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Baugebiet Mühlstätt sorgt für Ärger

von Redaktion

Etwas überrascht und teils verärgert zeigten sich Schechener Gemeinderäte bei der jüngsten Sitzung, als es um den Tagesordnungspunkt „Bebauungsplanverfahren Mühlstätt Süd, ehemalige Gärtnerei“ ging. Dort, auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Wittmann an der Wiedener Straße, soll ein Baugebiet entstehen.

Schechen – Neben Geschosswohnungen sind Doppelhäuser und Einfamilienhäuser vorgesehen, außerdem unter anderem ein Dorfplatz, ein Spielplatz, eine Spielwiese, Stellplätze und Tiefgaragen. Der Planungsentwurf lag nun öffentlich aus; Behörden und Träger öffentlicher Belange nahmen dazu Stellung. Dabei erreichten unerwartet viele Schreiben aus der Bevölkerung die Gemeinde.

„Ich bin geborener Mühlstätter, und mit mir hat kein Einziger ernsthaft das Gespräch dazu gesucht“, wunderte sich Andreas Rausch (CSU). Er fühle sich daher etwas „vor den Kopf gestoßen“ angesichts der vielen Einwendungen. Diese wurden – wie üblich – einzeln verlesen und abgewägt. Keine davon gab jedoch rechtlich eine notwendige Änderung im Planungsentwurf her, sodass der Gemeinderat am Ende einstimmig den Satzungsbeschluss fasste.

Einer der Kritikpunkte bezog sich auf das Niederschlagswasser. Einige Anwohner befürchteten Überschwemmungen ihrer Anwesen oder landwirtschaftlichen Flächen. Bei Starkregen würde schon jetzt der dortige Bach „Gießen“ regelmäßig überlaufen. Auch Georg Schollerer vom Planungsbüro Roplan bescheinigte „nicht einfache Verhältnisse“. Man habe einen hohen Grundwasserstand und die Gießen sei hydraulisch nur wenig leistungsfähig. Allerdings gehe er davon aus, dass der Baugrund aufnahmefähig sei. Er riet zu flachen Versickerungsgruben oder Mulden sowie Rückhaltebecken für den Bach. „Technisch ist das in den Griff zu bekommen“, sagte er.

Für die Schechener Verwaltung betonte Karl-Heinz Salzborn, dass man das Gelände – bisher durch Gewächshäuser komplett verbaut – entsiegele und die bisher verrohrte Gießen öffne. Unter anderem dadurch ergäben sich Niederschlagswasserrückhaltemöglichkeiten. Grundsätzlich gehe man von einer Verbesserung der Situation aus. Man habe die Thematik auch mit dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt. Außerdem werde es ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren geben.

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass man ein Wohn- und kein Mischgebiet ausweise. Anwohner befürchteten Konflikte, wenn sich die neuen Einwohner durch Lärm aus landwirtschaftlichen oder handwerklichen Betrieben gestört fühlten. Hier erklärte Salzborn, dass die Gemeinde anhand der Anfragen einen höheren Bedarf an Wohnraum verzeichne als an Gewerbegrundstücken. Für die Ansiedelung von Gewerbebetrieben will man aber in Zukunft in einem anderen Ortsteil Überlegungen anstellen. Bürgermeister Hans Holzmeier betonte außerdem, dass die Anforderungen an baulichen Maßnahmen bezüglich des Lärmschutzes bei einem Wohngebiet viel höher seien. Es gebe auch eine schalltechnische Untersuchung, nach der Schallschutzmaßnahmen in die Festsetzungen der Neubauten eingearbeitet wurden. „Die erforderliche Rücksichtnahme zu den Bestandsgewerben ist daher gewahrt“, hieß es von der Verwaltung.

Ein anderer Kritikpunkt, der in mehreren Schreiben auftauchte, bezog sich auf die Zahl der Wohneinheiten. Man befürchte, dass sich das Bild Mühlstätts durch einen quasi neuen Ortsteil verändere und bemängelte den „Zuzug fremder Menschen“. Der Bedarf an einer solchen Menge an Wohnungen wurde bezweifelt. Hier wurden einige Gemeinderäte deutlich. Georg Baumann (CSU) betonte: „Wir hätten auch viel mehr Einheiten reinpressen können.“ Doch man habe darauf geachtet, dass es harmonisch aussieht. Bürgermeister Holzmeier machte klar: „Baugrund ist so etwas von knapp.“ Das Gelände der ehemaligen Gärtnerei sei ein „Glücksfall für die Gemeinde“, weil man hier eine versiegelte Fläche städtebaulich überplanen konnte. Man habe auf einen möglichst niedrigen Flächenverbrauch geachtet. Positiv sei auch, dass man bezahlbare Grundstücke im Einheimischen-Modell anbieten könne. „Eine ausschließliche Bevorzugung ortsansässiger Bevölkerung wäre rechtlich unzulässig“, so die Abwägung der Verwaltung. Auch den Kritikpunkt der Gewinnmaximierung wies der Bürgermeister scharf von sich. „Ich finde es schon fast eine Bösartigkeit, was hier für Gerüchte erzählt werden.“ Es gehe der Gemeinde nicht darum, die Gärtnerei zu retten – diese gebe es nicht mehr, was schlimm genug für die Familie Wittmann sei. „Doch dass das Vorhaben nur schlecht geredet wird und man uns Sachen unterstellt wie Gewinnmaximierung, dafür habe ich kein Verständnis!“

Das sah der Gemeinderat ähnlich. Insofern wurden auch weitere Kritikpunkte ohne eine Änderung des Satzungsentwurfes abgewägt. Vonseiten der Behörden übrigens gingen nur formale Anmerkungen bei der Gemeinde ein, die ebenfalls keine inhaltlichen Änderungen des Satzungsentwurfes erforderten.

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