Schechen/Flintsbach/Nußdorf/Oberaudorf/Kiefersfelden – Die Zahlen sprechen für sich: Bei den insgesamt 15 Infonachmittagen, die die DB und die ÖBB an verschiedenen Orten zwischen Tuntenhausen, Rosenheim und dem Tiroler Inntal zur Vorstellung der Grobtrassen angeboten hatten, schauten insgesamt 3468 Besucher vorbei. Das erklärte die Deutsche Bahn AG.
Anhand von Schautafeln seien die Grobtrassenverläufe dargestellt worden, Bahn-Mitarbeiter seien an den Info-Nachmittagen für Nachfragen vor Ort gewesen. „Es sind mehr Menschen gekommen, als wir erwartet hatten. Der Infobedarf ist groß und zeigt, dass wir mit der Info-Kampagne richtig unterwegs sind“, so DB-Projektleiter Torsten Gruber. Diese Infomärkte seien ein wichtiger Baustein, um die Bürger transparent über die Planungen zu informieren.
Bei jedem der 15 Info-Nachmittage seien Kärtchen an die Besucher mit der Bitte ausgeteilt worden, darauf die persönlichen Eindrücke zu schildern. „Diese Kärtchen werden aktuell ausgewertet“, erklärte Franz Lindemair, Bahn-Pressesprecher. Vorschläge, die Trasse unter die bestehende Autobahn zu legen, oder nahe und parallel zum Inn zu führen, werde die Bahn prüfen, meinte der Bahn-Pressesprecher.
Interessant ist, dass die Info-Nachmittage auf sehr unterschiedliches Interesses gestoßen sind. Während sich in Tuntenhausen mehr als 400 Besucher vor den Schautafeln tummelten, waren es in Neubeuern nur rund 128 – obwohl es dort eine sehr aktive Bürgerinitiative gibt.
Eher mäßig besucht war die Veranstaltung in Fischbach. Hier waren Bürger aus Flintsbach und Nußdorf eingeladen. Nur zaghaft hätten die Bürger von Nußdorf die Gelegenheit genutzt, so der Bürgermeister. Deshalb plant Nußdorf eine außerordentliche Bürgerversammlung, die im Herbst stattfinden soll, erklärte Rathauschef Sepp Oberauer. Dabei soll darauf geachtet werden, dass nur Einwohnern aus Nußdorf Einlass gewährt werde.
Fischbach
Von Bürgern nachgefragt wurde, ob auf der Neubaustrecke nur der Personenverkehr, nicht aber der Güterverkehr abgewickelt werden soll. Natürlich soll auf der Neubaustrecke auch der Güterverkehr fahren, hieß es.
Die angebliche Zeitersparnis für die Strecke Innsbruck nach Wien von einer halben Stunde rechtfertige den gewaltigen Flächenverbrauch und die Naturzerstörung mit zusätzlichen Verknüpfungsstellen nicht, so ein kritischer Bürger.
In Scharen waren Besucher nach Schechen in den Pflegerstadel geströmt, wo Mitarbeiter der Bahn anhand von Schautafeln die möglichen Bahntrassen, die das Gemeindegebiet Schechen durchschneiden, erklärten. Ein Bürger: „Ich bin gekommen, weil die Trasse Marienberg hinter meinem Haus vorbeiführen wird.“ Eine andere Besucherin stellte fest, dass sie „von zwei Eisenbahnlinien, der bestehenden Strecke Wasserburg-Rosenheim und der Variante Marienberg“, umzingelt werden soll. „Das geht nicht“, meinte sie resolut.
Heftige Diskussionen entwickelten sich zwischen Mitarbeitern der Bahn und Betroffenen über die Notwendigkeit und die Führung der Bahntrassen im Raum Schechen. Zu hören war, dass die Varianten Marienberg und Eigenholz von den Besuchern abgelehnt werden.
Kiefersfelden
Einen Überblick über die verschiedenen Vorschläge einer möglichen Trassenführung konnten sich die Bürger des Grenzortes Kiefersfelden in der örtlichen Schulturnhalle machen. Sehr viele Interessierte, darunter auch Bürgermeister Hajo Gruber, nutzten das Angebot der Bahn zum „Dialog mit der Region“, so der DB-Slogan. An verschiedenen Stellwänden war der Verlauf der einzelnen Trassen kartografisch aufbereitet und kompetente Ansprechpartner gaben zu den Vorschlägen oder Planungen Auskunft auf nahezu jede diesbezügliche Frage. Allerdings stand in Kiefersfelden, direkt am Übertritt in das deutsche Hoheitsgebiet, eigentlich nur die „unterirdische Trassenführung“ im Blickpunkt, alle anderen Alternativen rückten in den Hintergrund, da sie schon allein aufgrund des beengten Raumes in diesem Bereich des Inntals als nicht durchführbar erscheinen. Insgesamt war das Interesse sehr groß und in den vielen, teils intensiven Einzelgesprächen mit den Fachleuten an den Kartenständen war deutlich zu erkennen, dass der Nordzulauf zum Brennerbasistunnel auch jede Menge Konfliktpotenzial in sich birgt und die Menschen informiert werden wollen.