Vogtareuth/Nußdorf/Stephanskirchen – In Vogtareuth gibt es seit 27 Jahren eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Sorède. Walter Neugebauer (61) ist der Vorsitzende des rührigen Vereins, der sich offiziell alle vier Jahre auf die Reise nach Südfrankreich macht – und sich inoffiziell auch zwischendrin immer wieder mit seinen französischen Freunden trifft.
„Als wir 2015 bei unserem letzten Besuch in Sorède waren, da waren wir Deutschen gerade Weltmeister. Jetzt wäre es natürlich super, wenn bei unserer nächsten Reise nach Frankreich die Franzosen die amtierenden Weltmeister wären. Ich drücke jedenfalls beim Endspiel am Sonntag gegen Kroatien den Franzosen ganz fest die Daumen“, kündigt er hoffnungsfroh an. Er würde sich riesig freuen, bei seinem nächsten Besuch in Frankreich zum Weltmeistertitel gratulieren zu können.
Heidi Rothbucher und ihr Mann, der Maler Gerd Ruhland, leben und arbeiten in Haidholzen in der Gemeinde Stephanskirchen und haben beruflich wie privat mit Frankreich zu tun. Mehrere Monate im Jahr verbringt der Künstler zwischen Atlantik und Mittelmeer auf französischem Boden. Da lernt man Land und Leute näher kennen und schätzen. Die Eheleute lieben die Unterschiede zwischen „typisch deutsch“ und „typisch französisch“ und haben gleich ein paar Beispiele zur Hand: „Wenn es bei uns ‚muss‘ heißt, dann sagt der Franzose ‚kann‘; wenn der Deutsche nach Vorschrift handelt, setzt der Franzose auf Nachsicht“, erklären sie einstimmig.
Auch wenn sie keine wahren Fußballprofis sind, wie sie freimütig zugeben, werden sie doch am Sonntag das Endspiel anschauen. „Mit dem Herzen sind wir dabei“, verraten sie. Bei einem guten Glas Wein wollen sie ihre Freunde zumindest mental unterstützen.
Auch Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer drückt die Daumen für den französischen Kader. „Seitdem Deutschland ausgeschieden ist, halte ich selbstverständlich zu unseren französischen Freunden“, sagt Sepp Oberauer ganz begeistert, denn Nußdorf unterhält seit über 40 Jahren eine Gemeindepartnerschaft zum kleinen Weinort Camblanes-et-Meynac in der Nähe von Bordeaux, und außerdem sei die „Équipe Tricolore“ eine der erfolgreichsten Nationalmannschaften im Fußball.
Daumendrücken hat schon mal geholfen
„Wir hatten bei der Weltmeisterschaft 1998 schon einmal eine ähnliche Konstellation, damals stand der WM-Gastgeber Frankreich ebenfalls im Endspiel. Da hat das Daumendrücken geholfen, denn die Franzosen gingen seinerzeit als Sieger vom Platz“, erinnert sich der Nußdorfer Rathauschef.
Auch im Jahr 1998 hatte sich die deutsche Mannschaft schon recht frühzeitig aus dem Turnier verabschiedet, erinnert er sich. Am Tag des Endspiels war zufällig eine französische Delegation zu Besuch in Nußdorf und man konnte sich das Spiel gemeinsam anschauen.
Doch Oberauer ist sich sicher: Auch ohne französische Gäste wird es am Sonntag in Nußdorf bei vielen Familien heißen „Vive la France!“ stv/pm