Bürgerinitiative „Zukunft Samerberg“ lud zum Infoabend

Kein Zoff dank Flächennutzungsplan?

von Redaktion

Nicht nur am Samerberg stoßen die Interessen von Bürgern, Landwirten und Gewerbetreibenden immer öfter hart aufeinander. Die einen wollen keinen Hühnerstall vor dem Schlafzimmer, die anderen keinen Rinderlaufstall vor der Terrasse. Gehörig Zoff scheint da stets vorprogrammiert.

Samerberg – Abhilfe könnten Flächennutzungspläne (FLNP) bringen, heißt es in vielen Verwaltungen des Landkreises. Die Bürgerinitiative „Zukunft Samerberg“ sieht das ähnlich. Der dortige FLNP reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Die Mitglieder fordern eine zeitgemäße Anpassung.

Zur Frage „Wohin soll sich der Samerberg entwickeln“ hatte die Initiative zwei Fachleute aus der Praxis eingeladen: Hans-Jörg Birner, Bürgermeister aus Kirchanschöring, und Alt-Bürgermeister Michael Pelzer aus Weyarn. Sie stellten im voll besetzten Törwanger Gasthof Zur Post ihre jeweiligen Dorfentwicklungskonzepte vor.

Birner stellte das Kirchanschöringer Modell samt der Vision „Leben und Wirtschaften“ vor. Als ein Ergebnis führte er das „Haus der Begegnung“ – eine Wohngemeinschaft mit Pflegeangeboten sowie angeschlossener Arztpraxis und Café – an. Im Jahr 2013 geplant, bei Infoveranstaltungen, Bürgerwerkstätten, Exkursionen in andere Gemeinden und Gemeinderatsklausuren fortgesponnen, ist das Haus jetzt bezugsfertig. Birner erwähnte die staatlich anerkannte Öko-Modellregion Waginger See – Rupertiwinkel, die aus der ursprünglichen Kirchanschöringer Idee „Gesunde Lebensmittel“ entstanden sei.

Derzeit gehe es um die allgemeine Siedlungsentwicklung, so der Kirchanschöringer Bürgermeister. Anstatt weiter Einfamilienhäuser auszuweisen, habe man in Zusammenarbeit mit der TU München, dem Gemeinderat und der Bürgerwerkstatt Szenarien für ein „Anders Wohnen“ entwickelt. Diese Innenraumverdichtung in kleingruppigen, dorfähnlichen Siedlungen bedeute, dass man bei gleicher Wohnfläche die Siedlungsfläche deutlich reduzieren könne. Vor dem Aufstellen eines FLNP sollte man aber geklärt haben: „Was möchte man? Was will man weiter entwicklen? Wo setzt man Schwerpunkte?“ Birner erklärte abschließend, wie hilfreich es sei, auf Fachwissen in der Gemeinde zurückgreifen zu können. Alle Beteiligten sollten „nicht gegen-, sondern miteinander arbeiten“.

Michael Pelzer, Alt-Bürgermeister aus Weyarn, argumentiert ähnlich. Es müsse ein „übergreifender Konsens“ erzielt werden, sei es bei der Bestandsaufnahme, bei der Entwicklung eines Leitbilds oder bei der Aufstellung eines Maßnahmenkatalogs, ehe ein FLNP Sinn mache.

Pelzer zählte hierzu einige Ergebnisse auf. Weyarn sei Münchner Einzugsgebiet und habe über 20 Ortsteile, aber man habe keine Schlafdörfer und kein „einzelliges“ Gewerbegebiet haben wollen. Also wurden dezentrale Gewerbegebiete mit einer Tierarzneimittelfabrik in einem Aussiedlerhof sowie einer Schreinerei und Zimmerei bei einem anderen Bauernhof geschaffen worden.

Von Bürgern und der in Weyarn einmal pro Jahr stattfindenden Kindergemeinderatsitzung kam der Wunsch nach einer Schule auf einer grünen Wiese. Auch das habe man mit viel Eigenbeteiligung verwirklichen können. Im Aufbau sei derzeit das sogenannte Mehrgenerationenwohnen im Neubaugebiet Am Klosteranger.

Auf Nachfragen aus den Reihen der Zuhörer betonten beide Referenten, wie bedeutsam eine gehaltvolle Planung sei. „Wohnen und Gewerbe müssen ins Dorfbild passen.“

Pelzer fand, dass die Gemeinde eine Informationspflicht habe, denn das schaffe Vertrauen. Aber es brauche auch Mut zur Durchsetzung: „Gemeinderat und Verwaltung müssen das Heft in der Hand haben und dürfen sich nicht von Bauträgern treiben lassen“, so Birner. Pelzer sah den Flächennutzungsplan als „Absichtserklärung.“ Man dürfe aber „keine Erwartungshaltungen provozieren“, sondern müsse behutsam zwischen Wohnen und Arbeiten abwägen und auch Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Verkehr, Energie, Bodenveränderung und Wasser miteinbeziehen.

Dazu brauche es, so Birner und Pelzer unisono, nicht nur eine externe Moderation für Bestandsaufnahme und Gesamtkonzeption, sondern auch viel Zeit.

Peter Krieger, Mitinitiator der Bürgerinitiative und Organisator der Infoveranstaltung, hakte beim Thema Visionen und Projektmanagement nach. Beide Referenten empfahlen hier, Fördermöglichkeiten zu nutzen und die interkommunale Zusammenarbeit zu stärken. Auch Exkursionen in Modellgegenden mit allen Beteiligten seien hilfreich. „Miteinander offen reden und Bürger beteiligen“, das habe schon Alois Glück, ehemaliger Landtagspräsident, 2006 gefordert: „Lebensqualität entsteht nur, indem wir uns nicht auf die Gemeinde oder den Staat verlassen, sondern selbst mit anpacken, Ideen entwickeln und Initiativen starten.“

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