Nußdorf – Als die Telekom im Frühjahr die Heuberggemeinde aufforderte, ihr einen geeigneten Standort für einen Funkmasten zu benennen, sprach sich der Mobilfunkdienstleister gleichzeitig auch für einen „idealen Standort“ aus: In der Ortsmitte gleich am Rathaus (wir berichteten).
Nachdem einige Gemeinderäte ihre Bedenken im Hinblick auf die Belastung mit Funkstrahlen und der Gestaltung des Ortsbildes in einer Ratssitzung geäußert hatten, machten sie Nägel mit Köpfen und unterbreiteten der Telekom Alternativvorschläge. Allerdings lagen die Standorte allesamt am Ortsrand – etwa am Hochbehälter der Wasserversorgung. Diese Vorschläge, so hieß es dann von der Telekom, würden jedoch keine umsetzbare Alternative darstellen.
Mittlerweile fühlten sich die Gemeinderäte nicht mehr objektiv von der Telekom beraten, während die Uhr für eine Entscheidung weiter tickte. Wenn die Gemeinde der Telekom bis Ende Juli keinen akzeptablen Standort benennen könne, sei sie berechtigt, auch ohne Mitsprache der Gemeinde selbst einen geeigneten Standort zu suchen. Schließlich sei die Telekom nicht im eigenen Interesse unterwegs, sondern sei von der Bundesnetzagentur beauftragt, erklärte ein Telekom-Mitarbeiter gegenüber Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer.
Diese Erklärung ersetze für viele Gemeinderäte jedoch nicht die angemahnte objektive Beratung. Daher beschloss der Gemeinderat, einen neutralen Fachberater für Funktechnik hinzuzuziehen. Der anerkannte Fachmann kam zu einer anderen Auffassung als die Telekom und fand die Vorschläge des Gemeinderates als „durchaus diskutabel“. Als sich die Telekom mit dieser Expertise konfrontiert sah, zog sie sich von ihrem Vorhaben zunächst zurück. „Die Telekom hat uns mitgeteilt, dass sie ihre Prioritäten verändert hat und sich zunächst um die Gemeinden kümmern möchte, die einen Funkmasten haben wollen“, erklärte der Rathauschef in der jüngsten Gemeinderatssitzung. So habe die Telekom Nußdorf auf ihre „Rote Liste“ gesetzt, „was auch immer das zu bedeuten hat“, kommentierte Oberauer. Auf seine Nachfrage bei der Telekom habe ihm niemand so richtig erklären können, was es denn mit dieser Liste auf sich habe.
Positive
Konsequenz
Für die Gemeinde bedeute das aber, dass sie nun das „Heft des Handelns“ wieder selbst in der eigenen Hand halte und nun mit neutraler Hilfe einen für die Gemeinde akzeptablen Standort suchen könne, so Oberauer. Während dieser Zeit gilt eine Veränderungssperre, die die Telekom nun erst einmal abwarten muss. „Falls wir wieder von der Roten Liste gestrichen werden sollten, dann haben wir eine ortsverträgliche Planung in der Schublade“, argumentiert der Bürgermeister.
Und das, so hieß es im Gemeinderat, könne gegebenenfalls schneller gehen als gedacht, denn Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagt den „Löchern“ im deutschen Mobilfunknetz, insbesondere im ländlichen Bereich, den Kampf an.