Interview mit DB-Projektleiter Manuel Gotthalmseder

„Suche nach der verträglichsten Trasse“

von Redaktion

Bürgerinitiative zum Brenner-Nordzulauf in Nußdorf übt Kritik am Vorgehen der Bahn

Nußdorf – Auch die Bürgerinitiative zum Brenner-Nordzulauf in Nußdorf übt Kritik am Vorgehen der Bahn bei der Trassensuche durchs Inntal. Die Mitglieder fühlen sich schlecht informiert. Die OVB-Heimatzeitung befragte dazu DB-Projektleiter Manuel Gotthalmseder.

Reichen die 30 geplanten Erkundungsbohrungen für die geologischen Untersuchungen des Untergrundes aus? Wurden dabei Bestandsbohrungen berücksichtigt?

Im ersten Schritt wurden vorhandene Grundlagen, also auch die Bestandsbohrungen der Innkraftwerke oder die Kenntnisse der Autobahndirektion erhoben und eine geologische Kartierung durchgeführt. Alle vorliegenden Informationen wurden entsprechend ausgewertet. Darauf aufbauend wurden für die gegenständliche Projektphase rund 30 Bohrpunkte festgelegt mit dem Ziel, im gesamten gemeinsamen Planungsraum einen vergleichbaren geologischen Informationsstand zu erhalten. Diese Erkundungsbohrungen werden durch geoseismische und geoelektrische Profilmessungen ergänzt, wodurch der Raum aus Sicht der Bahnen – bezogen auf die jetzige Planungsphase der Trassenauswahl – in geologischer Hinsicht ausreichend erkundet ist.

Ist es richtig, dass die derzeitigen stattfindenden Untersuchungen dazu dienen, Trassenverläufe auszuschließen?

Die aktuellen geologischen Untersuchungen dienen unter anderem zur Abklärung der Machbarkeit. Im Weiteren sollen damit entsprechende Erkenntnisse gewonnen werden, um mögliche spätere Trassenverläufe aus geologischer Sicht sowie im Hinblick auf mögliche Umweltauswirkungen entsprechend bewerten zu können. Für etwaige nachfolgende Planungsphasen mit entsprechend größerer Detailtiefe sind aus heutiger Sicht weitere, im Umfang der jeweiligen Planungsphase angepasste Erkundungen zielführend.

Soll die geplante Trasse sowohl dem Güter- wie dem Personenverkehr dienen?

Unser Auftrag sieht vor, eine Neubaustrecke für Tempo 230 km/h zu bauen. Sie wird geringe Steigungen enthalten und damit auch für Güterzüge geeignet sein. Der auf der Neubaustrecke im Inntal sowie auch im Brennerbasistunnel vorgesehene Zugmix beträgt etwa 80 Prozent Güterzüge und rund 20 Prozent schnelle Personenfernverkehrszüge. Somit leistet die Neubaustrecke einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der Straße vom Güterverkehr. Dies wurde bereits auch in den Forenrunden präsentiert und entspricht in etwa auch der prozentualen Aufteilung Güter/Personen der Bedarfsplanüberprüfung 2010.

Wann liegen die neuen Prognosen bezüglich der Zugzahlen 2030 und 2050 vor?

Die Verantwortung für die Szenarienstudie zur Verkehrsentwicklung bis 2050 sowie für die Prognosezahlen zum BVWP 2030 ( Bundesverkehrswegeplan) liegt beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die Deutsche Bahn ist weder bei der Beauftragung noch bei der Erstellung involviert. Für weitere Informationen dürfen wir Sie an das zuständige Ministerium verweisen.

Ist der „Samerberger-Tunnel“ beerdigt? Wie ist der aktuelle Stand?

Die Antwort ist ganz einfach: Ja! Es gibt keinen Planungsauftrag dafür. Wer Zweifel hat, kann im Protokoll der zehnten Sitzung des Lenkungskreises Brenner-Nordzulauf nachlesen. Auf Seite 3 ist festgehalten: (siehe auch https://www.brennernordzulauf.eu/lenkungskreis.html).

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob ein drittes und viertes Gleis nötig ist. Wie sehen Sie das?

Im Trassenfindungsverfahren beschäftigen wir uns ausschließlich mit der Frage nach dem „Wie“. Welche Trassenverläufe sind möglich? Welcher Trassenverlauf erfüllt am besten die Kriterien des abgestimmten Kriterienkatalogs? Die DB hat vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur den Vorplanungsauftrag für eine zweigleisige Neubaustrecke für den Brenner-Nordzulauf erhalten.

Ziel des Beteiligungsverfahrens ist es, in einem transparenten Prozess die für die Region verträglichste Trassenvariante zu finden.

Für die Fragen, ob durch die DB eine Neubaustrecke geplant wird und wann mit einer baulichen Umsetzung zu rechnen ist, sind die bundespolitischen Weichenstellungen maßgeblich. Vom ehemaligen Bundesminister Alexander Dobrindt wurde klar formuliert, dass ein drittes und viertes Gleis für den Brenner-Nordzulauf auf jeden Fall kommt. Entsprechend ist das Projekt auch imBundesverkehrswegeplan und den darauf basierenden Bundesschienenwegeausbaugesetzen verankert.

Interview: Steffenhagen/ Knothe

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