lange Nacht der Kirche in Albertaich

Mehr als nur ein Ort der Stille

von Redaktion

Bei der langen Nacht der Kirche machte der Pfarrverband Obing erfahrbar, dass Kirchenräume mehr sein können, als Orte der Stille und des Gebets.

Obing – Das Brot teilen, miteinander beten, reden, singen und lachen – die lange Nacht der Kirche war ein ganz besonderes Erlebnis. Die vielen Besucher, die gespannt zu der Premiere der Pfarrverbandsveranstaltung nach Albertaich gekommen sind, waren ausnahmslos begeistert. „Schee war’s“, „gemütlich“ und „sehr interessant“, war häufig zu hören, ebenso wie der Wunsch, dass man das gerne mal wieder machen könne. Die Idee, Kirche offen, barrierefrei und lebendig zu präsentieren, kam prima an.

Diakon Wolfgang Mösmang hatte vor einigen Jahren die lange Nacht der Kirchen in Wien miterlebt und seitdem den Wunsch, eine ähnliche Veranstaltung im Pfarrverband zu realisieren. Bekanntlich wird ja etwas, was lange währt, dann auch wirklich gut, und so stellten die Verantwortlichen ein gelungenes Fest auf die Beine, das zwanglos Glauben und Unterhaltung miteinander verband. Der schöne Sommerabend tat ein Übriges und am Ende fiel nur die geplante Fackelwanderung zum Wölkhamer Kreuz dem Regen zum Opfer. Der guten Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Der Großteil des Programms konnte wie geplant stattfinden.

Zum Auftakt gab es in der Filialkirche unter dem Motto „Rock trifft Kirche“ ein Orgelkonzert mit Sepp Beck und Gesangsstücke mit Michael Hofstetter. Bei der Musik von Zirkus Renz über „Marmorstein und Eisen bricht“ bis hin zu „We are the Champions“, „Jump“ oder „I have a dream“ wurde in den Kirchenbänken fleißig mitgewippt.

Die Albertaicher Dorfgemeinschaft hatte im „Moier“ Backofen Brote gebacken, die nach dem Gottesdienst in gemütlicher Runde mit Butter und Schnittlauch mit allen Festbesuchern verspeist wurden. Die Ministranten luden mit verschiedenen Cocktails zum Barbesuch. Wer mochte, konnte in die Psalmen in Versform mit Ruhestandspfarrer Christoph Kronast eintauchen oder am Dorfplatz gemütlich ratschen. Später wurde die große Runde rund ums Lagerfeuer zum sängerstarken Chor, der stimmungsvoll gängige Volkslieder sang.

Darüber hinaus erfuhren die Besucher bei einer Kirchenführung im Dunkeln alles, was sie schon immer mal über das Gotteshaus und seine Ausstattung wissen wollten. Im Lampenschein kamen die einzeln beleuchteten Objekte, die sonst nicht so auffallen, ganz besonders zur Geltung und auch Figuren aus der zweiten Reihe rückten für einen kurzen Moment in den Mittelpunkt. Am Ende kam auch heraus, dass in der Filialkirche früher eine Wallfahrts- und eine Marienkirche war, bevor der heilige Jakobus zum Patron wurde und – für Gotteshäuser eher untypisch – auf der rechten Altarseite, der Männerseite, ausnahmslos weibliche Heilige abgebildet sind.

Kirche von einer anderen Seite

Das lasse vermuten, „dass in Albertaich die Frauen den Ton angeben“, stellte Wolfgang Mösmang mit einem Augenzwinkern fest. Er freute sich, dass weit mehr Besucher als erhofft nach Albertaich gekommen sind und das Experiment, Kirche von einer anderen Seite zu zeigen, so gut angenommen wurde. Eine Wiederholung scheint nicht ausgeschlossen. Gut vorstellbar, dass die Veranstaltung im jährlichen Wechsel dann auch in Pittenhart, Kienberg und Obing ausgerichtet wird.

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