Feuerwehr Neukirchen ist wieder Einsatzfähig

Helfern wird viel Hilfe zuteil

von Redaktion

Die Neukirchner Feuerwehr ist wieder voll einsatzfähig: Nachdem ein Brand nicht nur das Löschfahrzeug und die Ausrüstung zerstört hat, sondern den Rettern auch ihren Stützpunkt raubte, hat ein Nachbar den Feuerwehrlern Unterschlupf gewehrt. Kameraden aus dem Kreis und darüber hinaus stellten Ausrüstung zur Verfügung.

Riedering – „Montagnachmittag war’s so richtig schlimm. Da lagen die Nerven völlig blank.“ Stephan Bergmann, Vorsitzender der Neukirchner Feuerwehr, meint damit nicht die ersten Stunden, nachdem am 19. Juli ein Schwelbrand das Löschfahrzeug zerstört und das in Siegharting stehende Feuerwehrhaus fürs Erste unbrauchbar gemacht hatte. Er meint den Tag, als die Feuerwehrler Stunde um Stunde zwei große Container mit Schutt füllten. Schutt, der vier Tage zuvor noch hochwertige Ausrüstung gewesen war: Schuhe, Helme, Mäntel, Schutzanzüge.

Zwei große

Container Schutt

Doch nicht nur kaputte Ausrüstung flog in den Container, auch jede Menge Erinnerungen an 148 Jahre Freiwillige Feuerwehr Neukirchen: Bilder von früheren Festen, Urkunden, Ehrengaben. Nicht nur Privatleute, auch eine Feuerwehr verliert bei einem Brand das meiste von dem, was bis dahin untrennbar zu ihrer Persönlichkeit gehörte.

Der Montag bewies aber auch, dass sich Feuerwehrleute nicht durch Lamentieren über Verlorenes auszeichnen, sondern durchs Anpacken der nächsten Aufgabe. Während die einen noch den Schutt entsorgten, machte sich ein anderer Arbeitstrupp daran, eine bis dahin offene Maschinenhalle in ein provisorisches Feuerwehrhaus umzubauen. Angeboten hatten diese die „Feuerwehrnachbarn“ Sebastian Staber und sein Vater, ganz nach dem Motto „gredt is glei – doa muas ma wos“.

Unternehmen stellt Kameraden frei

Ebenso selbstverständlich stellte die Firma Schreiner aus Thalham nicht nur die zwei Feuerwehrleute frei, die bei ihr arbeiteten, sondern auch Werkstatt und Maschinen zur Verfügung. Andere Feuerwehrler nahmen sich für diesen Tag Urlaub – und schon am Montagabend war eine Trennwand eingezogen, waren die übermannshohen Tore hergestellt und eingehängt, um Feuerwehrfahrzeug und Ausrüstung sicher unterzubringen.

Dass überhaupt was zum Unterbringen da ist, das, so Georg Lindner, Kommandant der Neukirchner, lag am Zusammenhalt von Feuerwehr zu Feuerwehr. Dass die Kameradschaft innerhalb einer Feuerwehrmannschaft eine ganz besondere ist, weiß man, es ist auch verständlich: Wer bei seiner Arbeit immer wieder binnen Sekunden reagieren muss, sich dabei aber keinen Fehler erlauben kann, weil der Menschenleben gefährdet, der muss sich auch 100-prozentig auf seinen Nebenmann verlassen können.

Dass diese Kameradschaft aber auch von Feuerwehrtrupp zu Feuerwehrtrupp vorhanden ist und so viel Tatkraft enfaltet – das war in diesem Ausmaß selbst für die Neukirchner Feuerwehr eine Überraschung: Nur zwei Stunden nach dem Brand hatte man bereits wieder ein Löschfahrzeug. Es stammt aus dem Bestand der Kolbermoorer Feuerwehr (wir berichteten) und organisiert hatte die Aktion Kreisbrandrat Richard Schrank. Von anderen Feuerwehren kamen die so wichtigen speziellen Mäntel, ohne die kein Einsatz möglich ist.

Angebote gab es diesbezüglich nicht nur aus dem ganzen Landkreis, sondern sogar darüber hinaus: So werden die Neukirchner vorübergehend mit Mänteln im Einsatz sein, die die Aufschrift „Feuerwehr Hausham“ oder „Feuerwehr Bernau“ tragen. Selbst die Dinge, die nicht zu leihen sind, sondern die man neu kaufen musste, wie Schuhe und Helme, kamen schnell, viel schneller als sonst üblich: Hier zogen auch die Lieferanten mit an einem Strang und machten Unmögliches möglich.

Von daher konnte Lindner schon am Dienstag feststellen, dass die Neukirchner nur fünf Tage nach dem Brand nicht nur wieder voll und ganz einsatzfähig, sondern auch ordentlich untergebracht sind. Zu einem Einsatz auszurücken, so Lindner, das wäre dank der Hilfe von allen Seiten sogar schon ab vergangenen Samstagmittag möglich gewesen.

Auch sonst möchten die Feuerwehrler zeigen, dass sie nichts so schnell aus der Bahn werfen kann. Ihr Sommerfest an diesem Freitag in Ecking am Seeparkplatz wird wie geplant stattfinden. Und, wie Vorsitzender Bergmann betont, soll es ein ganz normales Fest werden. Wenn es nach der Feuerwehr geht, braucht der Brand dort kein Thema zu sein, man will auch keine Spenden sammeln: „Die Leute sollen einfach der Gaudi wegen kommen, wie sonst halt auch.“

Wiedereinzug in wenigen Wochen?

Trotzdem bleibt die Frage, wie es mit der Neukirchner Feuerwehr weitergeht. Hier sind die Nachrichten gut: Die Rückkehr ins alte Feuerwehrhaus in Siegharting scheint absehbar. Nachdem das Haus von allem Inventar befreit wurde, ist der Boden bereits von einer Spezialfirma gereinigt worden. Sobald die versicherungstechnischen Fragen geklärt sind, kommen Wände und Decken dran.

Kommandant Lindner hofft, dass das alles nur eine Frage von wenigen Wochen ist. Und dann – das ist für die gesamte Mannschaft keine Frage – wird es nochmal ein großes Fest geben. Auch und vor allem als Dank an all jene aus dem Landkreis und darüber hinaus, die gezeigt haben, was die Kameradschaft unter Feuerwehrleuten zu leisten vermag.

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