Aktuelles Interview

„Das ist ein Schweine-Paradies“

von Redaktion

Autofahrer aufgepasst! Im Gemeindegebiet Tuntenhausen kann es vermehrt zu Begegnungen mit Wildschweinen kommen. Jüngster Fall: Vier Frischlinge kollidierten nachts mit einem Auto bei Hörmating. Über die wachsende Population im Maxl-rainer Forst und wie man mit der Sachlage umgeht, sprach der zuständige Hegeringleiter Wolfgang Aniser mit unserer Zeitung.

Herr Aniser, wie ist das Wildschweinvorkommen im Maxlrainer Forst?

Früher gab es überhaupt keine Wildschweine im Maxlrainer Forst. Aber: Mit dem gewaltigen Hagelereignis 2003 wurden auf 500 Hektar alle Waldbestände zerstört und wieder aufgepflanzt. Ergebnis: 500 Hektar Dickung, also heranwachsender Bestand. Das ist ein Schweine-Paradies.

Kann man das Vorkommen spezifizieren? Wie viele Rotten, Eber und Bachen gibt es etwa?

Erst waren es nur ganz wenige, und unsere zehn Jäger konnten sie gut in Schach halten. Aber Wildschweine wandern sehr weit, und da in anderen Revieren sogar Fütterungen für sie angelegt wurden, haben sie sich daraufhin gewaltig vermehrt. Dies führte bei uns zu immer stärkerem Zuzug. Ein genauer Bestand ist schwer anzusagen. Unsere Jäger haben in der letzten Saison 45 Sauen erlegt. Wir gehen davon aus, dass derzeit vielleicht 15 bis 20 Sauen noch da sind.

Wie ist die Situation vor Ort, im Forst?

Große Keiler und reife Bachen bleiben nicht lange unentdeckt, und werden bald erlegt. Anders ist dies mit Überläufern und Frischlingen. Da Wildschweine bis zu dreimal im Jahr frischen können, ist die Vermehrungsrate gewaltig. 13 Frischlinge sind keine Seltenheit.

Wie ist die Prognose beziehungsweise Ihre Erwartung in den kommenden Jahren?

Das Problem wird sich von selber erledigen, wenn die 2003 gepflanzten Bestände Anfang/Mitte der 2020er-Jahre aus dem Dickungsalter herauswachsen. Mit dem Wegfall der Deckung werden die Sauen wieder in Gegenden abreisen, wo sie bessere Deckung finden. Bis dahin ist ein gutes Zusammenwirken von Jägern, Landwirten und der Bevölkerung das beste Rezept, um es nicht zu einer Wildschweinplage kommen zu lassen.

Wie groß sind die Schäden, die die Schweine anrichten?

Im Forst richten Schweine keinen Schaden an. Sie entwurzeln zwar gelegentlich ein junges Bäumchen, aber ihr konsequentes Aufbrechen des Bodens belüftet diesen und befördert Wachstum aller Art. Ganz anders ist dies in der Landwirtschaft. Hier kann eine einzige Rotte im Laufe einer Nacht gewaltige Schäden anrichten.

Das Credo in Bezug auf die Tiere lautet demnach „Gemeinsam die Situation kontrollieren“?

Ja, wir arbeiten sehr eng zusammen mit den Landwirten in den Gemeinschaftsrevieren um Maxlrain. Jede Spur eines Wildschweines wird sofort gemeldet und unsere Jäger setzen sich dann gleich in Bewegung.

Wie wird man dem „Wildschwein-Problem“ Herr? Sind beispielsweise Treibjagden wie damals in Niedermoosen geplant?

Da die Staatsstraße mitten durch den Maxlrainer Forst geht, sind Treibjagden mit jagenden Hunden keine wirkliche Option, da die Gefahr für die Hunde und die Autofahrer durch Sauen, die dann in Angst über die Straße wechseln, recht groß wäre.

Müssen Spaziergänger befürchten, auf Wildschweine im Maxlrainer Forst zu treffen?

In der Zeit, da Wildschweine ihre Jungen aufziehen, ist das Herumkriechen im Unterholz nicht ungefährlich, da eine Bache ihre Frischlinge rabiat verteidigt. Wer auf den Wegen bleibt, hat bei einem Treffen mit Wildsauen im Forst nichts zu befürchten.

Jüngst hat es einen Unfall mit vier Frischlingen gegeben. Ist damit im Bereich des Forsts verstärkt nun zu rechnen?

Erhöhte Vorsicht auf der Staatsstraße im Maxlrainer Forst ist sehr angebracht, denn ein Zusammenstoß mit einem bis 100 Kilogramm schweren Schwein bringt erhebliche Gefahr für Leib und Leben.

Interview Silvia Mischi

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