Eggstätt – Schon in der vergangenen Gemeinderatssitzung Ende März kam das Thema Imagebroschüre kurzzeitig auf den Tisch. Nur wenige Tage später trafen sich sieben Gemeinderatsmitglieder, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen.
Bei dem Treffen echauffierten sie sich vor allem darüber, dass ihrer Ansicht nach Bürgermeister Schartner in der Sitzung gelogen habe. So habe es seitens des Rathauschefs geheißen, dass die Broschüre noch nicht verteilt worden sei – was letztlich aber nicht stimme. Auch bei der Frage, wer den Druckauftrag über die Auflage von 4000 Stück für Kosten in Höhe von 2000 Euro unterschrieben hat, habe er zunächst auf die Tourist-Info verwiesen und erst auf Nachfrage aus dem Gremium eingeräumt, dass seine Unterschrift unter dem Vertrag stehe.
„Wir wollen das nicht mehr schlucken.“
Robert Langl
„Wir wollen das nicht mehr schlucken“, zeigte sich Robert Langl erbost. Es gehe nicht an, dass Gemeinderatsmitglieder in einer Sitzung seitens des Bürgermeisters beschuldigt würden, „schon öfters etwas verschludert zu haben“ sowie dass Angestellte der Gemeinde „in die Pfanne gehauen“ würden.
Hintergrund des Streits sind letztlich Änderungswünsche seitens des Gemeinderats, die sich in der bereits gedruckten und verteilten Borschüre aber nicht wiederfinden. Im Tourismusausschuss sei im vergangenen Jahr der Entwurf der Broschüre vorgestellt worden, worauf nach Angaben einiger Gemeinderatsmitglieder Änderungswünsche und Korrekturen danach im persönlichen Gesprächen mit dem Bürgermeister angebracht worden seien. Einen überarbeiteten Entwurf der Broschüre haben die Gremiumsmitglieder nach eigenen Angaben nicht mehr gesehen, geschweige denn darüber gehört, dass die Broschüre bereits in Auftrag gegegen worden ist. Stattdessen habe der Bürgermeister den Gremiumsmitgliedern in der März-Sitzung vorgeworfen, dass „wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben“, sagte Marianne Schönhuber gegenüber unserer Zeitung.
Stephan Fronhöfer zeigte sich aufgrund der vermeintlichen Desinformation seitens des Rathauschefs „enttäuscht und zornig“. „Die 2000 Euro Druckkosten sind doch schließlich Steuergelder“, so Fronhöfer, dessen Aussagen Ratskollege Hans Plank nur zustimmen konnte. Thomas Nitzinger, der den Streit bedauerlich findet, appellierte an alle Beteiligten, auf eine „sachliche Ebene“ zurückzukehren.
Christian Glas, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Eggstätt, schilderte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen einige inhaltliche Punkte, die im Entwurf der Broschüre seitens der Gremiumsmitglieder moniert worden waren – nun aber keinen Einfluss gefunden haben. So sei beispielsweise der Hinweis, dass das Palmbuschenbinden eine Tradition an Mariä Himmelfahrt sei, völlig falsch, da dieses Brauchtum eindeutig zum Palmsonntag gehöre. Auch die Tracht, die auf einer Seite abgebildet sei, habe mit der Eggstätter Tracht nichts zu tun. Josef Höck zeigte sich gar von der kompletten Broschüre enttäuscht: „Schon in der Tourismusausschusssitzung vor zehn Monaten habe ich gesagt, dass ich meinen Ort anders sehe.“
Und was sagt Bürgermeister Schartner zu den massiven Vorwürfen einiger Gemeinderatsmitglieder? „Wir haben das im Tourismusausschuss geklärt. Da werde ich zintig und werde mich wehren, wenn das jetzt weiter thematisiert wird“, so die kurze Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung.
„Da werde ich
mich wehren.“
Hans Schartner
Die Imagebroschüren liegen mittlerweile in der Eggstätter Tourist-Info und bei weiteren Tourist-Informationen im Landkreis Rosenheim aus. Doch auch wenn das Werk gedruckt ist – der Streit um die Broschüre geht weiter. So sind nach Informationen unserer Redaktion mittlerweile sogar Anwälte in den Konflikt involviert. Zudem wird das Thema am kommenden Dienstag, 17. April, bei der der Gemeinderatssitzung diskutiert.