Bad Feilnbach – Auf eines freut sich Hans Hofer ab heute bereits im wahrsten Sinne des Wortes tierisch: „Wenn ich morgens in den Stall gehen und die Kühe versorgen kann, ohne dass ich immer auf die Uhr schauen und an den nächsten Termin denken muss.“ Das ist für den Noch-Bürgermeister Luxus geworden in den vergangenen zwölf Jahren.
Denn für ihn ist „Landwirtschaft auch zugleich Leidenschaft“. „Dabei kann ich entspannen und meine Gedanken sortieren. Zugleich ist es auch ein gutes Training, um fit zu bleiben“, betont er gegenüber unserer Zeitung. Gerade in stressigen Zeiten im Rathaus sei dies ein guter Ausgleich gewesen.
Nachfolger eingearbeitet
Den Übergang im dortigen Chefsessel hat er im vergangenen Monat bereits eingeleitet. Zu zahlreichen Terminen nahm er seinen Nachfolger schon mit und führte ihn in die anstehenden Arbeiten ein. „Denn fertig ist man als Bürgermeister nie. Man hat immer ein Projekt oder eine Sache im Kopf. Schließlich ist das Gemeindeleben ein laufender Prozess“, so Hofer.
Eine Vereinbarung per Handschlag war für ihn dabei etwas Verbindliches. „Ich habe das zugleich als Vertrauensbonus und wertvolle Beurteilung einer Person und der vertrauensvollen Kommunikation gesehen“, so Hofer. Überhaupt blicke er insgesamt gesehen auf eine sachliche und konstruktive Zusammenarbeit in der Verwaltung, im Gemeinderat und der Bürgerschaft zurück. „Nicht immer kann man es allen recht machen“, ist sich Hofer bewusst. Ihm war das Miteinander im Rathaus wichtig.
„Vieles war
noch nicht reif.“
Mit dem Motto „Ärmel hochkrempeln und Sachen anpacken“ habe er 2006 sein Amt angetreten. Dabei habe er sich erst an den Verwaltungsapparat und die damit erforderliche und notwendige Bürokratie gewönnen müssen.
„Leider musste ich dann auch erfahren, dass für vieles die Zeit noch nicht reif war. Außerdem braucht man auch bei bestimmten Entwicklungen etwas Glück“, resümiert Hofer. Beispiele hierfür seien die Hotel- und Gewerbeansiedlungen gewesen. „Hier musste einfach alles zusammenpassen. Mit Gewalt ging nichts.“ Auch das geplante Gewerbegebiet Eulenau, welches letztlich wegen der schlechten Bodenverhältnisse nicht realisierbar war, gehörte zum „Erfahrungsschatz“. Im Straßenbau habe sich in seiner Ära einiges getan, „auch wenn es mir letztlich trotzdem zu wenig war“.
Das umfangreichste Projekt ist zugleich „Erbe“ an Wallner und beschäftigt den Gemeinderat auch weiterhin: die Neugestaltung der Ortsmitte. „Hier hat der Gemeinderat gemeinsam und wohlüberlegt ein großes Projekt angestoßen“, betont Hofer. Die Beteiligung der Bürger – wie zuletzt mit dem Wirtshausgespräch dazu (wir berichteten) – ist dabei nur ein Baustein von vielen. „Bürgerbeteiligung war und ist mir wichtig. Nur leider ist es nicht immer und sofort umsetzbar gewesen“, so Hofer.
Eines bedauert er: den Verkauf des ehemaligen VdK-Hauses „Schwarzenberg“ und die nicht gelungene touristische Ansiedlung dort. „Die Zeit war hier einfach nicht reif dafür.“ Hotel-Investoren auf diesem Sektor seien nicht daran interessiert gewesen.
Auch die ersten Schritte in puncto Nahwärmenetz waren Hofer wichtig. Der Rathauschef betont, dass die Entscheidungen – wenn auch teils kontrovers diskutiert – gemeinsam im Gemeinderat getroffen worden wären.
Weitere Projekte waren unter anderem für Hofer die Dorfgemeinschaftshäuser, die Dezentralität der Ortsteile und gleichzeitig deren Wir-Gefühl als Kommune Bad Feilnbach. Zwei Thematiken hätten besonders die Emotionen hochkochen lassen (wir berichteten): die Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde sowie der Wolf, der 2011 in den regionalen Wäldern unterwegs war.
Die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes im Ortskern habe auch seine Zeit gebraucht. „Die Geduld hat sich aber gelohnt“, beurteilt er die Entwicklung vis à vis des Rathauses. Hier habe es allein sechs bis sieben Jahre bis zum endgültigen Status quo gedauert. „Anfragen gab es einige, allerdings nur immer für den Außenbereich, was nicht Ziel und Wunsch des Gemeinderats war“, erinnert sich der scheidende Rathauschef.
Traditionen und die Kulturlandschaft bewahren waren ihm in den vergangenen Jahren – wie 2006 bei der Wahl angekündigt – bis zuletzt ebenfalls ein Anliegen. Überdies waren ihm die 1800 sogenannten Auspendler stets ein Dorn im Auge. Bad Feilnbach muss auch künftig für Bürger zum Arbeiten, Wohnen und Leben attraktiv sein, wünscht sich der Bürgermeister.
Mehr Zeit
für die Familie
Alles andere als amtsmüde sei er. „Ich habe mich der Aufgabe als Bürgermeister gestellt. Nun ist es aber an der Zeit aufzuhören.“ Er wolle jetzt wieder mehr Zeit mit der Familie verbringen. Auch als „normaler“ Bürger will Hofer weiterhin aktiv am Orts- und Vereinsleben teilnehmen. „Ich bin nicht von der Bildfläche verschwunden. Ich traue mich nach wie vor durch den Ort“, scherzt er.
Langeweile befürchtet Hofer deshalb nicht. Der Hof, die 50 Kühe und gelegentliches Aushelfen in der Firma des Sohnes würden für Kurzweil sorgen. Denn das Baggerfahren und -bedienen hat er in seiner Amtszeit nicht verlernt. Unvergessen ist ein Spatenstich, den er selbst in der Baumaschine im Rahmen der Umverlegung der Bahnhofstraße durchgeführt hatte.