Sondersitzung des Gemeinderats Amerang

Angebotslücke im Discountbereich?

von Redaktion

Amerang hat ein qualitativ gutes Nahversorgungsangebot, aber eine Angebotslücke im Discountbereich – das war das Ergebnis des Nahversorgungskonzepts, das dem Gemeinderat in einer Sondersitzung vorgestellt wurde.

Amerang – Anlass für die Untersuchung der Nahversorgungsstrukturen war die Planung der Firma Penny, in Amerang einen Lebensmitteldiscountmarkt mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu errichten.

cima: Das Angebot ist eher auf einkommens-

starke Kunden-

gruppen ausgerichtet

Aber braucht Amerang einen Discounter? Schon bei der Vorstellung des Vorhabens im Februar wurde diese Frage nicht nur im Gemeinderat hitzig diskutiert. Glaubt man einer nicht repräsentativen Online-Umfrage, so waren zu diesem Zeitpunkt gut 60 Prozent der Teilnehmer für die Errichtung eines Discounters in Amerang. Der Gewerbeverein äußerte dagegen Skepsis und auch die Gemeinderäte waren uneins. Bietet das Areal an der Wasserburger Straße in Richtung am Kroit im Falle einer Einigung mit den Grundstückseigentümern doch auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Aus Sicht einiger Räte und des Bürgermeisters soll der rund fünf Hektar große Bereich einschließlich der Sportflächen gesamt überplant und anschließend in einem Gesamtkonzept entwickelt werden. Oberste Priorität hat für Bürgermeister Gust Voit dabei die langfristige Sicherung der Nahversorgung im Ortskern. Eine Art Machbarkeitsstudie sollte belastbare Erkenntnisse über das Einkaufsverhalten der Ameranger und vorhandene Nahversorgungsstrukturen bringen und damit eine wichtige Entscheidungsgrundlage liefern. Ziel war es, Perspektiven für eine langfristige und fußläufige Sicherung der Nahversorgung in der Gemeinde aufzuzeigen, um den Einzelhandelsstandort zu stärken und die Ortsmitte als Einkaufs- und Versorgungsstandort, Kommunikations- und Aufenthaltsort sowie Identifikationsraum zu sichern und weiterzuentwickeln.

Dazu untersuchte das beauftragte Wirtschaftsberatungsunternehmen für Kommunen (cima) die Standortbedingungen, die aktuelle Nahversorgungssituation mit Nachfragesituation und Perspektiven sowie das Planvorhaben und die Auswirkungen des Penny-Marktes und die Überlegung zur Erweiterung des bestehenden örtlichen Edeka-Marktes auf die bestehenden Geschäfte.

Gerade mit dem Mix aus spezialisierten Kleinanbietern wie Metzger, Bäcker, Feinkostladen und Nahversorgern ist Amerang mit insgesamt zehn Betrieben – neun davon im Kernort – und dem Dorfladen in Evenhausen, laut cima gut aufgestellt. Insgesamt liege der Umsatz der Betriebe jährlich bei etwa sechs Millionen Euro. Allerdings sei das Angebot eher auf einkommensstarke Kundengruppen ausgerichtet, so die cima.

Penny: Das Kaufkraftpotenzial der rund 3700 Einwohner für Lebensmittel liegt laut Zahlenmaterial bei etwa acht Millionen Euro. 40 Prozent davon würden durchschnittlich für den Lebensmitteleinkauf beim Discounter ausgegeben. Dazu kämen noch Kaufkraftzuflüsse von Pendlern, Touristen und Bewohnern aus Umlandgemeinden.

Die Befragung von 128 Personen, darunter überwiegend Ameranger aller Altersgruppen, ergab, dass neun von zehn der Befragten, regelmäßig in Amerang Lebensmittel kaufen. Mehr als jeder Dritte vermisse aber weitere Angebote im Lebensmittelbereich. Ein größeres Sortiment, Discounter, frische Produkte, Ordnung in den Geschäften und Sonderangebote waren die Punkte, die hier vorrangig genannt wurden.

Die Befragung ergab weiter, dass die Ameranger zum Lebensmitteleinkaufen gerne auch nach Wasserburg, Bad Endorf und Obing fahren. Potenzial also, das mit der Errichtung des Penny-Marktes und einer Attraktivitätssteigerung des örtlichen Edeka-Marktes zurückgewonnen werden könnte. Dementsprechend wurde für den Penny- Markt ein Marktanteil von 20 bis 25 Prozent prognostiziert. Pendler, Touristen und Bewohner aus dem Umland eingerechnet, ergäbe sich daraus ein Umsatz von etwa 2,8 Millionen Euro. Laut cima ist das unterdurchschnittlich im bundesdeutschen Vergleich, aber marktfähig.

Edeka: Ähnlich verhält es sich bei der geplanten Erweiterung des Edeka-Marktes auf 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche (ohne Bäcker) mit einem Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite am südlichen Ortseingang. Hier liegt der prognostizierte Marktanteil bei 30 Prozent und inklusive Streuumsätzen bei einem Wert von etwa 3,5 Millionen Euro. Die Prämisse müsse hier auf Modernisierung, Attraktivitätssteigerung und Serviceorientierung gelegt werden, um marktfähig zu bleiben, so die Einschätzung der Berater. Aus deren Sicht sichert und stärkt die Ansiedlung eines Penny-Marktes am nördlichen Ortseingang die Nahversorgung in Amerang und führt anhand derzeitiger Erkenntnisse zu keinen daraus resultierenden Betriebsschließungen. Auch die Erweiterung beziehungsweise Attraktivitätssteigerung des Edeka sei zielführend. Insgesamt steigere diese Weiterentwicklung die Qualität Amerangs als Wohn- und Lebensort für die Bürger.

Es besteht weiter Diskussionsbedarf

Nach der Vorstellung des Nahversorgungskonzepts durch das Beratungsunternehmen will sich der Rat Zeit nehmen, das Konzept im Gremium und auch eingehend mit den Bürgern und dem Gewerbeverein zu diskutieren. Bei den Wortmeldungen im Anschluss wurde deutlich, dass noch erheblicher Redebedarf besteht. Die Angst vor Umsatzeinbußen und damit verbundenen Geschäftsaufgaben und Lehrständen in der Ortsmitte konnte mit dem Ergebnis des Nahversorgungskonzepts im ersten Schritt bei einigen Räten und Vertretern des örtlichen Gewerbes nicht ausgeräumt werden. Klar wurde aber auch, dass die Einkommensschere in Amerang weit auseinanderklafft und dass neben vielen Gutverdienern rund 30 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen ein Jahreseinkommen von rund 15000 Euro haben. Man müsse sich bewusst machen, dass es auch Bürger gebe, die dankbar über einen Wettbewerb in der Grundversorgung seien, betonten die Befürworter.

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