Thomas Mayer (27) seit fast drei Monaten auf dem Pacific Crest Trail unterwegs

Cowboy-Camping mit Klapperschlangen

von Redaktion

Schmerzende Blasen, eisige Kälte und gefährliche Klapperschlangen: Was Thomas Mayer aus Aschau in den vergangenen Wochen auf dem Pacific Crest Trail erlebt hat, war im wahrsten Sinne des Wortes alles andere als ein Spaziergang. Doch trotz der Strapazen möchte er die Zeit keinesfalls missen: „Es ist bisher super schön.“

Aschau – Ob ihn Eltern und Freunde auf den ersten Blick erkennen würden, ist keineswegs sicher. Denn seit sie ihm das letzte Mal vor rund drei Monaten Auge in Auge gegenüber gestanden haben, hat sich sein Äußeres extrem verändert. Braungebrannt mit buschigem Bart und dunkler Sonnenbrille lächelt er in die Kamera. Rund ein Drittel des 4279 Kilometer langen Pacific Crest Trails (PCT), der von der mexikanischen Grenze quer durch die USA und parallel zum Pazifik bis nach Kanada führt, hat der 27-Jährige bereits erfolgreich gemeistert.

Mitte März war der junge Mann aus Aschau nach einer mehrmonatigen Vorbereitung auf dem Wanderweg gestartet, den jährlich nur rund einige Hundert Wanderer bewältigen. Eine Dokumentation über den PCT hatte beim Aschauer einst die Sehnsucht nach dieser Herausforderung geweckt. Damit sein Traum in Erfüllung gehen kann, hatte er sogar seinen Hausmeisterjob bei der Klinik Sonnenbichl gekündigt (wir berichteten).

Kein Smartphone

für die Wassersuche

Dabei hatte die Extremtour für den jungen Mann mit Hindernissen begonnen. Noch in Aschau hatte ihn eine massive Erkältung in seinen Vorbereitungen zurückgeworfen. Am ersten Tag auf dem Wanderweg fiel ihm dann sein Smartphone aus der Hand, wodurch das Display zerbrach. Ein herber Rückschlag für den 27-Jährigen – denn wie sollte er auf der Strecke nun seine Wasserstellen finden? Andere Wanderer halfen Mayer letztlich aus, bis ihm Freunde nach drei Wochen ein Ersatzgerät an den Trail schickten.

Eine große Erleichterung für den sportlichen Mann, der zu Fuß rund 25 Kilometer täglich zu bewältigen hat. Kämpfte er in den ersten Tagen bei seinem Weg durch die Mojave-Wüste mit Temperaturen um die 40 Grad Celsius und rund sechs Liter Trinkwasser, die er zum normalen Gepäck mitschleppen musste, erlebt er derzeit in der Sierra Nevada das andere Extrem mit Schnee und Eis. Trotzdem hat sich Mayer mittlerweile dafür entschieden, sein Zelt nachts gar nicht mehr aufzubauen sondern das sogenannte Cowboy-Camping zu zelebrieren und unter freiem Himmel im Schlafsack zu nächtigen. „So ist es zwar etwas windig und kälter, dafür ist man in der Früh total schnell zum Aufbruch bereit“, erklärt der Extremwanderer, der derzeit eigentlich immer in einer Höhe von über 3000 Metern unterwegs ist, gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Doch trotz der Strapazen, trotz der Begegnungen mit gefährlichen Tieren wie Klapperschlangen und trotz unzähliger Blasen und durchnässter Kleidung – seine Zeit auf dem Trail möchte der 27-Jährige keinesfalls missen. „Die wilden Tiere, die unendliche Wildnis – meine Reise ist bisher super schön“, sagt Mayer, der auch von den Menschen des Landes, denen er auf seinen Lebensmitteleinkäufen in den an der Strecke gelegenen Ortschaften begegnet, begeistert ist: „Die Leute sind extrem freundlich und hilfsbereit.“

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