Wasserburg/Amerang/Rott – „An alten Autos ist halt immer was“, sagt Ernst Trinkl, einer der Organisatoren des Oldtimer-Events, „bei einem Jaguar E-Type ist gerade ein Wasserschlauch geplatzt.“ Der ADAC sei schon informiert, der Fahrer müsse nicht lange auf Hilfe warten. Die gute Laune wird durch die kleine Panne nicht getrübt, es herrscht Cabrio-Wetter für die knapp 90 Teilnehmer der Ausfahrt des „Allgemeinen Schnauferl-Clubs“ (ASC), Landesgruppe Südbayern. Nach eigenen Angaben der älteste Oldtimerclub Deutschlands.
Am Samstagvormittag geht es mit einer Ehrenrunde in der Wasserburger Altstadt los, dann weiter nach Amerang und Rott am Inn. Am frühen Nachmittag wird Halt gemacht in der Anlage des Pfaffinger Golfclubs, dort sind sie auf dem Grün zu bewundern, die alten, edlen Karossen. Blech ist eben nicht gleich Blech: Wer einen Mercedes des Baujahrs 1951 mit außen montierten Scheinwerfern und schwungvollen Kotflügeln anschaut, weiß, welch eleganten Formen es annehmen kann. Wie langweilig und schmucklos dagegen heutige Modelle.
Der Fahrer des amerikanischen Auburn, Baujahr 1932, zwölf Zylinder, 7,2 Liter, freut sich, dass sein Auto immer noch läuft, mag die Lenkung auch etwas schwergängig sein. An diesem Tag bekommt er Komplimente: „Ich habe gehört, dass ich eines der schönsten Fahrzeuge habe.“ Wirklich, ein echtes Prachtmobil. Aus dem Jahr 1937 stammt der Mercedes 170 V Roadster, ebenfalls eine Augenweide. Und sonst: Insgesamt sind 43 Autos unter anderem der Marken Mercedes, BMW, Jaguar und Porsche zu bestaunen, auch ein paar Exoten, ein französischer Facel Vega 3 Cabrio beispielsweise. Das älteste Fahrzeug ist ein Ford A, Baujahr 1929. Und wie fährt es sich mit einem Fahrzeug, das schon vor dem Krieg gebaut wurde? „Wenn Sie bremsen, müssen Sie sich das lange vorher überlegen“, sagt Trinkl. „Manche Oldtimer haben Seilzugbremsen mit einer Verzögerung, dass es eine wahre Freude ist.“ Und die kleinen Scheibenwischer seien den Sturzfluten, wie sie letzte Woche in Wasserburg niedergingen, nicht gewachsen.
Im Café der Golfanlage wird gefachsimpelt, Erinnerungen wurden ausgetauscht. Andrea Jünger, Frau des ASC-Vizepräsidenten Heiner Jünger, deutet auf einen roten Porsche 356: „Mit einem solchen Typ ist James Dean 1955 verunglückt.“
„Wenn Sie bremsen, müssen Sie sich das lange vorher überlegen.“ Ernst Trinkl
Die Ausfahrt ist sorgsam vorbereitet, in einem aufwendig gestalteten Roadbook ist die Strecke minutiös dargestellt, lange Monate hat Heiner Jünger dafür gearbeitet. Andrea Jünger steht ihrem Mann zur Seite, sorgt dafür, dass die Fahrer ihre Prüfungen korrekt ablegen. Dazu gehört eine Geschicklichkeitsübung, eine Gewichts- und eine Reifendruckkontrolle. Zum zwölfköpfigen Helferteam gehört auch die bekannte Basketball-Spielerin Rebecca Thoresen. Der Blick auf die Teilnehmerliste verrät aber: Oldtimer sind hauptsächlich Männersache.