Interview mit Felix Marker

„Neubau wird zum Präzedenzfall“

von Redaktion

Der Brannenburger Marker ist Sprecher einer Gruppe engagierter Bürger gegen Abriss der Windisch-Villa

Brannenburg – Inzwischen schlagen die Wellen hoch, wenn es um die sogenannte Windisch-Villa in Brannenburg-Degerndorf geht. Vor allem die Nachbarn formieren sich gegen den geplanten Abriss und Neubau von vier Mehrfamilienhäusern. Nach einem Interview mit dem Verkaufsleiter der Firma Chiemgau-Residenzen, Alexander Hoh, erläutert nun Felix Marker (60), ein direkter Nachbar, seine Sicht der Dinge. Er ist ein Sprecher einer Gruppe engagierter Bürger und fürchtet einen Präzedenzfall, sollte es wirklich zum Bau kommen.

Welche Aussagen des Unternehmens Chiemgau-Residenzen kritisieren Sie? Hält es sich nicht an die Vorgaben aus den Gemeinderatsbeschlüssen?

Die Aussage der Chiemgau-Residenzen, mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern ein idyllisches Wohngefühl zu fördern, ist grotesk. Rund um das Grundstück des ehemaligen Priesterheimes stehen Ein- und Zweifamilienhäuser. Das von Alexander Hoh im OVB-Interview genannte Mehrfamilienhaus konnte ich leider nicht finden. Die Erwartung, dass in 28 Wohnungen nur 48 Personen einziehen werden, ist mehr als blauäugig. Bei nur drei Bewohnern je Wohnung würde das schon 84 Personen ergeben.

Da in der heutigen Zeit fast jeder ein eigenes Auto besitzt, von Firmenwägen, Motorrädern und Wohnmobilen ganz zu schweigen, müssten die Tiefgarage und die vorgesehenen Stellplätze deutlich erhöht ausgewiesen werden. Ansonsten wird auf den Nebenstraßen geparkt. Dadurch werden auf den engen und für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen nicht ausgebauten Straßen Rettungswege blockiert.

Das Gebiet um die Weidacher-, Hofmiller- und Ganghoferstraße ist von Schulkindern stark frequentiert. Das zu erwartende Verkehrsaufkommen wäre ein erhöhter Gefahrenpunkt für die Schüler.

Die Darstellung von Verkaufsleiter Alexander Hoh, beim Ausbau des Altbestandes würden 100 Appartements entstehen, erschließt sich mir nicht. Bisher wurden 28 Einzelzimmer und 13 Doppelzimmer vom Sudetendeutschen Priesterwerk vermietet. Wo die zusätzlichen 59 Zimmer entstehen sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Auch die Ankündigung, man werde das Haus an eine Spedition vermieten, damit diese ihre osteuropäischen Lkw-Fahrer übernachten lassen kann, falls die Baupläne nicht genehmigt werden, ist unseriös.

Wie stehen andere Anlieger zu dem Bauvorhaben?

Es gibt Anlieger, die dem Bauvorhaben zugestimmt haben, obwohl diese nach dem ersten Bekanntwerden des Bauvorhabens eine Unterschriftenaktion gegen das Bauvorhaben gestartet haben und auch in einer Bürgerversammlung sich gegen den Bau der Wohnanlage ausgesprochen haben.

Andere Anlieger, welche sich nach dem ersten Gespräch gegen das Bauvorhaben ausgesprochen haben, wurden dagegen ignoriert und bekamen auch keine Einsicht in den Bauplan durch die Chiemgau-Residenzen. Auf dem Bauplan wurde von 13direkten Nachbarn ein Anlieger „vergessen“, welcher dem Bauplan nicht zugestimmt hätte. Mit diesem direkten Nachbarn wären sechs Anlieger für und sieben Anlieger gegen die Bebauung gewesen. Hier von einer Mehrzahl der direkten Nachbarn zu sprechen, welche schriftlich zugestimmt haben, entspricht jeder mathematischen Grundregel.

Durch die Änderung des Bebauungsplanes kann der Bau weiterer Mehrfamilienhäuser nicht mehr abgelehnt werden und wird zum Präzedenzfall. Der Ortsteil Weidach verliert endgültig sein idyllisches Wohngefühl.

Was hätten Sie sich gewünscht?

Wir wünschen uns, dass die Bebauung – wie im Baugesetzbuch vorgegeben – sich in die Umgebung einfügen muss. Dies kann bei einem mit Ein- und Zweifamilienhäusern geprägten Wohngebiet nicht der Bau von vier Mehrfamilienhäusern sein. Alle Anlieger haben nach diesen Vorschriften ihr Ein- oder Zweifamilienhaus errichtet. Hier wurde durch die Gemeinde mit Recht penibel darauf geachtet, dass dies von allen eingehalten wird. Deshalb soll sich auch ein ortsfremder Bauträger an den Paragrafen 34 der Bayerischen Bauordnung halten müssen. Der Wunsch der Mehrheit der Bürger, also der Bürgerwille, sollte berücksichtigt werden und nicht das Gewinnstreben eines Investors.

Wenn das historische Haus von 1929 erhalten werden könnte und auf dem Restgrundstück nur Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut werden, würde durch den Investor ganz bestimmt ein idyllisches Wohngefühl bei den Anwohnern und auch bei den Bürgern von Brannenburg gefördert werden.

Interview: Sigrid Knothe

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