Kiefersfelden – Prinz Mangolf, der Vetter des Kaisers, umgarnt Kaiserin Dianora. „Schenkt mir Eure Liebe“, turtelt er, und als die ehrbare Kaiserin ihn empört zurückweist, beschimpft er sie zornbebend als „verfluchtes Weib“. Eine unerbittliche Intrige nimmt damit ihren Anfang.
Mit großem Ernst proben die Kinder und Jugendlichen der Nachwuchsbühne „Kieferer Wichtl“ diese und andere Szenen aus dem Ritterdrama „Kaiser Oktavianus oder: Die unschuldig mit ihren Kindern in das Elend vertriebene Kaiserin Dianora“. Es gilt als das Paradestück des Josef Georg Schmalz. Das 1835 entstandene Werk ist voller Intrigen und Verrat, mit wech-selnden Schauplätzen, Irrungen und Verwirrungen.
Die Texte des Stückes sind für die meist zwischen zehn und 17 Jahre jungen Darsteller eine große Herausforderung. Das Ritterdrama wurde von Spielleiterin Conny Schrott zwar in eine kindgerechte Fassung umgeschrieben, aber es bleibt in der Sprache des Hofes, voller Ehrerbietung, Autorität und ritterlichen Gebaren.
Anlässlich des heurigen 400-jährigen Jubiläums des „Volkstheater Ritterschauspiele Kiefersfelden“ war die Idee geboren worden, die heurige Jubiläumsinszenierung von „Kaiser Oktavianus“ sieben Wochen vor den „großen“ Rittern“ von den „kleinen“ Rittern aufführen zu lassen.
Mit Eifer und Ehrgeiz sind die Kinder und Jugendlichen bei der Sache. Im großen Theaterhaus müssen sie lauter reden als sonst auf ihrer gewohnten Turnhallenbühne. Die schnellen Kulissenwechsel erfordern hohe Konzentration. Sogar einen Schwertkampfkurs mussten die meisten absolvieren. Auch wenn die „Nachwuchsritter“, im Gegensatz zu den Darstellern bei den Ritterschauspielen Kiefersfelden, nicht mit echten, sondern nur mit hölzernen Schwertern agieren.
Es macht den 25 Akteuren der Kinder- und Jugendbühne „Kieferer Wichtl“ sichtlich Spaß, dieses ganz andere historische Theaterstück spielen zu dürfen. Zwölf von ihnen müssen sogar in zwei oder drei verschiedene Rollen schlüpfen, weil es in „Kaiser Oktavianus“ so viele Personen zu besetzen gibt. All das ist auch eine hervorragende Übung für die von vielen angestrebte spätere „Karriere“ bei den Ritterschauspielen Kiefersfelden.
Geschichte und Geschichten im Ritterdrama „Kaiser Oktavianus“ wechseln schnell, es gibt abenteuerliche Szenen und spannende Verwicklungen. Ein Affe und ein Löwe rauben die Kinder der wegen angeblichen Ehebruchs vom Hofe verjagten Kaiserin. Lug und Trug dominieren, aber es wendet sich alles zum Guten. Ein frommer Einsiedler hilft die Intrigen zu entwirren und am Ende siegt, nach einer Familienzusammenführung, das Gute über das Böse.
Verrat, Lügen und Enttäuschungen
Es gibt auch in der kindgerechten Fassung des „Kaiser Oktavianus“ viel Lehrreiches für das erwartete junge, aber auch ältere Publikum der „Kieferer Wichtl“. Es ist ein Eintauchen in eine höfische Welt, die so gar nicht heil ist, sondern voller Verrat, Lügen und Enttäuschungen.
Nicht fehlen darf bei dieser zweiaktigen Fassung von „Kaiser Oktavianus“ die beliebte Figur des Kieferer Kasperl. Er steht in seiner Doppelrolle als Diener und Hofnarr zwischen dem Geschehen auf der Bühne und dem Publikum. Mit seinen listigen und lustigen Auftritten erklärt und bewertet er das Treiben am ritterlichen Hofe. Gespielt wird der „Kieferer Kasperl“ von einem zehnjährigen Mädchen.