Kiefersfelden – Die Ausstellung wird reich bebildert und mit Nachbauten von Bühnen- und Lichtelementen präsentiert. Zusätzlich gibt es – als Verbindung zum aktuellen Thema des Museumsnetzwerk Rosenheim – „Heimat 1918“, Geschichten zum Wiederaufleben des örtlichen Theaterspiels nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.
Das Theaterspiel des Volkstheaters Ritterschauspiele Kiefersfelden hat den Menschen im Ort geholfen, ihre Verzweiflung über die Folgen des schrecklichen Ersten Weltkrieges wenigstens etwas vergessen zu können. 1914 konnte das Ritterschauspiel „Mathilde von Arlstein“ nur einmal, Ende Juli, aufgeführt werden, weil durch Mobilmachung Anfang August zahlreiche Darsteller in den Weltkrieg ziehen mussten.
In der Sonderausstellung im Blaahaus Museum Kiefersfelden wird die Geschichte rund um die sechsjährige Unterbrechung des Theaterspiels durch den Ersten Weltkrieg unter dem Titel „Heimat 1918“ dargestellt. Dieses landkreisweite Ausstellungsthema des Museumsnetzwerkes Rosenheim gibt es ab Juli bis Mai des nächsten Jahres in 14 kulturellen Einrichtungen des Landkreises in verschiedensten Facetten zu sehen.
In Kiefersfelden lässt sich „Heimat 1918“ wunderbar mit dem 400. Jubiläum des Volkstheaters Ritterschauspiele Kiefersfelden verbinden. 1918 war das älteste Dorftheater Deutschland 300 Jahre alt und an Theaterspielen war wegen der Kriegswirren nicht zu denken. Aber als der damalige Spielleiter Martin Tiefenthaler 1920 aus französischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, ließ er die alljährliche Spieltradition wieder aufleben. Das wegen des Kriegsausbruchs 1914 abgebrochene Ritterdrama „Mathilde von Arlstein“ konnte so nach sechs Jahren wieder aufgeführt werden. Die Menschen in und um Kiefersfelden erlebten dankbar, dass, nach langen Jahren des Schreckens, der Verluste und Entbehrungen, das Leben wieder weitergeht. Die Dorfgemeinschaft war wieder erstarkt und verbreitete mit seinen kulturellen Werten des Theaterspiels neue Zuversicht.
Eine wunderbare Verbindung zum Jubiläumsthema der aktuellen Sonderausstellung des Blaahaus Museums Kiefersfelden. Denn die 400-jährige Geschichte des Volkstheaters Ritterschauspiele Kiefersfelden wurde natürlich von den Menschen geprägt, die jahrhundertelang in Kiefersfelden neben der harten Arbeit das Theaterspiel pflegten: Die Eisenwerker, Marmorschleifer und Zementarbeiter.
In den ersten 200 Jahren nur mit Bibelspielen, Heiligen- und Parabelstücken und ab 1833 mit Ritterschauspielen. Die werden bis heute auf der barocken Drehkulissenbühne aufgeführt. Von dieser sind jetzt im Blaahaus Museum Nachbauten ausgestellt, welche die Zweidimensionalität der Bühne mit ihren Dreh- und Wechselkulissen, Zwischenvorhängen und Schiebekulissen lebendig werden lassen.
Die historische Bühne sorgt für schnelle Kulissenwechsel bei den vielen Szenen der Ritterdramen. Anschaulich dargestellt wird auch die Veränderung der historischen Beleuchtung mit ihren vielen kleinen Lichtquellen – zuerst mit Kerzen, später mit Öllampen oder Gaslicht. Seit der Elektrifizierung sorgen im Kiefersfeldener Theaterhaus 500 Glühbirnen für historisch lebendiges Licht.
Ergänzt wird die Jubiläumsausstellung zum Volkstheater durch Bildergalerien herausragender ehemaliger Darsteller der Ritterschauspiele, durch historische Kostüme und Pläne der Theaterbauten in Kiefersfelden. Ausstellungseröffnung im Blaahaus Museum Kiefersfelden ist am heutigen Samstag um 17 Uhr.