Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde

Silber sammeln für heilige Gefäße

von Redaktion

Die Karolinenkirche in Großkarolinenfeld wurde 1822 als erste evangelische Kirche in Altbayern eingeweiht. Königin Karoline schenkte damals ein kostbares Abendmahlgeschirr, von dem heute nur noch der Kelch erhalten ist. Jetzt sammelt die Gemeinde Silber, um künftig auch wieder edle Brotschalen und Kannen für eine würdige Feier nutzen zu können.

Großkarolinenfeld – Versammelt um den Kelch, so lautet das Motto, unter dem die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde ihre Sammelaktion angeht. Pfarrer Richard Graupner hat sie gestartet. Als er vor zwei Jahren nach Großkarolinenfeld kam, fand er als Kirchengeschirr lediglich ein Sammelsurium vor. „Die Kirchenbücher belegen, was alles reingetragen wurde in die Kirche, aber leider nicht, warum es irgendwann wieder herausgetragen wurde“, schmunzelt der Pfarrer. Schnell sei sein Wunsch gewachsen, rund um den erhaltenen Karolinenkelch auch das weitere Abendmahlgeschirr wieder in würdiger Ausfertigung zu erhalten.

Eine Brotschale war gar nicht mehr vorhanden und das restliche Geschirr sei entweder restaurierungsbedürftig oder unzweckmäßig, beschreibt er. Kelche und Kannen litten unter Korrosion, dem sogenannten Weinfraß, und müssten schon aus hygienischen Gründen gerichtet werden. Dafür Geld auszugeben lohne sich aber schon aufgrund des minderwertigen Materials auf gar keinen Fall, glaubt nicht nur Graupner. Und so fiel seine Idee von würdigen Abendmahlsgeräten in der Kirchengemeinde auf fruchtbaren Boden. „Es wurde viel diskutiert“, erinnert sich der Pfarrer, „nicht nur im engsten Kreis, sondern in einem Arbeitskreis mit Historikern, Künstlern und Gläubigen.“

Es gab auch kritische Stimmen, gibt Graupner zu. Manche meinten: „Für den ist nichts gut genug.“ Man habe zudem überlegt, ob nicht ein einfacher Tonbecher ebenso aussagekräftig sei wie teures Silber, aber manche hätten auch ganz klar gesagt: „Ein Pfarrer braucht anständiges Handwerkszeug.“

Das Ziel

steht fest

Und so sei die Entscheidung schließlich gemeinsam gefallen: Neue „Vasa Sacra“ (heilige Gefäße) sollen mit dem historischen Karolinenkelch ein neues und einzigartiges Ensemble bilden, das die Bedeutung des Abendmahls aufnimmt und sich in den klaren und hellen Raum der Karolinenkirche einfügt.

Die neuen Gefäße sollen nicht nur ansprechend für die heutige und die kommende Generation an Gläubigen sein, sondern auch nachhaltig. So wurde beschlossen, beim Material auf Silber zurückzugreifen. „Dieses Material ist langlebig und hygienisch“, beschreibt Graupner.

Vier Künstler wurden beauftragt, im Rahmen eines eigenen Kunstwettbewerbs Entwürfe für eine Abendmahlskanne, zwei Kelche sowie zwei Brotschalen zu erarbeiten. Am Montag, 9. April, werden Juliane Schölß, Rudolf Bott, Johannes Borst und Denis Aubeck einer elfköpfigen Jury in Großkarolinenfeld ihre Ideen vorstellen. Dann wird die Entscheidungen fallen, wer die neuen Gefäße im Wert von etwa 25000 Euro fertigen wird – und wie sie aussehen sollen.

Einen besonderen Wert werden die Kunstwerke dadurch erhalten, dass das benötigte Silber nicht einfach gekauft, sondern von Spendern zusammengetragen wird, die sich der Gemeinde verbunden fühlen. „Viele haben kleinere Gegenstände aus Silber zu Hause, das für sie eine Bedeutung und eine eigene Geschichte hat, aber kaum noch eine Verwendung: Besteckteile, Serviettenringe, eine Kette, Ringe, Münzen … . All das könnte nun zur Grundlage der neuen Gefäße werden.

„Auf diese Weise fließen die Geschichten der Menschen in unserem Ort in die neuen Kelche ein. Was früher auf den Tischen zu Hause stand, steht künftig auf dem ‚Tisch des Herrn‘“, plant der Pfarrer und weist auch auf einen ökumenischen Gedanken hin: „Wenn auch katholische Christen und die katholische Gemeinde sich an der Spendenaktion beteiligen, könnten unsere neuen Abendmahlsgeräte zum mutigen Zeichen der Ökumene werden auf dem Weg zur gemeinsamen Feier von Eucharistie und Abendmahl. Das wäre bestimmt auch im Sinne von Papst Franziskus, der bei seinem Besuch in der evangelischen Gemeinde in Rom ebenfalls einen Abendmahlskelch überreicht hat.“

Alle gespendeten Gegenstände werden fotografiert und ihre Geschichte dokumentiert. Bei der Einweihung der neuen Abendmahlsgeräte am Erntedankfest am Sonntag, 7. Oktober 2018, wird diese Dokumentation in einer kleinen Ausstellung präsentiert. Das Silber wird an der Fachhochschule in Aachen eingeschmolzen und aufbereitet.

Wer mit einer Silberspende zum Gelingen des Projekts beitragen möchte, kann dies noch bis Freitag, 13. April, tun. Aus technischen Gründen wird nur echtes Silber für die Weiterverarbeitung angenommen im Pfarramt Großkarolinenfeld, Karolinenplatz 1.

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