Irritationen rund um das geplante Ronald McDonald-Haus in Vogtareuth

Wo bleiben die Bagger?

von Redaktion

Eine vorübergehende Wohnmöglichkeit, nur ein Katzensprung vom schwer kranken Kind entfernt. Eine wunderbare Idee! Das will die McDonald’s-Kinderhilfe-Stiftung mit einem großen Haus auf dem Gelände der Schön-Klinik in Vogtareuth möglich machen. Doch nun knirscht es hinter den Kulissen.

Vogtareuth/München – „Wo bleiben die Bagger“, fragt Barbara Pömsl empört, bis vor wenigen Tagen langjährige Vorsitzende des Vereins „Silberstreifen“. Dieser Verein, auf Anregung eines ehemaligen Chefarztes 1998 gegründet, kümmert sich sehr erfolgreich um schwer erkrankte Kinder, die vor allem in der Neuropädiatrie oft viele Monate lang behandelt werden. Verschiedene Therapie-Angebote, die vom Silberstreifen finanziert werden, unterstützen die medizinische Behandlung.

Doch auch die Eltern werden nicht alleine gelassen. Mitglieder von Silberstreifen nehmen sie an die Hand. In bislang elf angemieteten Wohnungen können diese Eltern – oft sind auch Geschwisterkinder dabei – vorübergehend kostenfrei wohnen.

Alles war paletti, bis sich im vergangenen Jahr Vertreter der Schön-Klinik und der McDonald’s-Kinderhilfe-Stiftung – sie baut und unterhält solche Häuser – beim Silberstreifen meldeten. In „sehr schnoddrigem Ton“ sei dem Vorstand eröffnet worden, dass man sich doch bitteschön von den Wohnungen trennen möge. Das übernehme nun die Stiftung, habe es im Sommer 2017 geheißen. Der Verein sollte weiterhin die therapeutischen Angebote anbieten.

Barbara Pömsl, die Vorsitzende von Silberstreifen, war daraufhin richtig sauer. Noch dazu sei ihr auch gleich eine Trennungs-Erklärung vorgelegt worden, die sie unterschreiben sollte. „Ich wurde damit regelrecht überfahren“, erzählt sie der Heimatzeitung verärgert.

Doch nach etlichen eiligen Telefonaten hätten sich die Wogen inzwischen geglättet. Pömsl unterstreicht im gestrigen Gespräch, dass der Verein dank der Aufteilung nun gelassen in die Zukunft blicken könne. Die Wohnungen würden nach Übereinkunft mit der Kinderhilfe-Stiftung erst dann gekündigt, sobald das geplante Ronald McDonald-Haus bezugsfertig sei. Die neue Vorsitzende, so sagt Pömsl, sei sogar gewissermaßen erleichtert, denn das Managen der elf Wohnungen, die der Verein Silberstreifen angemietet hat, sei nicht immer einfach.

Und auch die Kinderhilfe-Stiftung, für Bau und Unterhalt des Ronald McDonald-Hauses zuständig, sieht erwartungsfroh in die Zukunft. Vorstand Dr. Micha Wirtz erklärt: „Beide gemeinnützigen Organisationen werden sich zukünftig auf ihre Kernkompetenz beschränken, um unnötige Konkurrenz zu vermeiden.“

Doch irgendwie passiere nichts an der Baufront. „Wo bleiben eigentlich die Bagger“, fragt Pömsl.

Es habe tatsächlich eine gewisse Verzögerung „aus Abstimmungsgründen“ gegeben, heißt es aus der Schön-Klinik Vogtareuth auf Anfrage. Wie berichtet, war die Führungsebene Ende 2014 auf die Kinderhilfe-Stiftung zugegangen, um nachzufragen, ob die Errichtung und der Betrieb einer kliniknahen Elternunterkunft – eines Ronald McDonald-Hauses – denkbar sei. Daran wolle man unbedingt festhalten, erklärt Kliniksprecherin Astrid Reining.

Und aus der Gemeinde Vogtareuth heißt es, dass der diesbezügliche Bebauungsplan zur öffentlichen Beteiligung vom 4. bis 17 Mai ausgelegt werde. Sollten keine Einwendungen kommen, könne das Antragsverfahren zügig durchgezogen werden. Mit dem Bau des Ronald McDonald-Hauses sei allerdings frühestens im Frühjahr 2019 zu rechnen, schätzt Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter. Früher dürfte es nicht gehen.

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