Kiefersfelden – Knapp drei Wochen nach dem überraschenden Tod ihres langjährigen Spielleiters und Kasperldarstellers Andreas Gruber sind alle überzeugt, die Jubiläumsinszenierung von „Kaiser Oktavianus“ wird ein Erfolg.
Über 20-mal haben die über 40 Darsteller mit ihrem verstorbenen Spielleiter Andreas Gruber das handlungsreiche Ritterdrama „Kaiser Oktavianus“ geprobt. Im März begannen im Volkstheater Ritterschauspiele Kiefersfelden die ersten Leseproben, dann wurden nach und nach die einzelnen Akte spielerisch gestaltet, dazwischen noch Singproben und Bühnenabläufe. Auch zwei komplette Durchläufe aller vier Akte, Anfang Juli sogar schon mit Kostümen, fanden noch unter Grubers Regie statt. Doch einen Tag vor der dritten Durchlaufprobe verstarb Andreas Gruber am 9. Juli.
Einen Tag später versammelten sich alle Mitwirkenden, wie im Probenplan vorgesehen, auf der Bühne ihres Volkstheaters. Sie bestärkten sich gegenseitig, die schon so weit gediehene Inszenierungsarbeit ihres Spielleiters fortzusetzen. In den letzten knapp drei Wochen haben alle Mitwirkenden mit Entschlossenheit, Elan und ein paar neuen Ideen die Inszenierung von „Kaiser Oktavianus“ weiter geprobt.
Unter Leitung der beiden kommissarischen Spielleiter Philipp Kurz und Sebastian Bleier wurde so das historische Ritterschauspiel reif für die bereits ausverkaufte Premiere am morgigen Samstag.
Die Inszenierung knüpft natürlich an die seit 15 Jahren prägende Regiearbeit des verstorbenen Spielleiters an, aber es wurden auch kleinere Änderungen und Rollenumbesetzungen notwendig. All das konnte ohne größere Problem bewältigt werden, auch bei der Neubesetzung des seit 35 Jahren von Andreas Gruber gespielten Kieferer Kasperl. Diese Figur, entlehnt dem Hanswurst im Wiener Volkstheater, ist bei den in Kiefersfelden gespielten Ritterschauspielen seit jeher der Mittler zwischen der Dramatik der Bühne und den Zuschauern, zwischen denen da oben und denen da unten.
Im Gegensatz zur besonderen Hochsprache in den Ritterstücken darf der Kasperl im heimischen Dialekt reden. Es war ein Glücksfall, dass diese Rolle mit Sepp Goldmann besetzt werden konnte, der nicht nur ein langjähriger Theaterspieler ist, sondern auch in der Region als gewandter Hochzeitslader agiert. Die notwendig gewordene Neubesetzung des Kieferer Kasperl sei namentlich nur ausnahmsweise erwähnt, weil bei den Kiefersfeldener Ritterschauspielen seit jeher im Programmheft nur die handelnden Bühnenpersonen aufgeführt werden und nicht, wer diese Rollen spielt. „Nur miteinander garantieren wir den Erfolg, niemand soll hervorgehoben werden“, so ist es schon immer Tradition in Kiefersfelden.
Mit diesem Gemeinschaftsgefühl konnten alle rund 100 Mitwirkenden, ob nun auf oder hinter der Bühne, anlässlich „400 Jahre Volkstheater Ritterschauspiele Kiefersfelden 1618-2018“, die heurige Jubiläumsinszenierung des historischen Ritterschauspiels von Josef Georg Schmalz stemmen: „Kaiser Oktavianus oder: Die unschuldig mit ihren Kindern in das Elend vertriebene Kaiserin Dianora“.
Dieses Paradestück von Schmalz kam in Kiefersfelden erstmals 1873 auf die Bühne, danach noch vier Mal, zuletzt vor zehn Jahren. Das Publikum nahm den Parforceritt durch die Geschichte mit historischen Sprüngen und abenteuerlichen Handlungssträngen stets begeistert auf.
Kaiser Oktavianus, ein römischer Kaiser, verstößt seine angeblich untreue Ehefrau samt ihrer neugeborenen Zwillinge. Als er dies als Intrige erkennt, ist es zu spät und es dauert 18 Jahre, bis die Geschichte um Liebe, Hass und Gnade ein gutes Ende findet. Durchwoben von vielen Handlungssträngen und Kämpfen, mit Kreuzzugsrittern, Sarazenen und Räubern, mal in Rom, Jerusalem, Frankreich oder Spanien spielend.
Nach der Premiere am morgigen Samstag wird „Kaiser Oktavianus“ noch bis 16. September, immer samstag oder Sonntag, um 19 Uhr, im Volkstheater Ritterschauspiele Kiefersfelden aufgeführt. Kartenvorverkauf, Telefon 08033/976545.