Griesstätt – Seit dem Hochwasser im Sommer 2013 ist die Brücke über die Murn im Griesstätter Ortsteil Untermühle für Verkehr, Fußgänger, Reiter und Radler gesperrt. Beeinträchtigt ist davon auch der beliebte Inntalradweg. Dennoch wurde die Brücke immer wieder als Querungshilfe genutzt. Im Oktober 2017 entschied sich der Gemeinderat dann zur Komplettsperrung mittels Betonpoller – der Sicherheit wegen, denn das Fundament der Brücke ist marode.
Unmut in der Bevölkerung
In der Bevölkerung rief die Sperrung immer wieder Unmut hervor. Regelmäßig erreichten Bürgermeister Robert Aßmus Beschwerden verärgerter Bürger, die die Brücke ehemals als Arbeitsweg oder für Wanderungen nutzten. „Wir können eine Lösung nicht einfach aus dem Boden stampfen und wollen keine halbherzige Entscheidung“, argumentierte er, auch angesichts der enormen Kosten von 300000 und 500000 Euro, die eine vollständige Sanierung der Brücke mit sich bringen würde.
Nun aber ist eine Lösung in Sicht: Eine Behelfsbrücke soll den gefahrlosen Übergang wieder herstellen. Die Vorbereitungen für den Bau laufen bereits auf Hochtouren. Auch ein Termin steht schon fest: Samstag, 21. Juli. Der THW-Ortsverband Freising stellt das Brückenbaumaterial zur Verfügung und hat sich Ende Mai bereits ein Bild von der Lage vor Ort gemacht.
Die Behelfsbrücke stellt aber nur eine Zwischenlösung dar. Zwei Jahre lang soll sie laut Stefan Huber vom THW Rosenheim den Murnübergang sichern, dann sei ein Neubau geplant. „Natürlich sind wir nach wie vor an einer Dauerlösung interessiert. Wir haben jetzt ein Zeitfenster, in dem wir alle Möglichkeiten abklopfen können, wie wir ein solches Projekt umsetzen können und welche Zuschüsse zu erwarten sind“, bestätigt Bürgermeister Aßmus.
In einer vorhergehenden Sitzung hatte der Griesstätter Gemeinderat bereits per Beschluss 20000 Euro für den Bau der Behelfsbrücke freigegeben. Da die Umsetzung des Projekts nun doch etwas mehr kostet, mussten die Räte am Mittwochabend (13. Juni) über die Kostenmehrung von zusätzlich 2500 Euro entscheiden, was auch geschah.
Die Vertreter der Gemeinde Griesstätt waren an die Verantwortlichen des Technischen Hilfswerks herangetreten. Nachdem die Fachgruppe des THW auch in Passau oder Simbach Behelfsbrücken installiert hatte, wollte man wissen, ob so etwas auch in Griesstätt möglich sei. „Der eigentliche Auslöser war ein Kontakt zwischen der Griesstätter Feuerwehr und dem THW“, erklärte Bürgermeister Aßmus.
Es waren offenbar fruchtbare Gespräche: Das THW nahm sich der Problematik an. Von den Ortsverbänden Rosenheim, Freising und Mühldorf wird nun eine sogenannte Bailey-Brücke mit einer Länge von etwa 22 Metern über die Murn gebaut. Die gesamten Brückenbauelemente werden mit Tiefladern nach Griesstätt transportiert. Am frühen Morgen des 21. Juli beginnt der Brückenbau mit rund 40 ehrenamtlichen Helfern des Technischen Hilfswerks.
Interessierte können dem Schauspiel allerdings nach derzeitigem Stand nicht beiwohnen. „Der Platz ist begrenzt, deshalb werden wir die Zufahrtswege während der Arbeiten sperren müssen“, bedauert Huber. Allerdings nicht für lange. Am Samstag in den frühen Abendstunden soll die Brücke einsatzbereit sein.
Im Gegensatz zu anderen Festbrückensystemen sind die einzelnen Bauteile so dimensioniert, dass ein Aufbau rein von Hand möglich ist. Das schwerste Element wiegt etwa 273 Kilogramm. „Das Bailey-System ist bewusst einfach gehalten. Eine vergleichsweise geringe Anzahl verschiedener Bauteile erlaubt eine ganze Reihe unterschiedlicher Bauweisen. So lassen sich die Behelfsbrücken flexibel an die jeweiligen Anforderungen anpassen“, erklärt Huber.