Neubeuern – Um es gleich zu sagen: Dass sich Ehrenamtliche immer öfter vornehm zurückhalten, wenn es darum geht, im Vorstand von Vereinen längerfristig tätig zu werden, kommt in den besten Familien, sprich Vereinen, vor. „Es wird immer schwieriger, Personen zu finden, die ein Ehrenamt langfristig übernehmen wollen“, sagt dazu Sabine Artmann, die Zweite Schriftführerin von Edelweiß Neubeuern. Sogar bei den Trachtlern. Und sogar sie selbst. „Obwohl ich seit 30 Jahren bei Edelweiß Neubeuern bin.“
Ihr Mann, Andreas Artmann, habe als Vorsitzender mit viel Herzblut und noch mehr Einsatz das Jubiläum samt Gaufest im letzten Jahr zusammen mit vielen weiteren Ehrenamtlichen und einem unermüdlichen Festausschuss gestemmt.
Doch nun wolle auch der 52-Jährige kürzer treten und Platz machen für Jüngere. „Er ist beruflich ziemlich eingespannt“, erklärt Gattin Sabine zum Hintergrund. Und dann hätten die beiden ja auch noch Familie.
Fehlendes Engagement könne man der Vorstandschaft sicher nicht vorwerfen. Aber die Belastungen durch große Feste wie das letztjährige Gaufest mit Jubiläum seien schon recht hoch für Ehrenamtliche. Denn die Organisation und die juristischen Fußangeln würden beständig zunehmen: Ob es um Hygienevorschriften für die Kuchenbäckerinnen, die geforderte Kühlkette von Speisen oder den zwingend vorgeschriebenen Hygienekurs für die „Verkäuferinnen“ inklusive die genauen Angaben der Zutatenliste geht. „Das sind gewaltige Hürden für alle Vereine, doch sie müssen genommen werden.“
Zudem überstiegen die Verpflichtungen, die durch ein Fest, einen Trachtenmarkt oder auch einen Jahrtag bei Finanzen und Sicherheitsbestimmungen bewältigt werden müssen, allmählich die juristischen und auch finanziellen Möglichkeiten von Vorständen, so Artmann. „Besonders der Aspekt der Haftung stellt für viele Vereine inzwischen eine hohe Hürde dar.“ Wer haftet, wenn etwas passiert, wenn eine Person zu Schaden kommt, wenn das Fest ins Minus rutscht?
Fast immer müsse für jedes Fest eine Absperrung oder eine Schankerlaubnis eingeholt werden. „Und wer macht das? Natürlich die Ehefrau“, sagt Artmann. Sie habe das immer gerne gemacht, das wolle sie schon betonen. Aber: „Diese Bürde lastet oft auf den Schultern eines Einzelnen oder einiger weniger. Das sollte sich ändern.“
Belastungen zehren
an Kräften
Doch nicht nur solche Belastungen zehrten an den Kräften. Der Vorsitzende, also ihr Mann, habe ja auch noch Beruf und eine Familie. Da arte das Ehrenamt schnell in so viel Arbeit aus, dass es nicht mehr „nebenbei“ zu stemmen sei.
Nachdem die Neuwahlen also nicht problemlos über die Bühne gegangen waren, stellte Wolfgang Sattelberger – er war im letzten Jahr der Leiter des Festausschusses – den Antrag, die Neuwahlen auf den Herbst zu verschieben. So haben man mehr Zeit, eine geeignete Person für den Vorsitz und die beiden Posten der Schriftführer zu finden. Die Versammlung votierte einstimmig dafür. Die Vorstandschaft und der Ausschuss waren einverstanden, ihre Ämter bis zum Herbst weiter zu führen.