Oberaudorf – Eine mögliche Ansiedlung von Aldi sorgt in Oberaudorf wie berichtet für erhebliche Diskussion. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen ruft Christian M. Klotz, Geschäftsführer für die Region Oberbayern-Ost im Bund der Selbständigen, dazu auf, nein zur Ansiedelung von Aldi zu sagen. „Aldi führt zu keiner Ortsentwicklung“, unterstrich er bei einem Infoabend vor Oberaudorfer Unternehmern in der Oberaudorfer Brauerei.
Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Würde Aldi das Geschäft in Oberaudorf beleben?
Nein, ein neuer Discounter verdrängt mit seinen vielen Sortimentsschwerpunkten in Nonfood-Bereichen langfristig die Vielfalt der Branchen im Ort. Ein Sterben eingesessener Betriebe ist die Folge. Das kann man in vielen Orten in der Region in dieser Form erleben.
In ihrem Vortrag sprachen Sie vom „Kannibalismus“, der inzwischen unter den Discountern herrsche. Ein bedrohliches Bild.
Der Marktanteil für die Discounter ist gesättigt. Sie müssen nur auf die Werbung hören: Das ist ein erbitterter Preiskrieg und ein reiner Verdrängungswettbewerb. Das Allerschlimmste: Fläche ersetzt Persönlichkeit. Alles, was die Bürger und Besucher Oberaudorfs in den noch vorhandenen Geschäften schätzen, etwa qualifizierte Beratung, herausragender Service, gute und neue Ideen oder auch die hohe Aufenthaltsqualität im Ortszentrum, das alles kann ein Discounter am Ortsrand nicht bieten.
Vielfach ist aber zu hören, Aldi würde den Standort Oberaudorf stärken. Wie sehen Sie das?
Das uniforme Gesicht von Aldi gibt es tausendfach – Alleinstellungsmerkmale des Ortes, wie eben genannt, werden durch eine Ansiedlung von Aldi sicherlich nicht gestärkt.
Sie sprechen sich deshalb energisch dafür aus, das Zentrum von Oberaudorf auszubauen.
Ja, die Oberaudorfer müssen sich dazu bekennen, dass sie eben anders sind, dass sie sich mutig gegen das Ausbluten ihres Zentrums stemmen. Es geht darum, ein Zentrum für die Zukunft zu schaffen. Die Frage muss lauten: Was bringen wir Unternehmer gemeinsam mit der Gemeinde auf den Weg? Und da gibt es jetzt schon eine Vielzahl von Ideen.
Das heißt, Sie werden gemeinsam mit den örtlichen Unternehmern weiter an „Oberaudorf 2030“ arbeiten?
Sehr gerne. Wir treffen uns in etwa einem Monat wieder und werden die Ideensammlung für den Ort vertiefen und schlussendlich darüber nachdenken, wie wir zusammen mit der Gemeinde das vorhandene, gute Zentrum als Heimat für die örtlichen Unternehmer noch besser stärken können. Ich versichere Ihnen, die örtlichen Unternehmer haben genug Potenzial, um den Ort mit ihrer Fachkompetenz und ihrem Ideenreichtum am Leben zu halten und in die Zukunft zu entwickeln. Oberaudorf benötigt Ideen und Innovationen – aber keinen Aldi. Im Gegenteil!
Interview: Eva-Maria Gruber