Samerberg – Dem heutigen Touristen das rechte Angebot zu machen, ist schwierig geworden, denn er will alles gleichzeitig: Ruhe und Abgeschiedenheit, aber ein auch im letzten Winkel noch perfekt funktionierendes Mobilfunknetz, am besten noch W-Lan allüberall. Es ist der Wunsch, sich befreien zu können von Stress und Hektik. Gesucht wird die Chance, sich wieder selbst zu finden. Aber Events und Veranstaltungen sollen – bitteschön – schon auch sein.
Was Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland, als Referentin an diesem Abend zu erzählen hatte, haben viele der Gastgeber in der einen oder anderen Form schon erlebt, aber vielleicht bislang eher als die Ansprüche einzelner, besonders schwieriger Gäste abgetan. An diesem Abend bekamen die Gastgeber es aber als wissenschaftliche Tatsache serviert, als Trends, die die Tourismusfachleute festgemacht haben, und an denen man sich wird orientieren müssen, will man sich gegenüber anderen Regionen behaupten.
Wer sich aufmacht, den Trends zu folgen, muss aufpassen, dass er wirklich aktuell ist und der Zeit nicht hinterherhinkt, weder mit den Angeboten, noch mit den Etiketten. Wellness sei, so Pfaffinger, bis vor Kurzem noch eine absolute Standardvokabel im Tourismusgeschäft gewesen. Heute sei sie out und klinge verstaubt. Die Inhalte seien im Grunde nach wie vor gefragt, man dürfe nur nicht mehr versuchen, sie mit diesem Begriff verkaufen zu wollen.
Überhaupt „verkaufen“ – manchen der Anwesenden ist wohl schwindlig geworden, was man da optimalerweise so alles tun müsste: Homepage überarbeiten, weil sie Smartphone-fähig sein muss, Bilder eher in blassen, verwaschenen Farben. Mit „Postkartenidylle“ stehe man auf verlorenem Posten, auch von den Inhalten her: „Storytelling“ sei das Stichwort. Bilder sollen Geschichten erzählen. Ursprünglichkeit sei gefragt, so Pfaffinger.
Aber müsse man tatsächlich diesen Trends und Entwicklungen hinterherrennen? Für Samerbergs Bürgermeister Georg Huber war die Frage an diesem Abend eindeutig zu beantworten: Nein, muss man nicht. Natürlich gebe es Punkte, um die man von vornherein nicht herumkomme, zum Beispiel die neuen Datenschutzanforderungen bei Buchungen. Auch sei es selbstverständlich wichtig, die Trends zu kennen, zum Beispiel die schnelle Entwicklung des E-Bike-Tourismus, doch müsse man sich bei all diesen Entwicklungen fragen: Was davon passt wirklich zu uns?
Monika Schimanski, die neue Tourismusleiterin, wurde vorgestellt.