Frasdorf – „Gemeinsam mit den anderen Gemeinden könnten wir es machen, alleine werden wir es nie machen“, sagte Frasdorfs Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller jetzt im Gemeinderat, als sie zusammen mit Archäologin Andrea Krammer dem Gremium das Verbundprojekt „Römerregion Chiemsee“ vorstellte. „Es kann für Frasdorf nur von Vorteil sein, bei einem so überregionalen Vorhaben mit dabei zu sein“, so Steindlmüller weiter.
Krammer stellte den Ratsmitgliedern in einem schnellen Streifzug durch 500 Jahre römische Geschichte in der Region die baulichen Hinterlassenschaften, die Straßen und viele Einzelfundstücke sowie alle anderen Auswirkungen vor, die die Römer in ihrer damaligen Provinz Noricum rund um den Chiemsee hinterlassen haben. Fast jede Gemeinde im Chiemgau kann mit Römerfunden aufwarten. Führend dabei ist bekanntlich Seebruck-Bedaium, das mit seiner Brücke über die Alz an der Verbindungsstraße zwischen Salzburg und Augsburg einen antiken Hauptverkehrsknotenpunkt darstellte. Entsprechend reichhaltig sei dort die Fundlage, und das Bedaium-Museum stelle einen wichtigen Standort der provinzialrömischen Archäologie dar, so Krammer.
Aber auch in der direkten Nachbarschaft in Aschau gebe es bedeutende Funde, die zum geplanten Vorhaben passen und deshalb unbedingt darin eingebracht werden sollten. Diese Fundlage reiche mehrfach auch über die Grenze in den Gemeindebereich von Frasdorf und könne auch von der Kommune beansprucht werden. Im Bereich Umrathshausen sei ein Friedhof angeschnitten worden, der wohl über mehrere Jahrhunderte belegt war und als Bodendenkmal kartiert ist. Die dazugehörige Siedlung habe man bisher noch nicht lokalisieren können.
Hier könnte Frasdorf tätig werden und mit Beispielen dokumentieren, wie dieses Gräberfeld einmal ausgesehen haben könnte. Entlang der Straße vom römischen Prien über Wildenwart, Frasdorf nach Bernau oder Aschau, der Via Seppia, ließen sich Beispiele römischer Beerdigungskultur errichten.
Jeder Ort rund um den Chiemsee, der sich an dem Leader-Vorhaben beteilige, solle etwas Eigenes zum Gesamtvorhaben beisteuern. Man wolle und könne anderswo im Chiemgau kein zweites Seebruck künstlich erstehen lassen. Dafür reichten die Einzelfunde auch nirgends aus, so die Archäologin. Jeder Ort könne aber etwas anderes machen und dann habe man mit allen Orten ein Gesamtprojekt. „Wenn man nach der Fertigstellung alle Projekte rund um den Chiemsee gesehen hat, dann hat man einen Gesamteindruck, wie es zur Römerzeit im Chiemgau – im Westen der Provinz Noricum – ausgesehen haben könnte.“
Krammer könnte von ihrem Ausbildungsstand als provinzialrömische Archäologin her das Projekt leiten und koordinieren. Mit Originalfunden, erklärenden Stelen an den Fundorten und Fenstern in der Landschaft sollen die Besucher an die damaligen Verhältnisse herangeführt werden. „Mit solchen Maßnahmen können wir die Chiemgauer Originalfunde aus den Archiven, Magazinen und Kellern der Münchner Museen und Sammlungen wieder herausholen und in den Gemeinden präsentieren“, so Steindlmüller. „Wir könnten Münzen, Fibeln und Gebrauchsgegenstände aus gut 300 Jahren Römerzeit und vieles aus der Zeit davor herzeigen, das in den letzten 100 Jahren von Pfarrern und Schullehrern, Hobbyarchäologen und Sondengängern aus dem Boden des ehemaligen Noricum gegraben wurde.“
Da das Vorhaben noch ganz am Anfang stehe, könnten die Kosten noch nicht genau beziffert werden. Zusätzlich zu den Museumsobjekten in den Rathäusern oder Schulhäusern, in den Museen und Galerien der Region kommen die Hinweistafeln, Stelen oder Fenster an den Schauplätzen des Geschehens, dazu nachgebaute Objekte. Das Ganze werde dokumentiert und auf einer Homepage allgemein zugänglich gemacht. 60 Prozent der anfallenden Kosten könnten dabei aus Leader-Mitteln beglichen werden, die restlichen 40 Prozent teilten sich unter den mitmachenden Gemeinden auf.
Informationen eingefordert
Einstimmig beschloss der Gemeinderat, bei dem Leader-Vorhaben mitzumachen und die entsprechend notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen. Dabei wünscht das Gremium rechtzeitig vor allen vorgesehenen und mit Frasdorfer Geld verbundenen Projekten umfassend informiert zu werden, um sich nicht hinterher vor vollendete Tatsachen gestellt zu sehen. Gemeindearchivar Rupert Wörndl soll in Frasdorf das Projekt federführend leiten, weitere Unterstützer sind willkommen.