Die Bürgerinitiative (BI) Nußdorf zum Brennernordzulauf hat sich 2016 gegründet. Einer ihrer Sprecher ist Josef Reisinger (57) aus Nußdorf. Die Heimatzeitung befragte ihn.
Welche Kritik hat die BI Nußdorf am Trassenfindungsverfahren der DB?
Die Katze ist aus dem Sack. Seit 2015 wird uns in den Gemeindeforen (ich bin Mitglied im Forum Nord1) vorgemacht, im Trassenfindungsverfahren handle es sich nur um eine „Vorratsplanung“ für den Tag X – sollte die Strecke tatsächlich gebraucht und finanzierbar sein. Doch DB-Projektleiter Torsten Gruber hat bereits jetzt konkrete Zeitvorgaben für den Bau ausgegeben: von 2026 bis 2038 ohne Abwägung von Bedarf und Nutzen!
Wie sehen Sie die Auslastung der neuen Trasse für Güter- und Personenverkehr?
Die Neubaustrecke wird für Mischverkehr geplant, die Güterzüge werden jedoch hauptsächlich weiterhin auf der Bestandsstrecke fahren. Auf der Neubaustrecke fährt der ICE. Die Strecke Kufstein-München gehört zur TEN-Strecke wie der Abschnitt Ingolstadt-Nürnberg. Diese Strecke ist ebenfalls nur zweispurig ausgebaut und Güterzügen ist dort das Fahren verboten.
Begrüßen Sie die Verlagerung der Transportgüter von der Straße auf die Schiene? Stichwort Blockabfertigung.
Ja, selbstverständlich! Tirol möchte nur noch eine Million Lkw-Fahrten pro Jahr über den Brenner zulassen, um seine Bürger zu schützen. Das wünsche ich mir auch für uns Bürger im Inntal.
75 Prozent des Lkw-Transits über den Brenner sind jedoch nicht schienenfähig. 800 000 Lkw-Fahrten sind sogenannte Umwegverkehre mit bis zu 400 km Länge. Das ist sofort politisch abzustellen durch Straßengebühranpassung für Lkw in Deutschland und Italien, kein Billigdiesel für Lkw in Österreich und keine Mautsenkung für Lkw am Brenner um 25 Prozent.
Für die restlichen 450000 Lkw-Fahrten benötigt man nach Fertigstellung des Brennerbasistunnels bei einer Sechs-Tage-Woche 25 Güterzüge täglich mehr als heute. Dann würden trotzdem auf der Inntaltrasse weniger Züge fahren als auf der Strecke Rosenheim–München oder Rosenheim-Salzburg schon heute. Ein drittes und viertes Gleis ist nicht nötig.
Interview: Sigrid Knothe