Brannenburg – Wenn man diesen Maßstab anlegt, war das Konzert der Realschule Brannenburg eindeutig „voll der Bringer“. Im Konzertteil ab der Pause, der vor allem der Big Band und der rockigen Schulband gehörte, konnten die Musiker nicht nur im Applaus des ausverkauften Saales baden, sondern hatten auch immer ihre Mitschüler im Blick, die bei Klassikern von Joe Zawinul und Hits von Hubert von Goisern, Alice Merton oder Christina Stürmer ganz und gar mitgingen.
Das hätten sie sicher auch bei den Stücken des Schulchores vor der Pause gemacht, konnten es aber nicht, weil da auch dieses Jahr alles, was laufen kann und eine Stimme hat – Lehrer eingeschlossen –, mit auf der Bühne stand.
Und jedes Jahr wieder ist es ein Erlebnis, wenn die Sänger – während vorn eine kleine Gruppe schon den Rhythmus vorgibt – nacheinander auf die Bühne kommen. Auch diesmal dachte man: Das hört ja überhaupt nicht mehr auf. Natürlich hat auch beim Schulchor der Erfolg mehrere Väter, wenn der Chor eine Einheit ist, ein Klangkörper im besten Sinn und die Lieder, die er singt, gewissermaßen auch noch Selbstläufer sind wie etwa „Englishman in New York“ von Sting, „Viva la Vida“ von Coldplay oder „We are the world“ von Michael Jackson und Lionel Richie, dann ist es kein Wunder, wenn das Publikum jubelt. Hier hat Chorleiterin Andrea Bönning wieder einmal ganze Arbeit geleistet.
Geschickt war sie aber auch bei der „Dramaturgie“ des Abends, für die sie ebenfalls verantwortlich war: Nach einem schwungvollen Auftakt durch das Blasorchester kamen zunächst leisere Töne von Saitenmusik, dem Streichorchester und einem Klaviersolo, gespielt von Marie Böhm, bis dann der Schulchor zum fetzigeren Teil des Abends überleitete. Gerade die leisen Stücke aber zeigten das hohe Niveau des Musiklebens an der Realschule Brannenburg, denn wenn da nur zwei Harfen oder Hackbretter sind und sonst nichts, würde jeder Fehler unbarmherzig deutlich. Nur: Es gab keine. Dieses exakte Spiel fiel auch beim Auftaktmarsch des Blasorchesters unter der Leitung von Andreas Smettan auf. Die zum Teil ja noch ganz jungen Musiker spielten dermaßen gut, dass man richtig froh war, als sie beim „Lion-King“ von Elton John ein ganz klein wenig durcheinander kamen. Da wusste man: Sie sind nicht geklont und es ist auch nicht Playback.
Dass schon die „Kleinen“ vollwertige Orchestermitglieder sind, dass eine fünfte Klasse einen eigenen, tollen Auftritt bekommt, dass das Streichorchester sich sogar Verstärkung aus der Grundschule holt, ist pure Notwendigkeit. Die Realschule muss ihre Talente früh fördern, denn nur allzu bald ist die zehnte Klasse da und sie sind wieder weg.
Das fiel einem besonders bei den Solosängern der Schulband auf, manche Gesichter, die einen letztes Jahr begeisterten, fehlten schon und umso mehr freute man sich, dass Ben Simon, Meike André und Alina Bischof mit ihren Stimmen noch dabei waren. Allerdings – und das ist wiederum das Schöne – es wachsen ja immer wieder Talente nach, wie Sebastian Wax und Marinus Bauer. Außerdem kommt es ab und zu vor, dass Schüler derart begeistert sind, dass sie auch über die Schulzeit hinaus zusammen musizieren. So geschehen auch bei der Saitenmusik. Maria Echtler, Christina Friedl, Aylin Huber, Elisabeth Kriechbaumer und Franziska Zschocke, die jetzt in die zehnte Klasse gehen, haben sich zu den Dientzenhofer Dirndln zusammengeschlossen. Betreut werden sie zumindest ein Jahr lang noch von Alois Plomer, der nicht nur der stellvertretende Schulleiter ist, sondern den man wohl ungestraft als „graue Eminenz“ hinter dem ganzen Musikleben der Realschule bezeichnen kann.
Erste Buchungen haben sie schon – zum Beispiel in der Staatskanzlei in München!