Bad Feilnbach/Altlandkreis – Die Gemeinde Bad Feilnbach ist beim Brenner-Nordzulauf – gemäß den aktuellen Grobplanungen bei der Trassenfindung – mit dem Moorgebiet zwischen Raubling und der Kommune am Fuße des Wendelsteins betroffen (wir berichteten).
Bad Feilnbachs Bürgermeister sagte dazu in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung: „Eine der Grobtrassen verläuft am nördlichen Teil des Gemeindegebietes Bad Feilnbach. Die Trasse würde einen massiven Eingriff in unsere Landschaft und unsere Naturschutzgebiete bei Bad Feilnbach und Au darstellen.“
Wichtige touristische Bereiche, wie Sterntaler Filze und das Auer Weitmoos, würden stark beeinträchtigt werden. Außerdem: Die Reithofparkklinik, der Kaiser-Camping und die Ortschaft Wiechs würde überdies großen Lärmkulissen ausgesetzt werden. „Die Eulenau, wo künftig ein Gewerbegebiet entstehen soll, würde von der Trasse durchschnitten werden. Große landwirtschaftliche Flächen stünden für eine Bewirtschaftung nicht mehr zur Verfügung“, so Wallner. Mit Vorlage der Entwürfe für die Grobtrassen könnten sich die Gemeinden positionieren. „Der weitere Verlauf kann nun in den Gemeindeforen konkret diskutiert werden. Für die Bürger sind die Grobentwürfe eine wichtige Information über den aktuellen Planungsstand“, betonte der Rathauschef. Und weiter: „Die Gemeinde Bad Feilnbach und die Bürgerschaft sind nun aufgefordert, ihre Interessen und Bedürfnisse vorzubringen.“
Eines legt Wallner klipp und klar dar: „Den Trassenverlauf durch unsere Kommune lehne ich komplett ab. Ich rechne damit, dass sich der Widerstand der Bürger in nächster Zeit verstärken wird.“
Mit dieser Stellungnahme stößt er bei der Interessengemeinschaft Bad Feilnbach contra den Korridorbereich Bad Feilnbach auf offene Ohren. Deren Sprecher Josef Riedl und Sebastian Obermaier kritisierten – wie berichtet – schon im Dezember 2016: „Diese Variante ist absolut absurd und wäre bei Bau eine Umwelt- und Naturzerstörung in höchstem Grade.“ Statt sich vorrangig an der Bestandsstrecke und den Vorgaben des Bundesverkehrswegeplans zu orientieren, würden die Pläne für diese Neubaustrecke durch die Gemeinde Bad Feilnbach extremste Tier- und Pflanzenvernichtung mit sich bringen.
Der Korridorbereich verlaufe entlang von und teilweise durch FFH- und Naturschutzgebiete. Dabei handelt es sich um das Moorgebiet zwischen Bad Feilnbach, Raubling und Bad Aibling. Es ist einer der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands. Europaweite Bedeutung erlangt das Gebiet aufgrund der Größe, der relativen Naturnähe, der engen Verzahnung bedrohter Feuchtlebensräume und des Vorkommens besonderer Tier- und Pflanzenarten wie Schwarzstorch und Sperlingskauz, die naturschutzfachlich von Bedeutung sind.
Obermaier hob hervor, dass sich für das Jahrhundertbauwerk nur die kürzeste Strecke langfristig lohne. „Ein möglichst geringer Energieverbrauch und möglichst viele Untertunnelungen sind zu berücksichtigen.“
Die Deutsche Bahn hingegen plant und wird nach Genehmigung den Zulauf im Auftrag der Deutschen Regierung bauen. „Die Strecke verändert den Verkehr im Alpenraum. Auch auf den Zulaufstrecken in Deutschland und Österreich. Wir planen und bauen die Zukunft des transalpinen Eisenbahnverkehrs“, so Franz Lindemair, DB-Sprecher Großprojekte Süd, gegenüber unserer Zeitung. Nur so komme der Verkehr auf die Schiene.
DB und ÖBB planen gemeinsam die nördliche Zulaufstrecke in der Grenzregion. Von der bisherigen Grobplanung würde es nun Schritt für Schritt in die Details gehen. „Die Bürger, das haben wir bei den bisherigen Infoveranstaltungen schon gemerkt, sind gut informiert“, so Lindemair. Ihm zufolge erfasst der Streckenplaner zunächst gesamtheitlich den Projektraum. Daraus ergeben sich erste Korridore und Entwürfe von Grobtrassen, welche jetzt an den Ständen vorliegen. „Diese werden in den Gremien ausführlich diskutiert, ergänzt und verändert. Ein gemeinsam erstellter Kriterienkatalog ermöglicht die objektive Bewertung aller Vorschläge“, so Lindemair.
Die Einbindung der Gemeindeforen und die Bewertung der Experten führten dann zu einem objektiven Beurteilungssystem. „In einem Katalog werden Kriterien und messbare Indikatoren festgelegt. Sie zeigen die Erwartungen der Region an die Planung. Der Kriterienkatalog dient als zentrale Bewertungsgrundlage für die späteren Trassen“, so der DB-Sprecher.
Er und die Projektverantwortlichen sehen sich durch die jüngst erfolgte Forsa-Umfrage bestätigt. Zeige diese doch eine große Mehrheit für eine neue Bahnstrecke im Inntal. „78 Prozent der Befragten wollen neue Schienen und weniger Verkehr auf der Autobahn.“ Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat von Mai bis Mitte Juni einen repräsentativen Querschnitt der Menschen im Projektgebiet rund um Rosenheim und im bayerischen sowie angrenzenden Tiroler Inntal befragt.