Gemeinderat Neubeuern setzt Bahnvertreter vor die Tür

Eklat bei Sitzungsbeginn

von Redaktion

„Die DB prüft nun das weitere Vorgehen.“ Mit diesem lapidaren Satz, der es in sich hat, antwortete gestern Pressesprecher Franz Lindemair, im DB-Konzern Sprecher für Großprojekte in Bayern, auf einen Eklat: Projektleiter Manuel Gotthalmseder war am Dienstagabend aus dem Neubeurer Sitzungssaal hinaus komplimentiert worden.

Neubeuern – Er wollte auf Einladung durch Bürgermeister Hans Nowak am Dienstagabend im Rahmen der Gemeinderatssitzung in Neubeuern über das Erkundungsprogramm zum Brenner-Nordzulauf informieren.

Wie mehrfach berichtet, hatte der Gemeinderat allerdings bereits zweimal mit Mehrheitsbeschluss der Bahn untersagt, Probebohrungen auf Neubeurer Gemeindegrund durchzuführen. „Die geplante Bohrung auf einer Fläche der Gemeinde Neubeuern ist Teil eines breiten Erkundungsprogramms im Inntal. Um Beeinträchtigungen für private Eigentümer und Pächter zu minimieren, sind Bohrungen bevorzugt auf Grundstücken der Bahn oder auf öffentlichen Flächen vorgesehen. Die geplante Erkundung auf Gemeindegrund im Bereich des Klärwerks Neubeuern liegt geologisch günstig und vermeidet Einschränkungen auf Privatgrund.“ Das erklärte Pressesprecher Lindemair der OVB-Heimatzeitung gestern auf Anfrage.

Doch es kam völlig anders. Kaum hatte die Sitzung begonnen, stellte Zweiter Bürgermeister Martin Schmid einen Antrag zur Geschäftsordnung. Darin forderte er, den Tagesordnungspunkt drei – hier sollte der Bahn-Vertreter sprechen – ersatzlos zu streichen. Zur Begründung erklärte Schmid, der auch Sprecher des Bürgerforums Inntal ist, das sich gegen weitere Trassen im Inntal ausspricht, dass er „keine weitere sinnlose Diskussion“ wolle. Man kenne den Standpunkt der Bahn und wolle eine Beeinflussung der Bürger durch „gute Rhetoriker“ vermeiden. Schließlich war der Sitzungssaal im Neubeurer Rathaus rappelvoll. Sehr viele Bürger waren extra deshalb zur Sitzung gekommen. Außerdem erklärte Schmid, dass es „brennendere Themen in Neubeuern wie beispielsweise die Anfrage des Gemeinderats Alois Holzmaier zur Schließung des Werkraums der Schule“ gebe.

Gemeinderat Martin Fritz unterstützte den Antrag von Martin Schmid. Er sei ebenfalls gegen eine „Werbeveranstaltung der Bahn“. Jede weitere Diskussion darüber sei „reine Zeitverschwendung“.

Ganz anders sah das Bürgermeister Hans Nowak. Er widersprach und erklärte, dass DB-Projektleiter Manuel Gotthalmseder der Marktgemeinde Neubeuern angeboten habe, die Hintergründe der Erkundungsuntersuchungen innerhalb einer öffentlichen Gemeinderatssitzung ausführlich zu erläutern. Sich die Argumente einmal anzuhören, sei doch das Mindeste, so Nowak.

Doch die Mehrheit im Neubeurer Gemeinderat sah das anders. Sie votierten mit 11:5 Stimmen für die Absetzung des Tagesordnungspunktes. Daraufhin wurde der Bahn-Vertreter hinauskomplimentiert.

Der Heimatzeitung gegenüber zeigte er sich gestern betroffen von dem brüsken Verhalten. „Ich bin sehr enttäuscht über dieses Verhalten und bedauere, dass der Gemeinderat sich nicht mehr mit diesem Thema beschäftigen möchte. Ich wäre gerne den Informationswünschen von vielen Neubeurern nachgekommen“, so der Projektleiter am Dienstagabend.

Nachdem von fünf der sechs Kommunen im Planungsraum bereits eine Zustimmung vorlag, hatte die Projektleitung der Bahn erneut den Dialog mit den Vertretern der Gemeinde Neubeuern gesucht, um alle Möglichkeiten einer Verständigung zu nutzen, hieß es dazu vonseiten der Bahn.

Denn eine vertiefte Kenntnis des Boden- und Gebirgsaufbaus sei für die weiteren Planungsschritte am Brenner-Nordzulauf von entscheidender Bedeutung, erklärte der Pressesprecher. „Noch fehlende geologische Erkenntnisse werden durch die derzeitigen Erkundungsbohrungen im Inntal ergänzt.“

Die Erkundungsbohrungen im Inntal laufen bereits seit Januar 2018. Das beauftragte Planungsbüro hat grenzüberschreitend rund 30 Punkte identifiziert, an denen die geologischen Erkenntnisse für die weiteren Planungen noch nicht ausreichend sind.

Für fast alle Bohrungen liege ein Einverständnis der Grundeigentümer vor, erklärte Pressesprecher Lindemair. „Die Bohrpunkte verteilen sich über den gesamten Planungsraum in Deutschland und Österreich und stellen daher absolut keine Vorwegnahme eines späteren Trassenverlaufs dar“, betonte er im Gespräch mit der Heimatzeitung abschließend.

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