg zu den Laichgewässern zu begleiten.

Denn sobald das Thermometer nachts deutliche Plusgrade zeigt, werden die Kröten, Frösche, Unken und Molche aktiv. Ablaichen tun die Amphibien aber nur dort, wo sie geboren sind. Und da der Fürschlachten auf der östlichen Seite der Staatsstraße zwischen Aschau und Frasdorf liegt, stehen die Ehrenamtlichen Nacht für Nacht gut vier Wochen lang am westlichen Straßenrand, um die Amphibien von Hand einzusammeln und dann über die Straße zu tragen. Wenn es mehr Platz gebe, könnte man Eimer in Erdlöcher verbuddeln und somit weniger aufwendig Amphibien „sammeln“, aber beim Fürschlachten sei der Straßengraben nicht breit genug.

Hans Sommer erzählt, dass er und seine Mitstreiter im Laufe der Jahre viel beobachtet und gelernt hätten. Die Amphibien haben wohl eine Art inneren Kompass, mutmaßt Sommer. Denn die Tiere ziehen querbeet zu ihren Laichplätzen. Die zierlicheren männlichen Kröten lassen sich dabei meist huckepack von den Weibchen tragen – manchmal schleppt eine Krötendame sogar mehrere Männchen. Das habe er selbst schon oft beobachten können.

Auffällig sei auch, dass die Zahl der Amphibien von Jahr zu Jahr schwanke. Seine Frau führe seit einigen Jahren ein Logbuch. 2012 wurden beispielsweise 168 Frösche und 16 Kröten eingesammelt, 2014 waren es 490 Frösche, 23 Kröten und ein Molch, zwei Jahre später dann 301 Frösche, 21 Kröten und zwei Molche, und im vergangenen Jahr habe man 445 Frösche, 37 Kröten und einen Molch gezählt. Sommer erklärt, dass für ihn die Natur wie ein Uhrwerk ist, bei dem die einzelnen Räder ineinandergreifen. „Und wenn ein Rädchen nicht funktioniert, dann geht’s nicht weiter.“

Der Laubfrosch sei zwar mittlerweile sehr selten, aber es gebe wieder vermehrt Feuer- und Alpensalamander, und auch Grün- und Braunfrösche, Gelbbauchunken sowie Bergmolche könne man antreffen. Sommer wünscht sich mehr Unterstützung. Der Amphibienschutz ist – so scheint es – Familiensache. Hans Sommers Frau und Tochter helfen, und auch Jörg Gaier, dessen Eltern schon bei der Gründung der BUND-Ortsgruppe Aschau dabei waren, ist seit vielen Jahren mit von der Partie.

Aber es brauche mehr Freiwillige. Auf der anderen Seite des Prientals, bei Bucha am Bärensee, sei ebenfalls ein Amphibienzaun vonnöten. Und auch von Gemeindeseite könnte mehr Interesse kommen, findet der Amphibienschützer. „Wir bekommen die Warnschilder und beim Bauhof dürfen wir die Zaun-Utensilien einlagern. Aber den Zaun bauen wir selbst auf.“

Hans Sommer will weitermachen – auch wenn vielleicht nicht alle Bürger sein Engagement schätzen. Schließlich gehe der Artenschutz alle an, besonders wenn die Lebensräume bedroht sind, ist Sommer sicher: „Die Natur muss im Gleichgewicht sein.“

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