Trassenvarianten durchs Inntal

Platter will Bayern Beine machen

von Redaktion

Wenn überhaupt, dann nur als Tunnellösung: So könnte man die aktuellen Reaktionen aus Verbänden und der lokalen Politik zu den Trassenvarianten Brenner-Nordzulauf auf einen kurzen Nenner bringen.

Kufstein/Rosenheim – Eine Variante könnte sich als möglicher „Königsweg“ herauskristallisieren: Die Verlegung der Trasse unter die Autobahn. So werde am wenigsten Fläche verbraucht und vor allem die Landschaft nicht zerschnitten. Denn wie soll ein Landwirt auf die andere Seite seines Feldes gelangen, wenn die Trasse durchläuft. Da müsse er weite Umwege in Kauf nehmen.

Dass diese „Autobahn“-Lösung eine Menge Ärger beim Bau der Trasse bringen dürfte, ist klar. Für ordentlich Kopfzerbrechen bei Haushalts-Politikern dürften die Kosten dieser Variante sorgen.

Nach wie vor umstritten sind die prognostizierten Zugzahlen, die künftig über den Brenner fahren werden. Während die einen von hohen Zuwachsraten im Güter- und Personentransport ausgehen, sehen die anderen eher eine Reduzierung. Denn auch andere Alpenquerungen bieten sich an. Bei den Gütertransporten von Deutschland nach Italien rechnet die IHK bis 2030 mit einem Anstieg von 66 Prozent.

Ein weiteres höchst umstrittenes Thema ist die Maut und die immer wieder geforderte Alpentransitbörse. Der Gedanke dahinter: Die Lkw-Fahrt über den Brenner so teuer wie möglich zu machen beziehungsweise sich wie an einer Börse „Scheine“ zu ersteigern. Nur so komme der Güterverkehr von der Straße auf die Schiene.

Ziemlich ungehalten äußerte sich jüngst Günther Platter, Landeshauptmann in Tirol. Er will Bayern Beine machen: „2038 will die Deutsche Bahn mit der neuen Bahntrasse fertig sein – frühestens. Das wäre ganze zehn Jahre nach der Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels. Eine ernüchternde Erkenntnis.“

Die FPÖ fordert, dass die Zulaufstrecke zeitgleich mit dem Brennerbasistunnel fertig werden müsse. FPÖ-Obmann Markus Abwerzger meint: „Bayern muss sich der Verantwortung stellen.“

Auch IHK-Vizepräsident für München und Oberbayern, Georg Dettendorfer, will keine Verzögerungen bei der Trassenauswahl mehr. Er erinnert an die europäische Dimension des Nordzulaufs: „Der Ausbau der Brennerstrecke ist Teil eines gesamteuropäischen Nord-Süd-Korridors. Deutschland hat sich schon 1994 zum Bau der Zulaufstrecken verpflichtet. Nun ist es höchste Eisenbahn, dass die Politik dieser Verpflichtung endlich auch nachkommt.“

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