Sebastian Mühlhuber – imker aus LEidenschaft

Es summt und brummt im Bienenhaus

von Redaktion

Im April spendete Sebastian Mühlhuber einen neuen Birnbaum für den Volksfestplatz in Rott am Inn und einige Tage zuvor wurde er für seinen unermüdlichen Einsatz an der Biene, quasi für sein Lebenswerk, mit dem Natur- und Umweltpreis ausgezeichnet. Er ist Ehrenmitglied im Gartenbauverein und immer noch aktiver Imker. Erst vor Kurzem schleuderte er die 40 Waben seiner sieben Bienenvölker, um den begehrten Blütenhonig „zu ernten“.

Rott – Es summt und brummt in dem Bienenhaus des Imkers. „Sie müssen keine Angst haben, ihnen passiert nix, die sind brav, kommen Sie nur herein“, beruhigt der 81-Jährige. Beeindruckend sind die Geräusche der Insekten und die Temperatur im Inneren. Die ein oder andere Biene schwirrt im Haus umher, aber die meisten tummeln sich draußen vor den Eingängen ihrer kleinen Holzkästen, in denen die Bienen ihre Waben haben.

„Zuvor verwendete man hauptsächlich die Rasse Nigra, eine sehr angriffslustige Bienensorte.“ Sebastian Mühlhuber

Schon der Vater von Sebastian Mühlhuber hatte Bienen. „Rund 90 Völker waren das damals und die retteten uns über schlechte Zeiten hinüber“, erzählt er. Vieles war der Familie möglich, weil sie Honig zum Tauschen hatte. In den Kriegszeiten und auch danach konnte sich die Familie so manchen Extrawunsch mit dem Blütengold erfüllen. So hatten sie als Erstes einen Kühlschrank im Ort. Im Heustadel wartete damals einiges an Honig, vergraben, versteckt, falls die große Not nach Kriegsende hereinbrechen sollte. Und schon immer mussten sie als Kinder im Bienenhaus helfen. So verwundert es auch nicht, dass irgendwann die ersten eigenen Bienenvölker aufgestellt wurden. Seit dieser Zeit macht der Bienenfreund seinen eigenen Honig. Sebastian Mühlhuber erzählt, wie einfach es doch sei, die Bienen von den Waben zu bürsten – keine einzige hätte ihn dabei gestochen. Diese nahe Begegnung zu den Tieren würde aber auch erst seit dem Jahr 1950 gehen, denn ab diesem Zeitpunkt habe man angefangen, die Bienenrassen zu wechseln, so Mühlhuber. „Zuvor verwendete man hauptsächlich die Rasse Nigra, eine sehr angriffslustige und temperamentvolle Bienensorte. Während die jetzige Carnica- Rasse geradezu lammfromm und ruhig genug ist und sich ohne Rauch und Schutzanzug von den Waben mit einem Besen abfegen lässt“. Pro Volk waren es heuer 33 Pfund Blütenhonig, eine gute Ernte. Danach kommt der Waldhonig, erklärt Mühlhuber. „Mal sehen, ob es heuer überhaupt einen gibt. Im Moment staubt der Wald ja nur. Was es für einen Waldhonig braucht, sind Läuse.“ Es gibt zwei verschiedene Arten von Läuse, die überflüssig aufgenommenen Zucker wieder ausscheiden und den die Biene aufnimmt und zu Honig macht. Mitte Mai beginnen die Läuse ihre Tätigkeit oder auch nicht, wie im Jahr 2017, in dem es keinen Waldhonig gab. Dann muss man den Bienen zufüttern, weil sie in der intensiven Landwirtschaft nicht mehr genügend Nahrung finden. Währenddessen die Winterfütterung laut Mühlhuber nicht mehr so groß ist. Das eingewanderte Springkraut liefert den Bienen bis weit in den Herbst hinein viel Nahrung.

1965 gab es in Rott am Inn zwei Imker mit je ein paar Völkern im Ortskern. Danach war 15 Jahre lang kein Volk mehr im Dorf, welches die Obstbäume dort hätte bestäuben können. Mit viel Engagement gelang es dem Bienenverein Ramerberg wieder vier bis fünf Völker im Ort anzusiedeln und damit die Bestäubung zu sichern. Die Ausbildung der Jungimker ist das Herzblut des 81-Jährigen. „Hier stehe ich von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends zur Verfügung“, sagt er und zieht einen grünen Lodenhut auf. Seit dem Tod seines Vaters 1963 gehört ihm diese Kopfbedeckung. „Er ist quasi mein Talisman“, schmunzelt er. Nicht nur das, der Hut ist enorm praktisch, denn so käme ihm am Kopf keine Biene zu nah und weil der Hut keine Krempe hat, könne auch keine unter den Hut schlüpfen. Das würden seine Bienen wahrscheinlich auch nicht tun, so brav wie sie sind.

Kurz & bündig

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Die Familie und sozial engagiert zu sein.

Was können Sie nicht ausstehen?

Falschheit gegenüber anderen.

Was würden Sie gerne einmal tun?

Ich habe Amerika einigermaßen kennengelernt, aber Bayern zu wenig. Das würde ich gerne nachholen.

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gekommen?

Beim Einstieg in die Computerfräserei, als ich schon 40 Jahre alt war. Da hatte ich oft weiche Knie, denn ein falscher „Tipperer“ und die ganze Sache läuft schief. Das war eine harte Zeit.

Worauf sind Sie stolz?

Auf die große und intakte Familie. Und auf die Erfolge bei der Imkerausbildung.

Steckbrief

Name: Sebastian Mühlhuber

Beruf: Fräser

Geboren: 15. September 1935

Wohnort: Rott am Inn

Familienstand: verwitwet

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