Starkbierfest beim Ochsenwirt Oberaudorf

Auch bei Lokalpolitik: Hopfen und Malz verloren

von Redaktion

Nach 25 Jahren: Pater Kreitlmeier geht in den „Ruhestand“ – Humorvoll die Leviten gelesen

Oberaudorf – Mit 150 Besuchern war das Starkbierfest beim Ochsenwirt in Oberaudorf wieder gut besucht. Bereits zum 25. Mal hielt Pater Kreitlmeier die traditionelle Fastenpredigt. Sein Motto diesmal: „Gute Vorsätze und was davon übrig bleibt“. Humorvoll ging er es an, den Lokalpolitikern die Leviten zu lesen.

Pläne für die neue Kläranlage werden seit 2015 diskutiert. Jetzt soll das Planungsbüro für den Berliner Flughafen zu Rate geholt werden, weil man es lieber langsam angehen will, tadelte der Fastenprediger. Doch das könne auch Aufgabe für den nächsten Bürgermeister werden. Der Gemeinderat war deshalb auf „Schneiderfahrt“: Man möchte keiner der besichtigten Kläranlagen nacheifern. Die Kosten sollen je zur Hälfte mit Umlagen und mit erhöhten Gebühren eingenommen werden. Eine dritte und vierte Hälfte kann wegen Kostenüberschreitungen auch noch befürchtet werden.

Die Mitarbeiter der Gemeindewerke fiebern der Pensionierung ihres Leiters entgegen, nachdem die Männerfreundschaft mit dem Bürgermeister abgekühlt ist. Einige haben es nicht abwarten können und sich bereits neue berufliche Herausforderungen gesucht, wie das neue Wirtsehepaar Tremml auf dem Brünnsteinhaus. „Der Tremml wohnt in den Bergen, der Schmidi drunt im Tal. Hier ober wohnt die Freiheit, dort unten nur die Qual.“

Die politische Gruppe „Pro Oberaudorf“ findet keine Funktionäre mehr und sucht einen Filmklassiker zur Selbstauflösung. Zur Auswahl stünden, so der Prediger, „Vom Winde verweht“ oder „Die zehn kleinen Negerlein“.

Zum Unterschied „gratis“ oder „umsonst“ nannte er das Beispiel: In Bayern gehen die Kinder gratis in die Schule, in Tirol gehen sie umsonst. Spekulationen zur nächsten Gemeinderatswahl in Jahr 2019 wurden angesprochen mit dem Aufruf, dass sich mehr „normale Bürger“ bewerben sollen. Ein abschreckendes Beispiel war die Wahl zum Pfarrgemeinderat, erinnerte der Prediger. Es fanden sich keine Kandidaten, weil die Katholischen die ganze Schreierei so dick haben.

Lobend erwähnt wurden die Patres im Kloster Reisach, die auch einmal eine Auszeit brauchen. Und die lässt sich am besten bei einem Motorradausflug nutzen. Es sei aber auch vorgekommen, dass Pater Matthäus stehenbleiben musste, weil der Tank leer gewesen sei.

Die Fußballer stehen vor der Frage ob sie absteigen mit voller Vereinskasse oder die Liga halten mit leeren Kassen, weil der Trainer so viel kostet. Dem Pater Matthäus soll auch ein Trainerposten angeboten werden. Die neue Astl-Privatbrauerei war auch Thema, nachdem schon zwei Braumeister verschlissen wurden, bei denen Hopfen und Malz verloren war. Zur Nahversorgung: Das Golddorf Niederaudorf hat nur noch zwei Geschäfte, der Ortsteil Mühlbach gar keines mehr, kein Bäcker, kein Metzger, kein Frisör. Dafür hat man jetzt aber einen Hundesalon.

Zur Autobahnmaut und dem Thema Verkehr auf der Schiene meinte der Pater: „Die Österreicher machen uns vor, wie es einfach und akzeptabel organisiert werden könnte.“ Die Kieferer Wehr musste zu einem Brand in Tirol anrücken und helfen. Auf der Rückfahrt bekam sie dann eine Mautstrafe aufgebrummt, weil sie kein österreichisches Pickerl hatte. Nach Protesten und bürokratischem Hin und Her hat man der Feuerwehr die Strafe dann erlassen.

Zum Schluss der Fastenpredigt gab Pater Kreitlmeier bekannt, dass dies seine letzte Fastenpredigt war. Nach 25 Jahren ohne Unterbrechung sollte sich ein anderer Referent finden lassen. Mit lange anhaltendem Applaus wurde er verabschiedet.

Unter den Ehrengästen waren der Brauereichef der Brauerei Unertl, Alois Unertl mit Frau, der Vertriebsleiter der Münchner Augustinerbrauerei, Alfons Maier, sowie Kreis- und Gemeinderäte. Alfons Maier überraschte die Gäste, die das Augustiner Starkbier Maximator verkostet hatten, mit einem großzügigen Geschenk: Jeder Gast durfte sein schmuckes Starkbierglas mit Zinndeckel behalten.re

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