Riedering – Die Scheiben sind zerplatzt, die Polsterung ist verkohlt und großflächige schwarze Brandflecken haben dem roten Lack zugesetzt: Das Löschfahrzeug, das bislang der ganze Stolz der Riederinger Ortsteil-Feuerwehr Neukirchen war, hat nur noch Schrottwert. Ein Schwelbrand im Feuerwehrhaus in Siegharting hat in der Nacht auf Donnerstag am Fahrzeug, an der Ausrüstung sowie am Gebäude nach ersten Schätzungen der Polizei rund 300000 Euro Schaden verursacht. Wann die Neukirchener Wehr nach dem Unglück wieder einsatzbereit ist und weshalb er voll des Lobes für die Nachbarwehren im Kreis ist, hat Kommandant Georg Lindner (29) im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen verraten.
Wie tief sitzt bei Ihnen noch der Schock über den Brand im Feuerwehrhaus?
Noch sehr tief. Wir müssen aber jetzt nach vorne schauen und dafür sorgen, dass wir so schnell wie möglich wieder einsatzfähig sind.
Sie haben ein Löschfahrzeug aus Kolbermoor als Ersatz zur Verfügung gestellt bekommen. Was fehlt noch zur Einsatzfähigkeit?
Es fängt schon damit an, dass unsere Kameraden zunächst eine Einweisung für das Fahrzeug benötigen. Zudem muss bei der Kleidung abgewartet werden, ob sich die überhaupt noch reinigen lässt. Schließlich ist alles total verrust. Helme und Handschuhe beispielsweise können wir nicht mehr verwenden. Wir arbeiten aber mit Hochdruck daran, dass wir so schnell wie möglich wieder einsatzbereit sind und hoffen, dass wir das bereits im Lauf des Wochenendes hinbekommen.
Müssen die Bürger denn jetzt Angst haben, dass Ihnen nicht geholfen werden kann, wenn ein Feuer ausbricht?
Nein, überhaupt nicht. Die Sicherheit für die Bürger ist selbstverständlich gewährleistet. Die Nachbarfeuerwehren sind ja alle informiert und einsatzbereit, wenn es einen Notfall geben sollte. Das ist aber natürlich keine Dauerlösung.
Es ist ja wahrscheinlich auch gar nicht so leicht, für die Feuerwehr und das Ersatzfahrzeug einen Unterschlupf zu finden…
Wir haben ein Angebot aus der Nachbarschaft bekommen, wo wir das Fahrzeug unterstellen können und auch für die Mannschaft Platz finden würden. Das müssen wir jetzt prüfen. Vorteil wäre natürlich, dass es eigentlich direkt neben dem Feuerwehrhaus liegt und damit auch gewährleistet ist, dass wir genauso schnell am Einsatzort sind, wie bisher.
Und wie sieht es mit den notwendigen Materialien wie beispielsweise neuen Helmen aus?
Da erfahren wir unglaubliche Unterstützung von den Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis und sogar bis in den Kreis Miesbach. Unzählige Kameraden haben schon angerufen und gefragt, ob wir etwas benötigen. Da zeigt sich wirklich: Der Zusammenhalt ist gigantisch. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar.
Gibt es auch Personen, die darüber spotten, dass gerade bei der Feuerwehr ein Brand ausgebrochen ist?
Natürlich wird es auch Menschen geben, die sich darüber lustig machen. Das muss man dann aber einfach mit Humor nehmen. Schließlich haben wir keine Zeit, uns länger mit derartigen Kommentaren auseinanderzusetzen.
Privathäuser in Bayern mussten bis Ende 2017 Räume mit Brandmeldeanlagen nachrüsten, was aber beispielsweise für Feuerwehrhäuser nicht vorgeschrieben ist. Gibt es im Sieghartinger Feuerwehrhaus Rauchmelder?
Nein. Ein üblicher Rauchmelder hätte allerdings auch nichts genützt. Er hätte zwar Alarm geschlagen, nachdem das Haus aber nicht besetzt war, hätte es ja niemand gehört. Da wäre schon ein Rauchmelder notwendig gewesen, der beispielsweise einen Alarm am Smartphone auslöst.
Eine Investition, über die die Wehr vielleicht nachdenken sollte.
Nach diesem Vorfall ist das bestimmt überlegenswert.
Interview: Mathias Weinzierl