Nußdorf – Neben dem Bericht des Bürgermeisters stand eine Rede von Sebeir Mostamandi auf der Tagesordnung. Er gehört zu den 39 Asylbewerbern, die derzeit in Nußdorf leben und erst kürzlich unter den Anfeindungen zweier Anwohner leiden mussten (wir berichteten). Er kommt aus Afghanistan und wohnt seit 2017 in Nußdorf. Seine Rede hielt er auf Deutsch und versetzte dadurch viele Bürger in Erstaunen, weil er innerhalb kürzester Zeit die deutsche Sprache so gut erlernt hat, dass er sogar vor einem größeren Publikum auftreten konnte. Er berichtete von den Gräueltaten, die ihm und seiner Familie widerfahren sind. Während seine Eltern und andere Verwandte von den Taliban ermordet wurden, kamen er und sein Bruder mit dem Leben davon. Er berichtete von dem Blutbad, das die Mörder hinterlassen hatten und dass die Polizei ihnen nicht beistehen konnte, obgleich auch ihr Leben massiv bedroht war.
Was danach geschah, kannten sicherlich viele Nußdorfer aus den Nachrichten: eine teuer bezahlte Flucht mithilfe einer skrupellosen Schleuserbande, ständiges Weiterleiten innerhalb der EU-Staaten, Ankunft in Deutschland, Bürokratie, mit viel Geld fehlende Papiere aus der alten Heimat besorgen, neue Heimat in Nußdorf. Hier lernte er die Mitglieder des Helferkreises kennen, die ihm wohlgesonnen waren. Er freute sich, dass er nun mitteilen konnte, dass er ab September einen Arbeitsplatz hat. Sein sehnlichster Wunsch: Frieden!
Sepp Oberauer verurteilte nochmals die Anfeindungen zweier junger Menschen aus Nußdorf gegen die Asylanten. Er bat darum, ihnen eine zweite Chance einzuräumen, wenn sie nach verbüßter Strafe wieder in ihr Dorf zurückkehren sollten.
Seit einiger Zeit beschäftigt sich die Gemeinde mit der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Sendemast, um den immer mehr werdenden Mobilfunkanwendern die ausreichenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Kein leichtes Unterfangen, wie er feststellt: „Niemand möchte gerne so einen Masten vor seiner Haustür haben, weil er fürchtet, dass hier die Funkstrahlen hoch sind, obgleich sie an dieser Stelle am niedrigsten sind.“
Die Haushaltslage entwickele sich 2017 trotz der außerordentlichen Kosten für den Murenabgang im Mühltal recht erfreulich. Bei einem Gesamthaushalt von rund 7,3 Millionen Euro konnten die Schulden um 117000 Euro planmäßig getilgt werden und betragen somit 1,65 Millionen Euro.
Für dieses Jahr erwartet die Gemeinde Einnahmen von 5,3 Millionen Euro, wobei 34 Prozent auf die Einkommensteuer fallen. Der Umbau des Rathauses verlaufe planmäßig. So hofft Oberauer, dass mit einer Fertigstellung Anfang 2019 gerechnet werden kann.
Schleppend hingegen stelle sich die Entwicklung des Hochwasserschutzes am Steinbach dar. Die Baukosten werden auf 3,5 Millionen Euro geschätzt, von denen die Gemeinde rund 30 Prozent zu tragen habe. Nußdorf wartet auf die letzte Genehmigung, dann könnte mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen werden.
Ein Bürger hatte gleich mehrere Anfragen. Eine betrifft die Straßenbeleuchtung zwischen der Turnhalle und dem Dorfanger. Hier sei die Ausleuchtung nicht so, dass Kinder auch bei Dunkelheit diesen Weg alleine begehen können. Sepp Oberauer erklärte, dass hier eine Lampe geplant sei.
Eine weitere Anfrage betraf den barrierefreien Zugang zur Aussegnungshalle und zu den Toilettenanlagen an der Kirche St. Vitus. Dieses Thema sei von ihm schon einmal bei einer Bürgerversammlung angesprochen worden, er habe aber danach nichts mehr davon gehört, so der Nußdorfer. „Die Planung an der Aussegnungshalle war mehrfach Thema in den Gemeinderatssitzungen“, meinte Oberauer. Dabei wurde festgestellt, dass der Boden marode sei.
Nun sei zu prüfen, ob dieser nicht gleich ganz abgesenkt werden könne, womit auch die gewünschte Barrierefreiheit erreicht werde. Derzeit laufen die Kostenermittlungen. Das Thema sei nicht in Vergessenheit geraten, betonte der Rathauschef.