Interview mit Georg Dettendorfer

„Ein vernünftiges Verfahren“

von Redaktion

Sie wohnen in der gleichen Gemeinde Nußdorf, sind im gleichen Forum „Nord1 Nußdorf – Flintsbach – Brannenburg“, aber haben völlig unterschiedliche Ansichten zum Brenner-Nordzulauf. Während Josef Reisinger von der BI Nußdorf Trasse und Verfahren kritisiert (wir berichteten), sieht das Georg Dettendorfer (48) ganz anders. Er nimmt als Vertreter der Wirtschaft der Gemeinde Nußdorf am Forum teil. Er ist außerdem Vizepräsident der IHK München und Oberbayern sowie Verkehrsausschuss-Vorsitzender der IHK München und Oberbayern sowie im DIHK in Berlin.

Wie beurteilen Sie das Trassenfindungsverfahren der DB?

Das im Oktober 2015 gestartete Trassenfindungsverfahren der DB ist transparent und vernünftig. Die Vorgehensweise der DB, der ÖBB und der Planer wurde deutlich und verständlich erklärt. Alle Beteiligten, darunter auch die Gemeindeforen, haben gemeinsam besprochen und festgestellt, dass alle unsere wichtigen Belange wie Umweltschutz, Lärmschutz, Trinkwasserschutz, Planung des Bauablaufs und Flächenverbrauch berücksichtigt werden.

Immer wieder wird von Bürgern kritisiert, nicht genügend informiert zu werden. Stichwort prognostiziertes Verkehrsaufkommen. Können Sie das nachvollziehen?

Nein, das kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Seit mindestens 25 Jahren reden wir vom Brennerbasistunnel, seit 2006 ist er im Bau. Spätestens seither weiß jeder Bürgermeister, Gemeinderat und Inntalbürger Bescheid, dass auch bei uns Zulaufstrecken gebaut werden müssen. So wie es die Tiroler im Unterinntal schon sehr zügig und vorbildlich gemacht haben. Der entsprechende Vertrag wurde 2012 unterzeichnet und von allen als Meilenstein in der Verkehrspolitik im Inntal bezeichnet. Jetzt, nach dem Start des Trassenfindungsverfahrens, wo es um Details und ans Eingemachte geht, ist solche Kritik nicht aufrichtig, sondern vorgeschoben.

Immer wieder wird von Kritikern der Zulaufstrecke ins Feld geführt, dass das dritte und vierte Gleis gar nicht nötig ist. Wie sehen Sie das?

Meiner Meinung nach erübrigt sich diese Sichtweise, wenn man mit offenen Augen in unser Inntal schaut. Wir erleben seit Jahren einen Verkehrszuwachs, wie wir ihn noch nie hatten. Der zunehmende Verkehr ist Teil unserer Lebenswelt, europaweit. Es ist nicht nur der Güterverkehr, auch der Personenverkehr auf der Autobahn nimmt permanent zu – und wir tragen auch alle dazu bei.

Gerade wegen dieser steigenden Verkehrsströme wurde der Brennerbasistunnel als Jahrhundertbauwerk beschlossen. Wenn wir jetzt nicht umgehend beginnen, uns Gedanken zu machen, wie wir den Verkehr auf unserer Seite des Tunnels bewältigen, werden uns unsere Kinder den Vorwurf machen, wir haben die Zeit verschlafen. Der Ausbau der Bahnstrecke ist unsere beste Chance, den Verkehr in umweltfreundlichere Wege zu leiten. Das kommende Verkehrswachstum auf die vorhandenen Trassen zu verlagern, wird auf Dauer nicht funktionieren und ist maximal eine Übergangslösung für die nächsten paar Jahre. Wenn die alte Strecke bis über ihre Kapazitätsgrenze ausgereizt wird, wäre das für die Anwohner am Bestandsgleis auch mit besserem Lärmschutz alles andere als ideal. Auch die Takte im Regionalverkehr würden leiden.

Interview: Sigrid Knothe

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