Aschau – Im Dankgottesdienst und der anschließenden Feier stand die gelebte Nächstenliebe der Schwestern zu den kleinen Patienten im Mittelpunkt.
Prälat Lorenz Kastenhofer, Domkapitular, drückte es im Gottesdienst prägnant aus: „Vergelt’s Gott!“ Er erinnerte daran, dass die Schwestern sowohl in der Kinderklinik als auch in der Kirche Teil der Gemeinschaft waren. Ordensfrau zu sein bedeute Berufung, ein „Gezogenwerden zu Gott“.
„Trotz NS-Zeit:
Kein Kind wurde ermordet. Danke!“
Besonders hob er das Engagement der Schwestern in den Zeiten des Nationalsozialismus hervor: „Sie haben es geschafft, dass alle Kinder in der Klinik verbleiben konnten und nicht ermordet wurden.“ Auch in der anschließenden Feierstunde würdigten alle Redner, angefangen von Bartholomäus Brieller, dem Vorsitzender des Aufsichtsrates und Vorstandsvorsitzender der Katholischen Jugendfürsorge der Erzdiözese München-Freising e.V., bis heute Träger der Einrichtung, über Geschäftsführer Elmar Kuhn bis hin zu Bürgermeister Peter Solnar die Hingabe der Schwestern. Kuhn zitierte aus einer Biografie über den Namensgeber der Dillinger Schwestern. Franziskus sei „voll Liebe und Demut gewesen“, und dieses Motto hätten die Schwestern in der Kinderklinik vorgelebt. Beinahe genauso lang wie das ehemalige Krüppelheim bestehe, hätten die Schwestern 99 Jahre lang gewirkt. Unzählig viele Patienten hätten sie betreut und umsorgt, insgesamt 125 Schwestern. Nun heiße es Abschied nehmen: „Vergessen Sie Aschau nicht“, rief er den Scheidenden zu.
„Sie waren ein Teil der Gemeinde, das Gesicht Aschaus“, betonte Bürgermeister Peter Solnar. Sie hätten allein durch ihre Anwesenheit im Ort gezeigt, was Liebe sei. In sehr persönlichen Worten dankte er den Schwestern für ihre Arbeit.
Schwester Carla, Provinzialrätin der Dillinger Franziskanerinnen Maria Medinen, die stellvertretend für Provinzialoberin Schwester Elke sprach, ließ die insgesamt 777-jährige Geschichte der Franziskanerinnen Revue passieren. Seit ihrer Gründung sei es für die Schwestern Lebensaufgabe, den Menschen zu dienen, und selbst schwere Zeiten wie den Dreißigjährigen Krieg oder die Säkularisierung im Jahr 1802 habe man gut überstanden. Sie selbst sei 1990 als Postulantin in Aschau gewesen, und habe damals schon mithelfen dürfen. Alle Menschen seien „ein Abbild Gottes“ und jeder Mensch strahle auf seine Art Lebensfreude aus. Während ihrer Rede wurden Bilder aus 99 Jahren Dillinger Franziskanerinnen in Aschau auf eine Leinwand gestrahlt. Manche alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen kannte man aus der Aschauer Chronik, aber so manche jüngere Schwester war vielen Gästen nicht nur vom Bild, sondern auch vom Namen her noch gut bekannt.
Schwester Ludwina, seit 16 Jahren in Aschau und seit elf Jahren hier Leiterin, gestand, dass besonders die letzten zwei Jahre, als sie individuell Kinder fördern durfte, ihre schönsten Jahre in Aschau gewesen seien. Mit ihren 67 Jahren quasi das „Nesthäkchen“ unter den insgesamt noch drei Schwestern wird sie nach Maria Medingen zurückkehren. Schwester Berlinde (79 Jahre) wird ins Mutterhaus und Schwester Heinrika (80 Jahre) nach Maria Schnee bei Dillingen gehen. Mit nur drei Schwestern eine Gemeinschaft aufrechtzuerhalten und das tägliche Gebet zu verrichten, sei schwer, diese Aufgabe müsste auf mehrere Schultern verteilt werden, so Schwester Ludwina.
Schon vor der Abschiedsfeier war überall ein „Schade, dass die Schwestern weggehen“ sowie „Die Schwestern waren doch immer da“ zu hören. Die beiden Instrumentalisten Rupert Schäffer (Geige) und Sepp Schlemer (Klarinette) waren einst als Zivildienstleistende in der Kinderklinik, ebenso Tourist-Chef Herbert Reiter – allen gemeinsam war der Dank für die gemeinsam verbrachten Stunden. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Danke für diesen guten Morgen“, bei dem einige Patienten nacheinander auf einem überdimensional großen Stern kleine Kerzen anzündeten, ging eine sehr berührende Feierstunde zu Ende.