Bad Endorf – Ganz unerwartet hat in diesem Jahr bei heimischen Theaterhäusern William Shakespeare seine Finger im Spiel. Neben den Flintsbacher Theaterern zeigt auch die Endorfer Theatergesellschaft das Liebesdrama „Romeo und Julia“. „Aber das geschah ganz ohne Absprache“, schwört der Endorfer Theatervorstand Markus Mädler. Im Volksstück „Doppelselbstmord – Ko des sei?“ von Ludwig Anzengruber bekommt die Geschichte in der Endorfer Variante eine unerwartete Wendung.
Hier wie in Flintsbach sind nämlich die beiden Liebenden klüger als ihre Väter und wie im Original. Sie setzen dem erbitterten Streit mit ihrer Hochzeit ein zumindest vorläufiges Ende. Und dabei agieren das Anzengrubersche Liebespaar Poldi (Konrad Hamberger) und Agerl (Barbara Bichler) frisch, boarisch und absolut überzeugend.
Wer glaubt, nach 50 Jahren – heuer wird Jubiläum für die lustigen Stückl gefeiert – alle und alles auf der Endorfer Theaterbühne zu kennen, der irrt sich gewaltig. Neben der erfrischenden Spielweise und der beachtenswerten stimmlichen Leistung der Schauspieler kommen erstmals etliche gute Stimmen und Musiker, Mitglieder der Landjugend, zum Einsatz. Sie zupfen auf der Gitarre, quetschen die Ziach und fiedeln die Geige. Und sie singen – passend zur Situation – freche, lustige oder traurige Gstanzl.
Das kam beim Premierenpublikum sehr gut an, schärften und lockerten die Singeinlagen die Bauernposse in fünf Akten von Ludwig Anzengruber.
Doch ganz im Gegensatz zum bekannten Vorbild aus England schickt der österreichische Autor sein Liebespaar nicht in den Tod, sondern in den Heustadl, wo es schließlich von der Dorfgemeinschaft, die das Schlimmste befürchtet hatte, nach langer Suche endlich gefunden wird.
Überhaupt diese Dorfgemeinschaft: Dirndl, Burschen, Hochwürden, Wirte und Bauern agieren umwerfend authentisch. Man nimmt ihnen ihre Frotzeleien, aber auch die sich steigernde Sorge um das Liebespaar ab. Denn zunächst wird nur so pro forma gesucht, doch je länger die Suche dauert, umso mehr wandelt sich die Sorge in fühlbare Angst: „Sie werden sich doch nichts angetan haben?“, hoffen alle.
Überzeugend in ihren Rollen auch die beiden Väter, der Großbauer Sentner (Hans Plank) und der Kleinbauer Hauderer (Hermann Siflinger). Einst dicke Freunde, sind sie jetzt bis ins Mark verfeindet. Mühsam fällt ihnen im Wirtshaus ein, warum der Streit vor Jahrzehnten ausgebrochen ist. Natürlich, der Liebe wegen! Aber einmal Feindschaft, immer Feindschaft. Und außerdem: Großbauer und Kleinbauer, da kann es doch keine Verbindung geben.
In der Wirtschaft „zum blauen Bock“ kommt die ganze Gesellschaft immer zusammen – an getrennten Tischen, versteht sich. Da wird dann alles ausgekartelt. Bis der Kleinbauer sich an den Stammtisch der Großkopferten setzt. Dann geht’s los!
Tumultartige Szenen, Rauferein, grad schee is! Mittendrin die Burschen. Zunächst werfen sie den feschen Dirndl – sie nennen sie „Henna“ – nur Blicke zu, dann lockt die Prügelei.
Kramer Zangl (Gerhard Feichtner) scharwenzelt derweil um die Damenwelt herum, doch Gattin Mechthild (Paula Aiblinger) kennt ihren Pappenheimer. Resolut-pfiffig dirigiert sie ihn raus aus den vielen Fettnäpfchen und Lügen. Mittendrin Hochwürden (Simon Scharl), der mit guten Worten, aber wenig Erfolg immer wieder versucht, seine Schäflein auf den richtigen Weg zu bringen.
Wirt (Sepp Kößlinger) und Wirtin (Ina Siferlinger) agieren schlau und sind immer aufs Geschäft bedacht. Eine schauspielerische Glanzleistung!
Weit weg vom dörflichen Trubel das glückliche Liebespaar Poldi (Konrad Hamberger) und sein Agerl (Barbara Bichler): zunächst noch schüchtern, dann umso draufgängerischer. Das Paar geht seinen Weg, gegen alle Widerstände. Wunderbar und absolut nachvollziehbar zeichnen Bichler und Hamberger diese Entwicklung nach. Die Musikanten Matthias Widholzer, Alois Reinthaler und Martin Ettenhuber sorgten mit ihrer Musi für Unterhaltung vor dem Vorhang – während auf der Bühne umgeräumt wurde.