Lisa Obermeier ist mit 18 Jahren Vorsitzende der Feuerwehr Eggstätt

Feuer und Flamme für den Verein

von Redaktion

Sie brennt für ihr Ehrenamt – und hilft dabei Menschen, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig wird. Doch die 18-jährige Lisa Obermeier ist nicht nur begeistertes, aktives Mitglied der Feuerwehr Eggstätt, sondern jüngst auch zur Vorsitzenden des 300 Mitglieder starken Vereins gewählt worden.

Eggstätt – Während andere junge Erwachsene im Alter von 18 Jahren noch über ihren beruflichen und privaten Lebensweg nachgrübeln, hat Lisa Obermeier aus Eggstätt bereits zahlreiche Weichen für ihre Zukunft gestellt. Nicht nur beruflich durch ihre Ausbildung zur Kinderpflegerin, die die zierliche Frau mit den brünetten Haaren vor wenigen Monaten begonnen hat. Auch im Vereinsleben hat sich die 18-Jährige bereits klar positioniert: als Vorsitzende der Feuerwehr Eggstätt.

Anfang April war es für die Eggstätterin so weit: Fast einstimmig wurde sie auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr zur Nachfolgerin von Ludwig Wörndl gewählt, der jahrelang den Vorsitz des Vereins innehatte (wir berichteten). „Vielleicht zwei Tage“ habe sie überlegt, als die Kommandanten wenige Wochen vor der Versammlung auf sie zugetreten waren und anfragten, ob sie sich vorstellen könne, den Verein zu führen.

Doch bevor die junge Frau letztendlich ihren Hut in den Ring warf, richtete sie an die bis dato Verantwortlichen eine Bitte, die mehr nach einer klaren Forderung klang: „Ich habe gesagt, dass ich es nur mache, wenn die Erfahrenen uns Jüngeren weiterhin beratend zur Seite stehen.“ Eine Forderung, die bislang erfüllt worden ist, wie die junge Vorsitzende betont: „Wir können uns einfach darauf verlassen, dass immer jemand ansprechbar ist, der über jahrzehntelange Erfahrung verfügt.“

Obermeier selbst war erst vor rund vier Jahren der Feuerwehr beigetreten – und ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der aktiven Mannschaft, die aus 60 Mitgliedern besteht. Ein Engagement, das die 18-Jährige, deren hellblaue Augen beim Gespräch über die Arbeit bei der Feuerwehr sofort zu strahlen beginnen, keine Sekunde bereut. „Es ist einfach toll, nicht nur anderen Menschen zu helfen, sondern auch den Zusammenhalt in unserer Gruppe zu erleben.“

Führungsrolle auch

in der Beziehung

Für die Eggstätterin hatte die Mitgliedschaft aber noch einen weiteren positiven Nebeneffekt – und zwar für ihr Privatleben. Denn bei der Feuerwehr lernte sie den jungen Zweiten Kommandanten Sebastian Weber junior kennen, der mittlerweile nicht nur zu einem guten Kumpel, sondern auch ihr Freund geworden ist. Und mit dem sie „so gut wie“ zusammenwohnt, wie Obermeier verrät.

Dass die beiden daheim nur über Feuerwehrangelegenheiten sprechen, ist aber laut Obermeier völlig falsch. „Wir reden privat eigentlich kaum über dieses Thema, außer wenn mal aktuelle Sachen anstehen“, sagt die 18-Jährige, die auch nicht glaubt, dass etwaige Meinungsverschiedenheiten zu schwierigeren Konflikten führen könnten. „Die Kompetenzen sind klar geregelt: Wenn es um Einsätze geht, haben die Kommandanten das Sagen. Wenn es um Vereinsdinge geht, dann die Vorstandschaft.“ Und in der Beziehung? Die 18-Jährige überlegt kurz, ehe sie mit einem Lächeln auf den Lippen zugibt: „Ich glaube, ich.“

Beste Voraussetzungen also, um auch dem Verein – trotz ihres jungen Alters – ihren Stempel aufzudrücken. Selbstverständlich hätten auch einige altgediente Feuerwehrler ihre Wahl zur Vereinsvorsitzenden skeptisch gesehen, doch „die meisten haben mich sofort unterstützt“. Auch seitens ihrer Eltern habe sie Unterstützung erfahren, wenngleich ihre Mama zunächst gedacht habe, „dass ich einen Scherz mache“. Doch nun ist Mama Obermeier ebenso stolz wie ihr Papa, den sie mittlerweile sogar zum Eintritt in die Feuerwehr Eggstätt bewegen konnte. Der jüngere Bruder (10) könnte in ein paar Jahren folgen, nur ihrer älterer Bruder, der 24 Jahre alt ist, scheint dem Vereinsleben bei der Feuerwehr nichts abgewinnen zu können. Was Lisa Obermeier bedauert: „Ich glaube, dass das mit ihm sehr gut funktionieren würde.“

Funktionieren soll unter Obermeiers Führung jedenfalls das Leben innerhalb des Vereins. Wobei aktuell keine großen Projekte anstehen, „was mir den Einstieg natürlich erleichtert hat“. Doch bereits zum Ende ihrer dreijährigen Amtszeit 2021 stehen der heute 18-Jährigen und ihrer Führungsriege arbeitsintensive Zeiten bevor. Denn dann wird die heiße Vorbereitungsphase für die 150-Jahr-Feier der Eggstätter Feuerwehr im Jahr 2022 beginnen. Ein Jubiläum, das Obermeier gerne auch als Vorsitzende feiern will. „Natürlich kann ich mir vorstellen, auch eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen“, sagt die 18-Jährige selbstbewusst.

Abschalten

beim Ausritt

Auch wenn sie weiß, dass dadurch für andere Hobbys kaum mehr Zeit bleibt. „Bislang ist die Aufgabe aber noch nicht so arbeitsintensiv, wie ich befürchtet habe“, sagt Obermeier, die sich neben ihrer Tätigkeit bei der Feuerwehr auch noch bei der First-Responder-Gruppe Chiemgau Nord sowie in der Eggstätter Pfarrgemeinde engagiert. Bleibt dann noch Zeit, versucht sie bei einem Ausritt durch die heimischen Gefilde abzuschalten und den Kopf frei zu kriegen.

Und wie stellt sich die junge Frau, die bereits jetzt große Verantwortung trägt, ihre Zukunft vor? „Natürlich möchte ich mal Familie und Kinder haben“, sagt die 18-Jährige und lacht. „Aber das hat ja noch viel Zeit.“ Derzeit ist sie einfach in erster Linie Feuer und Flamme für ihre Feuerwehrfamilie.

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