Aschauer Gestaltungsbeirat vor dem Aus

Experiment ist gescheitert

von Redaktion

Er sollte die Gemeinde Aschau in puncto Bauangelegenheiten beraten, hat aber – so die überwiegende Meinung im Gemeinderat – eher für Mehraufwand gesorgt. Eine Wiederbelebung beziehungsweise eine Neubesetzung des Gestaltungsbeirats gilt daher als nahezu ausgeschlossen.

Aschau – „Der frühere Gestaltungsbeirat mit fünf Mitgliedern hat so nicht funktioniert“, stellte Aschaus Bürgermeister Peter Solnar zum Schluss der Debatte im Gemeinderat über eine eventuelle Neubestallung des Gestaltungsbeirates (GBR) fest. Solnar erklärte, er sei in der Vergangenheit immer wieder gefragt worden, ob es eine Neuauflage des früheren Gestaltungsbeirates geben werde. Nach der aktuellen Diskussion werde der Beirat aber wohl nicht mehr ins Leben gerufen.

Der Gestaltungsbeirat kam nach dem Ablauf der Legislaturperiode 2014 nicht mehr zum Einsatz. Bereits vorher kam es häufig zu Differenzen zwischen dem GBR und der Verwaltung. Der Beratungsumfang wurde immer umfangreicher, die Beratungstätigkeit für die Verwaltung kontinuierlich zeitintensiver und das Beratungsergebnis war oftmals für beide Seiten unbefriedigend.

20000 Euro Sitzungsgelder

„Letztlich konnten wir keine Garage mehr bauen, ohne dass der Gestaltungsbeirat seinen Senf dazu gab“, kommentierte der Zweite Bürgermeister Max Pfaffinger (FWG) die Zusammenarbeit. Seiner Einschätzung nach sei der GBR für die Gemeinde viel zu hoch aufgehängt gewesen und für das Dorf Aschau überdimensioniert. Jakob Hündl (CSU) stellte befriedigt fest, dass er vor zehn Jahren als einziger gegen diesen Beirat gestimmt habe. „Der Erfolg“, so Hündl ironisch, „hat mir recht gegeben.“ Hündl: „Wir haben eine gute Bauabteilung und einen funktionierenden Bauausschuss. Da brauchen wir kein zusätzliches Gremium, das nur Kosten verursacht.“

In der Sitzungsperiode von 2008 bis 2014 entstanden für die Gemeinde alleine Sitzungsgelder in Höhe von 20000 Euro für den GBR. Darin sind die verwaltungsinternen Kosten zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Sitzungen des Gestaltungsbeirates nicht einberechnet.

Philipp Sanner (PTL) war der Ansicht, dass die damalige Bestallung des GBR bestimmt gut gemeint gewesen sei, aber letztlich ihren Zweck verfehlt habe. Er regte als „Denkhilfe“ die Herausgabe einer Baufibel für die Aschauer Bauwerber an. Aus dieser Fibel könnten die potenziellen Bauherrn dann bereits im Vorfeld sehen, was in der Gemeinde an Häusern und Baukörpern erwünscht sei und was nicht. Baufibeln gebe es in der Nachbarschaft bereits zur Genüge, „man muss in Aschau das Rad nicht neu erfinden“.

Vorschlag einer Baufibel

Martin Thaurer (CSU) bedauerte, dass die Befugnisse des Gemeinderates und des Bauausschusses nicht weitreichend genug seien um Wildwuchs zu verhindern. „Der Bauherr trifft letztlich seine Entscheidungen und macht was er will. Über Geschmack lässt sich nicht streiten und jedes noch so greisliche Haus wurde schließlich nach den Wünschen und Vorstellungen der Architekten und Eigentümer gebaut.“

Christian Moosrainer von der Bauabteilung erklärte dem Gremium die Verfahrensabläufe in der Abteilung und die beschränkten Möglichkeiten der Kommune, auf die Bauwerber einzuwirken. Der neue Kreisbaumeister beim Landratsamt in Rosenheim sei in Zukunft wieder eine Stelle, bei der im Vorfeld viele Entscheidungen bei strittigen Bausachen gefällt werden könnten.

Die Einrichtung des beratenden Gestaltungsbeirats zur Unterstützung des Gemeinderates und des Bau- und Umweltausschusses bei Architektur- und Baufragen wurde 2008 als wegweisend für die Region angesehen. Die umliegenden Gemeinden beobachteten das Experiment mit großem Interesse. Der Beirat bestand aus den fünf stimmberechtigten Mitgliedern Architekt Andreas Meck aus München, Architekt und Stadtplaner Herbert Kallmayer aus München und Aschau, Franz Robold aus Rosenheim, Architektin Ursula Spannberger aus Salzburg und Wolfgang Wagenhäuser aus Töging. Als nicht stimmberechtigte Mitglieder gehörten das damalige Gemeinderatsmitglied Nils Holger Moormann und der frühere Kreisbaumeister Alois Jurascheck dem Gremium an. Die Aufgaben des GBR: Die städtebauliche und architektonische Qualität sichern, die Planungsqualitäten fördern, städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen verhindern sowie die Diskussion über qualitätsvolle Ortsgestaltung und Architektur fördern und allgemeine Ziele einer örtlichen regionalen Baukultur vermitteln.

Das Gremium hatte die Aufgabe, den Gemeinderat in allen städtebaulichen und baukünstlerischen Fragen zu beraten, die für die Erhaltung oder weitere Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes von Bedeutung sind. Ein ausführlicher Aufgabenkatalog gab dem Gestaltungsbeirat seine Rechte und Pflichten vor.

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