Kiefersfeldener Ritterkunstwerke entstehen

Herzklopfen vor dem Bronzeguss

von Redaktion

Das Volkstheater „Ritterschauspiele Kiefersfelden“ und die ganze Gemeinde warten gespannt auf das Ritterkunstwerk zum 400. Jubiläum des Theaters. Es soll rechtzeitig zur Feier am 5. Mai fertig sein. Im Anschluss an den Festakt im Theaterhaus werden die beiden Bronzen am Rathausplatz in Kiefersfelden enthüllt.

Kiefersfelden – Die lebensgroßen Ritter sind fertig gegossen und derzeit in der Feinbearbeitung in einer Kunstgießerei, in Ascholding im Landkreis Bad Tölz/ Wolfratshausen. Die Ritterfiguren werden zwischen fünf massiven Platten aus Brannenburger Biberstein stehen, welche die Drehkulissen der barocken Bühne Kiefersfeldener Volkstheater symbolisieren.

Dampfend und zischend fließt die rot glühende, 1000 Grad heiße Bronzelegierung in die Schamottform. Die hitzige Luft riecht nach geschmolzenem Metall, nach Wachs und Schamott. Für Hanno Größl ein archaischer Moment. Es ist das entscheidende und metallene Werden für die zwei Kieferer Ritter. Seit fast einem Jahr lebt der Steinmetz und Steinbildhauer Hanno Größl aus Baiern im Landkreis Ebersberg nun schon mit seinem Ritterkunstwerk für das Jubiläum 400 Jahre Volkstheater – Ritterschauspiele Kiefersfelden.

Anfang April letzten Jahres hatte er von der Gemeinde Kiefersfelden und den Ritterschauspielen den Auftrag bekommen. „Vor meinen Augen hatte ich von Beginn an die barocke Drehkulissenbühne des Kiefersfeldener Theaterhauses und entwarf zwei große Ritter zwischen den Kulissen, also das prägende Element der barocken Drehkulissenbühne in Kiefersfelden“, erzählt Hanno Größl. Zusammen mit Markus Barthuber, einem befreundeten Bildhauer, begann er sofort mit dem Modellieren der Figuren. Zehn Säcke Gips wurden für die zwei jeweils 1,90 Meter großen Ritter verarbeitet. Zwei typische Kieferer Ritter: einer mit Helm und einer mit Hut. Beide zücken ihr Schwert.

Die barocken Drehkulissen werden durch je fünf massive Steinplatten aus Nagelfluh stilisiert, dem typischen Biberstein aus der Inntalgemeinde Brannenburg. Jedes der Elemente ist 2,40 Meter hoch, einen Meter breit und zwölf Zentimeter stark. Entstanden sind sie im Brannenburger Nagelfluhwerk von Anton Feicht.

Seit der Bronzezeit, also rund 2200 Jahre vor Christi Geburt, beherrscht die Menschheit das gewerbliche Herstellen von Metallgegenständen aus Bronze, also einer Legierung aus Kupfer und Zinn. Es sind viele und lange Arbeitsschritte, bis eine künstlerische Bronzefigur endgültig enthüllt werden kann.

Aus den in vielen Monaten modellierten Gipsmodellen der beiden Kiefersfeldener Ritter entstanden in mehreren Teilen Silikonformen. In diese zweiteilig zusammenklappbaren Formen wurde eine sechs bis acht Millimeter starke Wachsschicht eingestrichen. Diese entspricht der späteren Bronzewandung. Die Hohlräume der so geformten Wachsfigurenteile wurden mit Schamott, also feuerbeständigem Mörtel, verfüllt. Diese Wachsform mit Schamottkern bekam außen herum noch einmal eine Schamottschicht mit Kanälen zum Ausfließen des Wachses und gleichzeitigem Einfließen der flüssig heißen Bronze. Das gesamte Verfahren beim Gießen der Kunstfiguren gibt es in seinen Ursprüngen seit Jahrtausenden.

Nach dem Abschlagen der Schamotteform und dem Reinigen des Äußeren und Inneren werden die je sieben bis acht Teile der beiden Ritterfiguren zusammengeschweißt.

Der Steinbildhauer Hanno Größl hat mit dem Anliefern der Gipsfiguren in die kleine Kunstgießerei „Kirchner und Schnappinger“ im oberbayerischen Ascholding bei Dietramszell das endgültige Werden seines Kunstwerks vertrauensvoll in die Hände der Metallhandwerker gelegt.

„Da ist einfach Leben drin, genauso soll es im Bronze-guss rauskommen, das ist mir wichtig“, erzählt Größl. Auch der dunkle grau-grünliche Farbton der bronzenen Guss-haut soll erhalten bleiben. Diese Oberflächenfarbe steht für die historischen Figuren der beiden je 220 Kilo schweren Kiefersfeldener Ritter. „Ein geschlecktes Äußeres würde nicht passen.“

Artikel 5 von 11